Risiko und Sicherheit

Wegweiser

Das KIWi berät deutsche Hochschulen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allen Fragen internationaler akademischer Zusammenarbeit. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei das Themenfeld Risiko und Sicherheit, das angesichts sich verändernder geopolitischer Rahmenbedingungen zunehmend an Bedeutung gewinnt. 

Wissenschaft in geopolitisch herausfordernden Zeiten

Akteure der Wissenschaftskooperation sind heute mehr denn je gefordert, Fragen von Risiko und Sicherheit in der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern zu reflektieren. Sanktionsregelungen, eingeschränkte Mobilitätsmöglichkeiten – etwa in Krisen- und Kriegsregionen – oder auch Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit stellen konkrete Herausforderungen dar. Zugleich rücken sicherheitsrelevante Aspekte wie ungewollter Wissensabfluss, die militärische Nutzung ziviler Forschung (Dual-Use/Multiple-Use) sowie Risiken für Forschungssicherheit und -integrität verstärkt in den Fokus – insbesondere bei Kooperationen mit Partnern, die nicht das gleiche Wertefundament teilen.

Das KIWi plädiert in diesem Spannungsfeld für einen interessenorientierten, risikoreflexiven und kompetenzbasierten Ansatz: Unser Ziel ist es, wissenschaftliche Zusammenarbeit zu ermöglichen – bei gleichzeitigem Bewusstsein für die damit verbundenen Risiken.

Pauschale Länderzuschreibungen helfen nicht weiter. Vielmehr müssen "rote Linien" von Kooperationen ständig neu ausgelotet werden. Statische one size fits all-Ansätze eignen sich nicht, um anlassbezogen agieren zu können. Das KIWi unterstützt dabei Risiken und Chancen abzuwägen.
Generalsekretär Kai Sicks

Dr. Kai Sicks, Generalsekretär Deutscher Akademischer Austauschdienst 

 

Beratung, Vernetzung, Kompetenzaufbau 

Im Themenfeld Risiko und Sicherheit unterstützt das KIWi Wissenschafts- und Kooperationsakteure im deutschen Wissenschaftssystem durch: 

  • Individuelle Beratung
  • Dialog- und Vernetzungsveranstaltungen 
  • Peer-to-Peer-Austausch (KIWi Connect) 
  • Impulspapiere und Debattenbeiträge zu außenwissenschaftspolitischen Fragen
  • Handreichungen und praxisorientierte Publikationen (KIWi Kompass)
  • iDA-KIWi Inhouse-Seminare

Unsere Beratung greift zentrale Fragen von wissenschaftsspezifischen Sicherheitsthemen in der internationalen akademischen Zusammenarbeit auf, u.a. zu Due-Diligence-Prozessen, Dual-Use-Prozessmanagement sowie weiteren Aspekten von Wissenssicherheit. Seit 2022 bündeln wir diese Themen in unserer KIWi Connect – Reihe „Dual-Use in internationalen Wissenschaftskooperationen“. Dies soll den Internationalisierungsakteuren der Hochschulen eine sensible Bewertung und informiertes Entscheiden und Handeln ermöglichen. 

Wir beobachten, dass Hochschulen über ein hohes Problembewusstsein verfügen. Aktuelle Herausforderungen liegen in der praktischen Umsetzung sicherheitsbezogener Prozesse sowie in den dynamischen externen Rahmenbedingungen.

Genau hier setzt unsere Arbeit an: Wir beraten Internationalisierungsakteurinnen und –akteure auf allen Ebenen der deutschen Hochschulen bei Ihren Vorhaben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können sich mit Ihren Kooperationsideen an uns wenden, regionalspezifische Besonderheiten mit uns eruieren und sich Anregungen für die Anbahnung und Durchführung von Kooperationen einholen.

Darüber hinaus beraten wir auch die Ebene des Wissenschaftsmanagements: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus der Hochschulverwaltung, insbesondere im International Office, aber auch in weiteren Verwaltungseinheiten, die für Forschungsmanagement, rechtliche Angelegenheiten, Arbeitsschutz, Internal Compliance und Exportkontrolle oder für Sicherheitsfragen in der internationalen Mobilität zuständig sind.

Wir begleiten Hochschulen bei der institutionellen Verankerung von Maßnahmen für Chancen- und Risikoabwägungen sowie der Implementierung eines integrierten Sicherheitsmanagementsystems, das insbesondere wissenschaftsspezifische Risikofaktoren mit in den Blick nimmt. Hier bieten wir konkrete Unterstützung bei deren operativer Ausgestaltung. 

Seit 2023 pilotieren wir zudem in Kooperation mit der Internationalen DAAD-Akademie (iDA) Inhouse-Seminare unter anderem zum Themenfeld „Risiko und Sicherheit“ entlang unterschiedlicher Länderbeispiele. 

 

Ländersensibel und praxisnah: Unser Alleinstellungsmerkmal 

Ein besonderes Merkmal unserer Arbeit liegt in der Verzahnung von Themenwissen zu Risiko und Sicherheit mit der globalen Regionalexpertise des DAAD. Durch das weltweite DAAD-Außennetzwerk und den intensiven Austausch zu Fragen der Wissenssicherheit mit internationalen Partnern – etwa in den USA, Kanada, Japan, den Niederlanden oder auf EU-Ebene – können wir Entwicklungen weltweit analysieren und daraus länderspezifische Risiko-Dossiers und Best Practices ableiten. Diese fließen direkt in unsere Beratungen ein und machen ein ländersensibles, pragmatisches Vorgehen möglich. 

Erfahrungswissen systematisch nutzbar machen 

Die vielfältigen, in deutschen Hochschulen bereits vorhandenen Erfahrungen im Umgang mit sicherheitsrelevanten Fragen werden im KIWi zusammengeführt und durch gemeinsame Peer-to-Peer- und Vernetzungsformate mit Praktikerinnen und Praktikern systematisch erschlossen. So entsteht ein wachsender Pool an erprobten Strategien, der dem gesamten System zur Verfügung steht. 

Der KIWi Kompass „Keine roten Linien“ 

Screenshot der Webseite "KIWi Kompass - Keine roten Linien"

Bereits 2021 hat das KIWi den KIWi Kompass „Keine roten Linien“ veröffentlicht – ein flexibles Orientierungsinstrument für Wissenschaftskooperationen unter komplexen Rahmenbedingungen. Die praktische Handreichung basiert auf einem Kriterienkatalog, der sich unabhängig von Land, Sektor, Disziplin oder Kooperationsphase einsetzen lässt und adressiert neben wissenschaftsspezifischen Aspekten auch weitere Sicherheitsdimensionen, etwa im Kontext von Auslandsmobilität oder institutioneller Governance. 

Seit 2024 steht der digitale KIWi Kompass in komprimierter, regelmäßig aktualisierter Form auch online zur Verfügung – in deutscher und englischer Sprache.

Zum KIWi Kompass "Keine roten Linien" in der digitalen Ausgabe

Zum Download KIWi Kompass „Keine roten Linien“

 

Die KIWi-Checkliste Wissenssicherheit

Grüne Kompassnadel vor Globus und abstrakter Weltkarte mit Gitternetzlinien und Verbindungspunkten

Mit der KIWi-Checkliste Wissenssicherheit baut der DAAD sein Angebot zur Stärkung der Wissenssicherheit in internationalen Kooperationen aus. Die Publikation basiert auf der mehrjährigen Beratungserfahrung und Expertise des KIWi im Themenfeld Risiko und Sicherheit.

Anhand von 17 Fragen werden die Bereiche Partner und Finanzierung, exportkontrollrechtliche Vorgaben, Ergebnisverwertung und geistige Eigentumsrechte sowie wissenschaftsethische Themen akademischer Kooperationen in den Blick genommen und damit auch die Risikofelder aufgegriffen, die der Wissenschaftsrat in seinem 2025 veröffentlichten Positionspapier „Wissenschaft und Sicherheit in Zeiten weltpolitischer Umbrüche“ identifiziert hat.

Die Checkliste kann sowohl auf individueller Ebene als Selbsteinschätzungstool für kooperationsverantwortliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als auch als Grundlage hochschulinterner Prüf- und Abstimmungsprozesse eingesetzt werden.

Weitere Informationen

Zum Download KIWi-Checkliste Wissenssicherheit

Die drei Säulen des Themenfeldes Risiko und Sicherheit

Säule 1: Entscheidungsfindung

In dieser Säule unterstützt das KIWi Internationalisierungsakteurinnen und –akteure auf allen Ebenen der deutschen Hochschulen bei der Anbahnung und Durchführung von Wissenschaftskooperationen unter Berücksichtigung von ländersensiblen Risiko- und Sicherheitsaspekten. Der interaktive KIWi Kompass „Keine roten Linien“ stellt dabei als Orientierungsrahmen für deutsche Hochschulen eine wichtige Grundlage zur Entscheidungsfindung dar.

Säule 2: Mechanismen und Prozesse an Hochschulen analysieren

Die zweite Säule trägt zu einer Sensibilisierung für unterschiedliche Perspektiven auf Risiko- und Sicherheitssysteme innerhalb von Hochschulen bei. In diesem Prozess ist das KIWi Wegbegleiter für institutionelle Veränderungen und kann in individuellen Beratungsgesprächen Expertise zur Verfügung stellen, z.B. um Hochschulen beim Aufbau von Strukturen für ein integriertes Risiko- und Sicherheitsmanagement zu unterstützen. 

Säule 3: Anwendung auf Länder, Regionen und Disziplinen

Die dritte Säule fokussiert die konkrete Anwendung der in den Säulen 1 und 2 erarbeiteten Themenfelder auf Länder, Regionen und Disziplinen. Dazu gehören: 

  • Know-how zur Risiko- und Sicherheitsabschätzung im Wissenschaftssystem eines Landes 
  • Interkulturelles Wissen zum Erkennen von Risiken und Strategien zum Umgang mit Unsicherheit 
  • Disziplinspezifische Anwendung 
Risiken analysieren und managen
Was sind alles Aspekte, die bei einem integrierten Risiko- und Sicherheitsmanagement eine Rolle spielen können? Anregungen hierzu hat das KIWi in einer Infografik zusammengestellt.
KIWi Kompass-Kriterien
Der KIWi Kompass "Keine roten Linien" legt den Hochschulen ein Raster von sechs Kriterien vor, anhand derer sich Chancen und Risiken einer Kooperation bewerten lassen. In dieser Infografik finden Sie dieses Kriterienraster komprimiert zusammengefasst.