Georgien: Bildung und Wissenschaft
Die wichtigsten regionalen Informationen zum Bildungssystem und umfassende Daten zu Hochschulen, Studium, Forschung, Lehre, Internationalisierung und Bildungskooperationen haben wir in der folgenden Übersicht für Sie zusammengefasst.
Inhalt
- Rahmenbedingungen
- Hochschul- und Wissenschaftssystem
- Internationalisierung und Bildungskooperationen
- DAAD-Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi)
- Highlights der DAAD-Förderung
- Publikationen
- Weitere Informationen
Rahmenbedingungen
In Georgien verantwortet das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Jugend (MES) die Umsetzung der nationalen Hochschulpolitik. Es reguliert die Anerkennung und Akkreditierung von Hochschulen und Studienprogrammen, legt die Standards für nationale Zugangs- und Masterzulassungsprüfungen fest und entscheidet über staatliche Stipendienprogramme. Darüber hinaus unterstützt das Ministerium gezielt die Internationalisierung des Hochschulwesens.
Dem MES sind mehrere Schlüsselinstitutionen unterstellt:
- Nationales Zentrum zur Verbesserung der Qualität im Bildungswesen (NCEQE): Zuständig für Autorisierung und Akkreditierung von Hochschulen. Die 2024 erfolgte Streichung aus dem European Quality Assurance Register (EQAR) stellt jedoch einen Rückschritt in der europäischen Integration dar.
- Nationales Prüfungszentrum: Organisiert die landesweiten Hochschulzugangs- und Masterprüfungen
- Shota-Rustaveli-Stiftung (SRNSFG): Nationale Institution zur Forschungsförderung
- International Education Centre: Verwalter des Regierungsstipendienprogramms für Auslandsstudien
Zwischen 2013 und 2023 wuchs die Zahl der Studierenden um 43 % auf knapp 178.000. Der Anteil der Bildungsausgaben lag in den letzten zehn Jahren bei 10-13 % der Staatsausgaben. Staatliche Universitäten finanzieren sich zu etwa 90 % über Studiengebühren und zu etwa 10 % aus staatlichen Stipendien sowie direkter staatlicher Unterstützung. Auch die privaten Universitäten finanzieren sich überwiegend aus Studiengebühren. Die Kriterien, nach denen die staatlichen Universitäten eine öffentliche Finanzierung erhalten, sind nicht transparent.
Die georgische Forschungslandschaft umfasst 63 Institute, davon 60 an sieben Universitäten – allein 23 an der Staatlichen Ilia-Universität. 2023 investierte die Regierung rund 68,5 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung, was lediglich 0,25 % des BIP entsprach. Dennoch bestehen enge wissenschaftliche Verbindungen zur EU: Seit 2022 beraten 22 nationale Kontaktpunkte zu Horizon-Europe-Programmen, und 2023 förderte ein EU-Stipendienprogramm 50 Forschungsaufenthalte – die Hälfte davon in Deutschland, was die engen wissenschaftlichen Kontakte zwischen Georgien und Deutschland belegt.
Hochschul- und Wissenschaftssystem
Das Hochschul- und Wissenschaftssystem Georgiens ist vielfältig und orientiert sich an europäischen Standards. Derzeit existieren 65 staatlich anerkannte Hochschulen, wobei die Einrichtungen in den völkerrechtlich nicht anerkannten Gebieten Abchasien und Südossetien nicht berücksichtigt sind. Sieben Hochschulen sind orthodox geprägt, während 19 staatlich und 39 privat geführt werden.
Die Hochschulen gliedern sich in unterschiedliche Typen:
- (Forschungs-)Universitäten: 44 Einrichtungen mit Bachelor-, Master- und Promotionsprogrammen
- Lehruniversitäten: 12 Einrichtungen mit Studienangeboten der ersten beiden Zyklen
- Colleges: 2 Institutionen mit reinen Bachelorprogrammen
Rund 20 % der georgischen Hochschulen befinden sich außerhalb der Hauptstadt Tbilissi. Die Programme folgen dem Bologna-System mit:
- 240 ECTS im Bachelorstudium
- 120 ECTS im Masterstudium
- 180 ECTS im Doktoratsstudium
Hinzu kommen spezialisierte Studiengänge:
- Humanmedizin (6 Jahre, 360 ECTS)
- Zahn- und Veterinärmedizin sowie Lehramtsausbildung (5 Jahre, 300 ECTS)
Einige Universitäten und Colleges kombinieren akademische mit berufspraktischer Ausbildung. Nach Abschluss erhalten Absolventinnen und Absolventen ein Diplom samt Diploma Supplement nach europäischen Vorgaben.
Das akademische Jahr können die Hochschulen selbst gestalten, es umfasst jedoch mindestens 38 und höchstens 45 Wochen. Meistens ist es in zwei Semester gegliedert: Das Wintersemester startet im September oder Oktober, das Sommersemester endet im Mai oder Juni.
Internationalisierung und Bildungskooperationen
Die Internationalisierung des Hochschulwesens ist ein zentrales Ziel der georgischen Bildungspolitik seit dem Hochschulgesetz von 2004. Besonders in der Rekrutierung internationaler Studierender hat Georgien in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte erzielt. Der Anteil ausländischer Studierender liegt inzwischen bei über 15 %.
Rund die Hälfte der etwa 17.200 internationalen Studierenden (Stand 2022) stammt aus Indien und ist vor allem im Medizinstudium eingeschrieben. Weitere Herkunftsländer mit nennenswerten Anteilen sind Israel, Aserbaidschan, Jordanien und Nigeria. Gemeinsam vertreten Studierende aus insgesamt 146 Ländern rund ein Drittel der internationalen Studierenden in Georgien – ein Zeichen für die wachsende internationale Attraktivität des Landes als Studienstandort.
Auch immer mehr Georgierinnen und Georgier entscheiden sich für ein Studium im Ausland. 2022 waren es laut UNESCO rund 8.875, was 5,3 % aller Studierenden entspricht. Die beliebtesten Zielländer sind Deutschland, Ukraine, Armenien, USA und die Russische Föderation.
Deutsche Hochschulen engagieren sich besonders stark in der Zusammenarbeit mit georgischen Partnern. Programme wie "Studienbrücke" und "Fast Track" unterstützen den Hochschulzugang und fördern akademische Mobilität. Zudem ermöglicht ein Regierungsstipendienprogramm Auslandsaufenthalte in Bachelor-, Master- und Promotionsprogrammen.
Einen zentralen Beitrag zur akademischen Mobilität leistet Erasmus+, über das seit 2015 mehr als 11.000 Stipendien an georgische Studierende, Forschende und Hochschulmitarbeitende vergeben wurden. Georgien positioniert sich damit zunehmend als Schnittstelle im internationalen Bildungs- und Forschungsraum.
Zusätzlich unterstützt das DAAD-Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) deutsche Hochschulen bei der Anbahnung, Durchführung und Intensivierung ihrer internationalen Aktivitäten:
Finden Sie im Folgenden eine Auswahl unserer Förderprogramme:
Publikationen zum Thema Bildung und Wissenschaft finden Sie hier:
Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu Bildung und Wissenschaft in Georgien: