Gemeinsame Antworten auf globale Gesundheitsfragen

Die LMU München und vier weitere europäische Unis arbeiten zusammen an Medizinthemen und stärken dabei auch Chancengleichheit und Inklusion.

EUGLOH meeting Paris

Fünf Universitäten, ein Campus: Das Netzwerkprojekt verfolgt einen ehrgeizigen Plan. „Unsere Vision ist es, künftige Generationen europäischer Expertinnen und Experten im Bereich Global Health auszubilden“, erklärt Philipp Beck. Er koordiniert EUGLOH an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Im Verbund mit den Universitäten Paris-Saclay (Frankreich), Lund (Schweden), Porto (Portugal) und Szeged (Ungarn) arbeiten die Forschenden über Disziplinen hinweg eng zusammen. Verbindendes Ziel ist es, einen europäischen Campus zu gründen, mit einer Vielzahl gemeinsamer Strukturen.

Dem Projekt liegt ein ganzheitliches Verständnis von Global Health zugrunde, Gesundheit und Wohlergehen werden hier nicht mehr nur im klassischen medizinischen Sinne wahrgenommen. Die Netzwerkpartnerinnen und -partner stellen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Vordergrund, die auch Umwelt- und Sozialwissenschaften berücksichtigt. Und das im europäischen Verbund. „In einer globalen Welt lassen sich gesellschaftliche Herausforderungen nicht in nationalen Silos lösen“, betont Projektmanager Beck. „Dazu sind länderübergreifende Anstrengungen nötig.“

Jede Hochschule bringt eigene Expertise ein

Gesundheit und Wohlergehen für alle Menschen zählen als nachhaltiges Entwicklungsziel (SDG) zu den dringlichsten Vorhaben der Vereinten Nationen. Ihre Förderung ist ein Gebot der Menschlichkeit und Bestandteil verantwortlicher Regierungsführung. EUGLOH verfolgt dieses Ziel als internationale Partnerschaft und setzt dabei auf hochwertige Bildung. Jede der fünf Universitäten aus Ländern der Europäischen Union bringt besondere Expertise in bestimmten Bereichen mit. Die ungarischen Partner beispielsweise sind stark in der Lasertechnik, das Center for International Health (CIH) der LMU ist ein Exzellenzzentrum in der Entwicklungszusammenarbeit und das Institut für Biomedizin der Universität Porto innovativ in der Verbindung von Tier- und Humanmedizin. Während die Universität Paris-Saclay unter anderem vom neurowissenschaftlichen Zentrum NeuroSpin besonders profitiert, entsteht in Lund die weltweit größte Neutronenquelle.

Die verschiedenen Ressourcen zu nutzen, Synergien zu schaffen und Studierenden künftig einen hochschulübergreifenden Weg durchs Studium zu bahnen, darum geht es den Verantwortlichen des Netzwerks. Als eine von 41 Europäischen Hochschulallianzen wird EUGLOH von der EU während einer dreijährigen Projektphase gefördert. Ab 2021 wird die Initiative im Rahmen des neuen Erasmus-Programms ausgebaut. Der Austausch im Rahmen von EUGLOH ist intensiv und regelmäßig, rund 900 Teilnehmende gab es bei den ersten Lehrveranstaltungen und Treffen. Derzeit entsteht ein universitätsübergreifendes Modul zum Thema Global Health, mittelfristig sind auch gemeinsame Studiengänge geplant. Mit diesem Ansatz möchte sich EUGLOH als führende Allianz im Bereich Global Health etablieren und somit nicht nur den Hochschul- und Forschungsstandort Europa stärken, sondern auch europäische Werte wie Solidarität, Chancengleichheit und Inklusion vermitteln. Die Allianz tritt ein für einen gerechten Zugang zu Gesundheit und Wohlfahrt. Sie engagiert sich zudem im gemeinsamen Kampf gegen die Corona-Pandemie – durch Forschung, aber beispielweise auch durch die Teilnahme am Hackathon #WirVsVirus.

Erfolgreiche Verlagerung in den digitalen Raum

Für die geplanten Mobilitäten innerhalb des Netzwerks war die Corona-Pandemie zunächst ein schwerer Schlag. Bei der Umstellung auf digitale Lehrmethoden traten jedoch schnell die Synergieeffekte in der Zusammenarbeit der fünf Hochschulen zutage. Events wurden zügig in den digitalen Raum verlagert, Lehrende intensivierten ihren Austausch und organisierten neben den regulären Lehrveranstaltungen zwei Summer Schools, an denen 500 Studierende teilnahmen. „Die gemeinsame Arbeit im Projekt nahm schnell Fahrt auf“, sagt Projektmanager Beck. Digitale Angebote seien zwar kein Ersatz für persönliche Begegnungen. „Aber es ist beeindruckend zu sehen, wie sich auch im Rahmen virtueller Summer Schools oder des Hackathons #EUvsVirus Allianzen bilden, die sich gegenseitig befruchten.“

Erfolgreich war auch die Bewerbung des Konsortiums auf einen Call der EU-Kommission. Nun kann das Netzwerk seinen Bildungs- und Mobilitätscharakter um eine Forschungsdimension erweitern. Unter dem Namen EUGLOHRIA („The European Alliance for Global Health – Transformation through Joint Research and Innovation Action”) wird die Allianz im Bereich Forschung und Innovation künftig aktiv Möglichkeiten der Zusammenarbeit identifizieren und Kooperationen initiieren. So sollen beispielsweise die Forschungsaktivitäten der Partnerhochschulen zu Covid-19 aufeinander abgestimmt und universitätsübergreifende „Business Academia Networks“ geschaffen werden. Ziel ist es, die innovativen Infrastrukturen der beteiligten Hochschulen für alle Beteiligten nutzbar zu machen und noch stärker die Kooperation mit Unternehmen zu suchen.

 

Steckbrief: EUGLOH – European University Alliance for Global Health

Gefördert von:

Europäische Kommission

 

BMBF

 

 

 

 

 

 

 

 

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