Als Gutachterin für den DAAD: Wandel gestalten, Menschen verbinden

DAAD Gutachterin Wannagat

Veränderungen voranzubringen und damit einen Mehrwert zu schaffen – das ist Aufgabe von Christin Wannagat, Change Managerin an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Seit 2017 ist sie als Gutachterin für den DAAD für die Auswahl von Alumni-Projekten der Hochschulen zuständig. Wie sehr ihr dabei ihre Erfahrungen in den Bereichen Transformation und Netzwerkmanagement helfen und wie ein eigenes DAAD- gefördertes Alumni-Projekt sie geprägt hat, erzählt sie im Interview.

Frau Wannagat, welche Erfahrungen Ihrer eigenen akademischen Laufbahn haben jetzt Einfluss auf Ihre Rolle als Gutachterin?

Insbesondere meine Tätigkeiten von 2014 als Alumni-Managerin an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) sowie von 2018 bis 2022 an der Universität Tübingen haben mich für die Begutachtung von DAAD-geförderten Projekten sensibilisiert und beeinflusst. Dabei habe ich Forschende aus aller Welt für den Kontakt mit Deutschland, Aachen und Tübingen strategisch und interdisziplinär vernetzt. In der Alumni-Arbeit sehe ich das große und bisher zu wenig genutzte Potenzial, mithilfe von Ehemaligenkontakten internationale und positive Entwicklungen innerhalb von Disziplinen und in verschiedenen Ländern anzustoßen. Aktuell bin ich als Change Managerin der Universität Tübingen für die Digitalisierung und Organisationsentwicklung der Verwaltung zuständig. Auch hier ziele ich darauf ab, einen langfristigen Mehrwert und positive Veränderungen für die Organisation, für Mitarbeitende, für Studierende und Forschende zu schaffen. Bei der Begutachtung von DAAD-geförderten Alumni-Projekten der Hochschulen fokussiere ich mich daher hauptsächlich auf ihr Transfer- und Veränderungspotenzial für alle Beteiligten.

Es ist großartig zu sehen, welch nachhaltiger Austausch aus Projektideen entstehen kann!

Gibt es besondere Momente, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind und den Bewertungsprozess kennzeichnen?

Im Laufe meiner Karriere habe ich erfolgreich Drittmittelprojekte selbst beantragt und umgesetzt. Noch heute stehe ich über ein ehemaliges Alumni-Projekt zum Thema Bergbau und Umwelt mit Professorinnen und Professoren aus Brasilien, China, Indonesien, der Mongolei, Vietnam und Deutschland weiter in Kontakt. Es ist großartig zu sehen, welch nachhaltiger Austausch aus solch einstigen Projektideen entstehen kann. Für den Bewertungsprozess kommt mir diese langjährige Erfahrung, aber auch mein persönliches Engagement als Dozentin an der Universität Tübingen für die Ausbildung von Studierenden und Forschenden für Social Entrepreneurship zugute: Ich habe einen realistischen Blick für die Wirkung von Projekten im Sinne der Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und kenne auch die Grenzen des Machbaren.

Welche Tätigkeit als Gutachterin erfüllt Sie besonders?

Erst einmal ehrt es mich sehr, an der Förderung von Alumni-Projekten in aller Welt mitwirken zu dürfen. Erfüllend ist für mich dann, beim Lesen der Anträge gedanklich mitgenommen zu werden: Ich kann die Gegebenheiten vor Ort und die Impressionen auf den beschriebenen Länderexkursionen förmlich miterleben. Oder ich sehe vor meinem geistigen Auge die Menschen, die sich länderübergreifend zu einem Problem austauschen und voneinander lernen. Der Perspektivwechsel und die internationalen Partnerallianzen sind doch genau das, was wir bei aller Gespaltenheit der Menschen und den heutigen Krisen brauchen. Das entspricht auch meinem persönlichen und beruflichen Ziel: Menschen miteinander zu verbinden.

Interview: Christina Pfänder (13. Dezember 2024)