Dual-Use in inter­nationalen Wissenschafts­koopera­tionen 2023

Ankündigung KIWi Connect Dual-Use

"Dual-Use", d. h. die Verwendbarkeit von Technologien oder Gütern zu zivilen wie zu militärischen Zwecken, gewinnt in Zeiten sich zuspitzender internationaler Konflikte und der Tendenz zu neuen Blockbildungen immer mehr an Bedeutung – auch in der Wissenschaft.

Der Begriff schließt auch die Weitergabe von Wissen ein und betrifft damit Forschungssicherheit und -integrität. Dual-Use hat sich von einem Nischenthema in den Exportkontroll- und Zollabteilungen der wissenschaftlichen Einrichtungen zu einer Herausforderung entwickelt, von der unterschiedliche Akteursebenen betroffen sind: Vom Präsidium oder Rektorat über die International Offices bis hin zu den Fakultäten oder Fachbereichen und ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Neben der Definition des Güterbegriffs im Exportkontrollrecht wurde die Abgrenzung zwischen Grundlagenforschung und anwendungsbezogener Forschung als einer der größten Graubereiche identifiziert, der häufig zu komplexen Einzelfallabwägungen unter Beteiligung unterschiedlicher Abteilungen führen kann. Auch ist nicht alles, was rechtlich erlaubt und von der Einschränkung der Grundlagenforschung gedeckt ist, auch unter ethischen und außenwissenschaftspolitischen Gesichtspunkten geboten. Die vierteilige Reihe ging entlang dieser Bedarfe den folgenden Fragen nach:

  • Wie können die gesetzlichen Anforderungen in internationalen Wissenschaftskooperationen umgesetzt werden? Wie baut man ein systematisches Internes Kontrollsystem (IKS) auf? Wie grenzen sich Verantwortungsbereiche an Hochschulen ab?
  • Welche personenbezogenen Implikationen haben die EU-Dual-Use-Verordnung und die nationalen Umsetzungsbestimmungen auf die Einbindung von Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern?
  • Welche Bedeutung ist dem US-Exportkontrollrecht beizumessen? Wie wirkt es sich auf internationale Wissenschaftskooperationen aus?
  • Welche ethische Verantwortung besteht im Hinblick auf sicherheitsrelevante Forschung und
  • Datentransfers? Welche Rolle spielen dabei Kommissionen für Ethik sicherheitsrelevanter Forschung (KEF)?

Das Programm zur Gesamtreihe finden Sie hier.

Vergangene Veranstaltungen


KIWi Connect IV

Wissenschaftskooperationen ethisch verantwortungsvoll gestalten: Kommissionen für Ethik sicherheitsrelevanter Forschung

Mittwoch, den 15. November 2023 von 10.30 – 13.00 Uhr

Nach einer kurzen Einführung durch unsere KIWi-Referentin für rechtliche Rahmenbedingungen, Frau Dr. Orane Dornier, führte Frau Dr. Anita Krätzner-Ebert, wissenschaftliche Referentin im Gemeinsamen Ausschuss zum Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung von DFG und Leopoldina, in den verantwortungsvollen Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung aus ethischer Perspektive ein. Daran schloss sich eine von Frau Dornier moderierte Diskussion über die Praxis und Erfahrungen der KEFs an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen an. Neben Frau Dr. Krätzner Ebert beteiligten sich Herr Dr. Schmieder, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Neu-Ulm und Leiter der Geschäftsstelle der Gemeinsamen Ethikkommission der Hochschulen Bayerns (GEHBa), der die interessante Perspektive der vielfältigen GEHBa einbrachte, sowie Herr Privatdozent Dr. Heinrichs, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Neurowissenschaften und Medizin 7 des Forschungszentrums Jülich, der praktische Einblicke, insbesondere aus der Sicht des Forschungszentrums Jülich als Forschungseinrichtung, mit uns teilte, an dem Austausch.

Dabei standen die folgenden Fragen im Fokus:

  •  Was ist eine KEF?
  • Wann ist die Einrichtung einer solchen sinnvoll?
  • Wie funktioniert sie?
  • Werden neue Strukturen aufgebaut oder liegt die Verantwortung bei bestehenden Stellen?
  • Wie verbreitet sind KEF an deutschen Hochschulen?

KIWi Connect III

Extraterritorialität des US-Exportkontrollrechts: Implikationen für Hochschulkooperationen

Mittwoch, den 25. Oktober 2023 von 10.30 – 13.00 Uhr

Nach einer kurzen Einleitung durch unsere KIWi-Referentin für Rechtliche Rahmenbedingungen, Dr. Orane Dornier, führte Herr Professor Dr. Darius Schindler, Professor für Wirtschaftsrecht und Justiziar an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Karlsruhe, zu US-Exportrecht in die Thematik ein. Dem schloss sich eine aufschlussreiche Diskussion, moderiert von Frau Dornier, über die Praktiken und Erfahrungen im Umgang mit US-Exportkontrollrecht an Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen an. Hieran wirkten Jochen Kuck, (Syndikus)Rechtsanwalt im Forschungszentrum Jülich sowie Spezialist und Dozent für Exportkontrollrecht, insbes. im Kontext Academia; Nicolas Lunz, Exportkontrollbeauftragter der RWTH Aachen, Dozent und Zollberater bei zollspezialisten.de sowie Daniela Schmitt Leiterin der Stabsstelle Exportkontrolle & Zoll am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel mit.

Dabei standen die folgenden Fragen im Fokus:

  • Wie ist das US-(Re)-Exportkontrollrecht aufgebaut?
  • Wer und was unterliegt dem US-Exportkontrollrecht?
  • Welche Auswirkungen hat dieses Recht auf die Wissenschaft?
  • Inwiefern betrifft es die Hochschul- und Forschungswelt möglicherweise auch über Kooperationen mit Partnern aus den Vereinigten Staaten hinaus?

KIWi Connect II

Individuelle Verantwortung auf Wissenschafts- und Forschungsebene: Ausgewählte Regionalbeispiele​

Mittwoch, den 10. Mai 2023 von 10.30 – 13.00 Uhr

Nach einer kurzen Einleitung durch unsere Referentin für Risiko- und Sicherheitsmanagement im KIWi, Dr. Julia Linder, führte Jochen Kuck, (Syndikus)Rechtsanwalt im Forschungszentrum Jülich sowie Spezialist und Dozent für Exportkontrollrecht, in personenbezogene Auswirkungen von Dual-Use im Kontext formeller und informeller Prozesse ein. Dem folgte ein Beitrag von Hans-Helge Sander, stv. Referatsleiter in Referat 412 – Exportkontrolle: Dual-Use-Güter im nicht-konventionellen Bereich im Auswärtiges Amt zum Thema „Verhinderung illegitimen immateriellen Technologietransfers: der Blick auf personenbezogene Prüfverfahren“. Im Anschluss an diese erste Plenumsphase wurden die Themenfelder in zwei regionalspezifischen Breakoutsessions an den Beispielen von Forschung mit China und Iran vertieft.

Dabei standen die folgenden Fragen im Fokus:

  • Welche Implikationen können Fragen von Dual-Use und Foreign Interference auf die Gewinnung von Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern ebenso wie für individuelle Forschende haben?
  • Wie kann man einrichtungsinterne Screeningverfahren aufsetzen?
  • Welche Punkte sind dabei zu beachten?

KIWi Connect I

Institutionelle Verantwortung übernehmen durch Systematisierung von Prüfprozessen: Aufbau eines internen Kontrollsystems

Mittwoch, den 19. April 2023 von 10.30 - 13.00 Uhr

Nach einem kurzen Grußwort durch Herrn Dr. Werkmeister, Direktor der Abteilung Strategie im DAAD, führte Frau Ossenkopp, Referentin für Grundsatz- und Verfahrensfragen im Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in die Thematik mit besonderem Fokus auf den Aktualisierungen des „Handbuches Exportkontrolle und Academia (2. Auflage)“ ein. Moderiert durch unsere KIWi-Referentin für Risiko- und Sicherheitsmanagement, Dr. Julia Linder, diskutierten anschließend Frau Ossenkopp, Frau Dr. Christmann-Budian, Leiterin des Servicebereichs Forschung der TU Berlin, und Frau Schmitt, Leiterin Stabsstelle Exportkontrolle & Zoll, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, als Expertinnen und Vertreterinnen aus der Praxis gemeinsam mit Ihnen über Implementierungsansätze, zur Verfügung stehende Instrumente sowie Hürden und Herausforderungen anhand von Beispielen aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Dabei standen die folgenden Fragen im Fokus:

  • Wie können die gesetzlichen Anforderungen an Hochschulen in ihren internationalen Wissenschaftskooperationen praktikabel umgesetzt werden – wie baut man bspw. ein systematisches Internes Kontrollsystem (IKS) an der jeweiligen Hochschule auf? 
  • An welchem Punkt kommen das BAFA oder andere Behörden mit ins Spiel? Wie gestalten sich Übergabeprozesse an das BAFA? Wie kann man die Schnittstellen passgenau bestimmen und die Übergänge erleichtern?