„Die SDGs sind unser gemeinsamer Kompass”

Durdana Prado Álvarez ist Koordinatorin für die Agenda 2030 beim Ministerium für Planung und Bürgerbeteiligung des mexikanischen Bundesstaates Jalisco. Seit Ende 2019 ist sie dort zuständig für die Förderung der Sustainable Development Goals (SDGs) und für die Ausrichtung der Arbeit des Bundesstaates an den Zielen. Prado ist DAAD-Alumna und hat in Köln und Leipzig studiert.

DAAD-Alumna Durdana Prado Álvarez

Frau Prado, was bedeuten die SDGs aus Ihrer Sicht?

Die SDGs geben uns einen gemeinsamen Kompass, um voranzukommen, Herausforderungen anzugehen und Probleme zu lösen. Das gilt für alle Gesellschaften und Länder gleichermaßen. Daher denke ich, dass die Agenda 2030 und die SDGs wirklich für jede und jeden von uns relevant sind.

Sie arbeiten beruflich mit der Agenda 2030 – als Koordinatorin für die SDGs in Ihrem Heimatstaat Jalisco. Was sind Ihre Aufgaben?

Es geht darum, das Bewusstsein für die Bedeutung der SDGs hier in Jalisco zu schärfen. Ich bin so etwas wie die offizielle Fürsprecherin der Nachhaltigkeitsziele innerhalb des Bundesstaates.

Wie gehen Sie dabei vor?

Ich fungiere als Ansprechpartnerin auf Ministerebene. Ich suche oder halte Kontakt zur Nationalregierung, zu internationalen Akteuren wie dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) oder der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), außerdem zur Öffentlichkeit in Jalisco, zum privaten Sektor, zur Zivilgesellschaft und zur akademischen Gemeinschaft. Das bedeutet, dass ich mit vielen Menschen kommuniziere, auch aus anderen Teilen der Regierung des Bundesstaates, aus kommunalen Behörden, Nichtregierungsorganisationen und so weiter. Das Ziel ist immer, die SDGs zu fördern und die Menschen stärker dafür zu sensibilisieren.

Beschäftigen Sie sich auch mit der Umsetzung der Ziele?

In gewisser Weise, ja. Ich gehöre zu einer Abteilung, die für die strategische Governance und die Entwicklungsagenda von Jalisco zuständig ist. Es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diese Agenda auf die SDGs abgestimmt ist. Sie ist das wichtigste Instrument für die Planung in unserem Staat und auf sechs Jahre angelegt. Die nächste Revision ist für 2021 vorgesehen – das bietet uns eine gute Gelegenheit zu sehen, wo wir in Bezug auf die SDGs stehen.

Sind einige der 17 Ziele für Mexiko und Jalisco wichtiger als andere?

Alle SDGs sind von großer Bedeutung für unser Land und unseren Bundesstaat. In Mexiko beobachten wir Hunger, Armut, Ungleichheit, soziale Ungerechtigkeit, Ungleichbehandlung der Geschlechter sowie Probleme bei Rechenschaftspflicht und Transparenz, um nur einige zu nennen. Ich sehe Herausforderungen im Zusammenhang mit allen SDGs. Aber ich würde sagen, dass Jalisco sich besonders aktiv für SDG 13 einsetzt, den Klimaschutz.

Weil Sie die Folgen des Klimawandels schon spüren?

Ja, ganz genau. Der Klimawandel schafft bereits alle möglichen Probleme, zum Beispiel Wasserknappheit und als Folge davon Schwierigkeiten in der Landwirtschaft. Die nicht nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen sorgt dafür, dass viele Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Deshalb unternehmen wir große Anstrengungen, um den Klimawandel abzuschwächen und uns an seine negativen Auswirkungen anzupassen.

Was bedeutet das genau?

Es gibt eine Kommission für Klimapolitik, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern des mexikanischen Staates und der Kommunen zusammensetzt. Jalisco hat die Führung in dieser Kommission übernommen, in der sich der öffentliche Sektor mit dem privaten Sektor, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft austauscht, um nach den besten Wegen zur Eindämmung des Klimawandels und die Anpassung daran zu suchen. So informieren wir uns zum Beispiel über Möglichkeiten, den Ausstoß von Treibhausgasen und das Abholzen der Wälder zu reduzieren.  

Hat sich die Öffentlichkeit in Jalisco die Idee der Nachhaltigkeit zu eigen gemacht oder müssen Sie die Menschen noch überzeugen?

Ein bisschen von beidem. Ich sehe eine hohe Motivation und gute Initiativen. Doch es gibt weiterhin viele Menschen, die der Agenda 2030 und den SDGs skeptisch gegenüberstehen.

Wie schwierig wird es für Ihren Bundesstaat sein, die SDGs zu erreichen?

Grundsätzlich bin ich Optimistin. Ich glaube, dass wir Menschen viel tun und viel erreichen können. Aber um ehrlich zu sein, haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Es ist ein langfristiges Projekt. Ich werde die SDGs auf jeden Fall geduldig und beharrlich fördern.

Einige sagen, Corona sei eine echte Bedrohung für die SDGs. Was ist Ihre Meinung dazu?

Ich stimme mit denjenigen überein, die meinen, dass es Rückschläge geben wird. Die Pandemie wird schwerwiegende negative Folgen haben. Nichtsdestoweniger glaube ich fest daran, dass die Agenda 2030 und die SDGs heute relevanter sind denn je. Sie machen deutlich, dass wir alle die gleichen Probleme haben und sie nur gemeinsam lösen können. Wir sollten Corona als eine Gelegenheit betrachten, zusammenzukommen und noch kreativere und innovativere Ideen dafür zu entwickeln.

Wie wichtig ist nachhaltiges Handeln für Sie persönlich? Haben Sie Ihre Gewohnheiten geändert?

Als ich 2010 zum ersten Mal nach Deutschland kam, habe ich begonnen, einige gute Ansätze zu übernehmen und sie in meinen Alltag zu integrieren: den Abfall trennen, die Dinge gut pflegen, wiederverwenden und recyceln, um den Verbrauch und damit die Nutzung natürlicher Ressourcen einzugrenzen. Zurück in Mexiko, habe ich diese Gewohnheiten an meine Familie weitergegeben und versuche seitdem, ein gutes Beispiel zu sein.

Die Zeit in Deutschland war also ein wichtiges Kapitel für Sie?

Es war in der Tat eine sehr bereichernde Erfahrung und ein Wendepunkt in meinem persönlichen, akademischen und beruflichen Leben.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

Ich möchte die Agenda 2030 in Jalisco vorantreiben und für meine Doktorarbeit nach Deutschland zurückkehren.

Eine Doktorarbeit über die SDGs?

Ja, das ist der Plan.

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