Eine Schlüsseltechnologie für grünes Wachstum in Asien

Um nachhaltige Entwicklung in Vietnam und anderen Ländern Asiens voranzubringen, bündeln die Universität Rostock und vietnamesische Partnerhochschulen ihre Stärken in einem Graduiertenkolleg: Gemeinsam fördern sie Forschung und Ausbildung in der Schlüsseltechnologie Katalyse.

deutsch-vietnamesischen Zusammenarbeit

Vietnam steht für Wachstum. Auch für die Zeit nach der Corona-Pandemie rechnen Fachleute mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft des südostasiatischen Landes. Vietnam möchte seinen Aufschwung möglichst im Einklang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) gestalten. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein chemischer Prozess: die Katalyse. „Sie ist ein Schlüssel zur Bewältigung der ökonomischen und ökologischen Herausforderungen in Entwicklungsländern“, sagt Prof. Dr. Udo Kragl, Vizerektor für Forschung und Wissenstransfer an der Universität Rostock und Leiter des Projekts „RoHan Catalysis – SDG Graduate School“.

Prof. Dr. Udo Kragl

Bei dem Graduiertenkolleg handelt sich um eine institutionelle strategische Partnerschaft zwischen der Universität Rostock, dem ihr verbundenen Leibniz-Institut für Katalyse, der Technischen Universität Hanoi (Hanoi University of Science and Technology, HUST) sowie der zur Vietnamesischen Nationaluniversität gehörenden Hanoi University of Science (VNU-HUS). Das Projekt ist eines von sieben SDG-Graduiertenkollegs weltweit, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) finanzieren.

Ressourcen schonen mit chemischen Reaktionen

Zentrale Herausforderungen der Agenda 2030 stehen bei der deutsch-vietnamesischen Zusammenarbeit im Mittelpunkt: Wie können Entwicklung und Wohlstand einhergehen mit Klimaschutz, nachhaltiger Produktion und der sorgsamen Nutzung begrenzter Ressourcen? Vietnams Regierung setzt auf „grünes Wachstum“, doch noch fehlen dem Land Know-how und ausreichend Expertinnen und Experten. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach mehr Gütern und Energie.

Hier kommt die Katalyse ins Spiel: die Wissenschaft von der Kontrolle chemischer Reaktionen, die sowohl im Alltagleben als auch in der Industrie eine hohe Bedeutung haben. Katalysatoren kontrollieren, beschleunigen und verbessern chemische Stoffumwandlungen. Optimal eingesetzt, helfen sie Ressourcen zu schonen, denn sie können den Energiebedarf für chemische Reaktionen senken und gleichzeitig die Stoffausbeute erhöhen.

Durch Katalyse kann auch der Schadstoffausstoß in der Industrie und im Verkehr erheblich reduziert werden. „Wer Vietnams Straßen mit den unzähligen Motorrädern und Motorrollern kennt, versteht, wie wichtig das ist“, sagt der Chemiker Dr. Dirk Hollmann von der Universität Rostock. Zusammen mit Dr. Esteban Mejia vom Leibniz-Institut für Katalyse koordiniert er die RoHan-Graduiertenschule auf deutscher Seite. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland und Vietnam hat er ein internationales Netzwerk für nachhaltige Chemie in Hanoi aufgebaut. Auch Forschende und Studierende aus Indien, Indonesien, Malaysia und Thailand werden aktiv durch wissenschaftliche Kooperationen eingebunden. Insgesamt konnten sich mehr als 50 fortgeschrittene Studierende sowie Professorinnen und Professoren aus Asien weiter qualifizieren. Vier Ausbildung- und Forschungsschwerpunkte gibt es dabei, alle sind für das Erreichen der SDGs wesentlich: Wasser- und Luftreinigung, Nutzung nachwachsender Rohstoffe und Minimierung von Abfällen.

Projektkoordinator Dr. Dirk Hollmann mit Studierenden im Labor

„Für uns in Vietnam ist die Zusammenarbeit mit Rostock von grundlegender Bedeutung“, sagt Professorin Le Minh Thang von der HUST. Sie vertritt bei der Kooperation die vietnamesische Seite: „Der Austausch bringt uns auf den internationalen Forschungsstand.“ Die Chemikerin erzählt, dass den vietnamesischen Partnern Labore mit modernen Geräten eingerichtet wurden. „Jetzt können wir auf dem gleichen Level forschen“, sagt sie, „und Studierende, die zum Austausch in Rostock waren, können ihre Studien in Hanoi nahtlos fortsetzen.“ Das ist auch Voraussetzung für einen neuen Master mit Doppelabschluss, der in Deutschland und Vietnam anerkannt wird.

Prof. Le Minh Thang

Durch den Austausch, der nun unter Lehrenden und Studierenden möglich sei, „erhält das Thema Nachhaltigkeit in Vietnam neue Impulse“, so Le Minh Thang. Das gilt für die Grundlagenforschung, aber auch für die Anwendung in der Industrie. RoHan Catalysis pflegt außerdem Kontakte zu Unternehmen in Vietnam und Deutschland, beispielsweise im Bereich der Elektrolyse zur Gewinnung von Wasserstoff, einer weiteren Zukunftstechnologie für den Klimaschutz.

Für Le Minh Thang leistet die universitäre Zusammenarbeit auch einen Beitrag zum Erreichen der Geschlechtergleichheit. „Obwohl es ein langer Weg ist: Durch die neuen Möglichkeiten in Ausbildung und Forschung können Frauen gestärkt werden, die in unseren Chemiefakultäten einen Großteil des Personals ausmachen.“ Die 45-Jährige ist selbst ein Beispiel dafür. Ihre internationalen Erfahrungen und Forschungserfolge waren ausschlaggebend dafür, dass sie jetzt eine Professur an der renommierten Technischen Universität Hanoi innehat.

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