„Politisch stabile Staaten wie Ghana sind gefragte Partner“

Die Teilnehmenden der Informationsreise nutzten die Gelegenheit zu einem vertiefenden Dialog mit den Beteiligten in Ghana.

Auf der Suche nach neuen Impulsen und starken Partnerschaften rückt der afrikanische Kontinent stärker in den Fokus deutscher Hochschulen. Eines der begehrtesten Länder ist Ghana. Neben klassischen Feldern wie Medizin und Landwirtschaft hat das westafrikanische Land auch bei Zukunftsthemen wie Erneuerbaren Energien viel zu bieten. Die Hochschulpolitische Informationsreise für Universitätsleitungen der Internationalen DAAD-Akademie (iDA) verdeutlichte das Potenzial der dortigen Hochschullandschaft.

Das Angebot traf einen Nerv: Die Resonanz überstieg die Zahl der möglichen Teilnehmenden deutlich. „Politisch stabile und entwicklungsorientierte Staaten wie Ghana sind gefragte Partner“, sagt Lena Leumer, Leiterin der DAAD-Außenstelle Accra. Für DAAD-Generalsekretär Dr. Kai Sicks gilt dies „umso mehr in der aktuellen geopolitischen Lage, in der Afrika als Nachbar- und Partnerkontinent an Bedeutung gewinnt“.

21 Vertreterinnen und Vertreter deutscher Universitäten reisten im März 2026 nach Ghana. „Afrika ist von zunehmendem Interesse – auch aufgrund von Themen, die nur im Schulterschluss mit dem Globalen Süden bearbeitet werden können: Klima, Nachhaltigkeit, KI und andere“, erklärt Professor Oliver Günther, Präsident der Universität Potsdam, das große Interesse.

Neuland ist der Wissenschaftsstandort Ghana für deutsche Hochschulen nicht: Die deutsch-ghanaischen Hochschulkooperationen haben sich in zehn Jahren mehr als verdreifacht. „Deutsche Hochschulen wollen Netzwerke ausbauen, ghanaische Institutionen stärker an internationaler Forschung partizipieren“, so Leumer.

Das Programm führte die Gruppe gezielt zu Hochschulen in den Ballungsräumen um die Städte Accra und Kumasi sowie im Umland, und zu einem Matchmaking-Event mit zehn ghanaischen Hochschulen mit unterschiedlichen Profilen. „Hinter jeder Absichtserklärung stehen Hochschulleitende, die strategische Ideen austauschen. Hinter jeder Partnerschaftsvereinbarung stehen Forschende, die gemeinsam an globalen Herausforderungen arbeiten. Bei diesem Besuch geht es genau darum, diese persönlichen Kontakte zu knüpfen“, so Dr. Kai Sicks. Auch die Zahl ghanaischer Studierender in Deutschland steigt stetig. Innerhalb von fünf Jahren hat sie sich verdoppelt. Der DAAD hat auf die Entwicklungen reagiert und 2025 das Informationszentrum in Accra zu einer DAAD-Außenstelle aufgewertet.

Hochschulbildung als Entwicklungsfaktor

Die ghanaische Hochschullandschaft sei vielfältig, mit vielen exzellenten Hochschulen, betont Leumer. Das Programm trug dem Rechnung: So besuchten die Teilnehmenden auch die private Ashesi University und die Technische Universität in Kumasi (KsTU). Der Fokus auf „entrepreneurial skills“ passe gut zu deutschen Innovationsinitiativen Technischer Universitäten, sagt Professor Thomas Walther, Vizepräsident für Innovation und Internationales der TU Darmstadt: „Ghana ist näher in den Fokus unserer strategischen Ausrichtung gerückt.“

Insgesamt wurden während der Reise fünf Memoranda of Understanding (MoU) unterschrieben. Professor Michael Weber, Präsident der Universität Ulm, unterzeichnete etwa ein institutionsübergreifendes MoU mit der KNUST Universität (Kwame Nkrumah University of Science and Technology), das den Austausch von Promovierenden und Studierenden intensiviert.

Mit 66 Kooperationen zählt Ghana zu den Top-3-Partnerländern in Subsahara-Afrika. Ein Grund: Hochschulbildung gilt in Ghana als zentraler Entwicklungsfaktor. Das bestätigten auch die Teilnehmenden, wie Professorin Ute Clement, Präsidentin der Universität Kassel, berichtet: „Ghana zeigte sich uns als junges, sehr offenes und zukunftsorientiertes Land. Die Universitäten waren nach meinem Eindruck geprägt von dem unbedingten Willen, Wissen für die Entwicklung des Landes in Richtung Demokratie, Wohlstand und Good Governance zu generieren. Gerade die Professorinnen und weiblichen Führungskräfte strahlten eine Präsenz und Stärke aus, die mich wirklich beeindruckt hat.“ 

Weitere Eindrücke von Teilnehmenden der Reise:

„Es gibt in Ghana eine Reihe sehr leistungsstarker Universitäten. Es lohnt sich, gezielt nach wissenschaftlichen Partnern zu suchen oder bestehende Partnerschaften auszubauen. Überrascht war ich von der Qualität und der Ausstattung einiger Labore. Hier wurden meine Erwartungen deutlich übertroffen.“ 
Ulf Richter, Kanzler der Universität Duisburg-Essen

„DAAD-Informationsreisen sind von unschätzbarem Wert. Nur selten kann man sich sonst so intensiv mit einem Partnerland, den Menschen in den befreundeten Hochschulen und nicht zuletzt mit den Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland austauschen.“
Niels Helle-Meyer, Vizepräsident für Haushalt, Personal und Technik der Humboldt-Universität zu Berlin

„Ghana verfügt über eine sehr große Zahl gut ausgebildeter junger Menschen, die ausreichend Potenzial haben, die Zukunft Ghanas positiv zu gestalten.“
Thomas Trännapp, Kanzler der RWTH Aachen

„Mich hat die große Vielfalt der Hochschulen beeindruckt, die eine sehr heterogene Universitätslandschaft widerspiegelt. Neben den akademischen Eindrücken bleiben vor allem die Menschen in Erinnerung: die Offenheit, Herzlichkeit und Lebensfreude.“
Prof. Dr. Stefanie Reese, Rektorin der Universität Siegen

Ulrike Scheffer (15. April 2026)

 

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