Unterstützung bei Kooperationen mit China

Die Tianjin-Binhai-Bibliothek in Tianjin

Die akademische Zusammenarbeit mit China stellt deutsche Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Forschende vor komplexe Herausforderungen. Angesichts der zunehmenden Bedeutung Chinas als Forschungsnation bieten Kooperationen in vielen Bereichen enorme Chancen und erscheinen unverzichtbar. Gleichzeitig treibt China seinen Anspruch immer offener voran, technologisch führend sein zu wollen. Daraus können sich bei Kooperationen sicherheitspolitische und ethische Risiken ergeben. „Für deutsche Wissenschaftsorganisationen bedeutet das, dass sie ihre Expertise zu Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Recht und Gesellschaft in China stärken und ausbauen sollten“, sagt Sakine Weikert, Leiterin des Kompetenzzentrums Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) im DAAD. Dieses Wissen gelte es, systematisch zu erheben und zu teilen; denn nur wer gut informiert ist, kann Chancen und Risiken abwägen und Handlungssicherheit gewinnen.

Elf regionale Projekte – gebündelt in einem Verbundprojekt

Elf Projekte treiben im Rahmen der „Regio-China“-Linie des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) den Ausbau von China-Kompetenz in deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen voran. Eines davon ist das China-Kompetenznetzwerk für den Wissenschaftsstandort Ruhr Niederrhein (C-NET RNR), in dem die Allianz-Universitäten Duisburg-Essen, Bochum und Dortmund mit weiteren regionalen Akteuren zusammenarbeiten. „Das Netzwerk macht es für Forschende und Mitarbeitende der Verwaltung einfacher, praxisbezogene Informationen über China zu bekommen, die sie in ihrem Forschungs- und Arbeitsalltag benötigen“, sagt Projektkoordinatorin Dr. Susanne Stein. „Wer weiß, wie komplex das Netz von Abhängigkeiten ist, in das chinesische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingebunden sind, kann Reaktionen der Partner besser einordnen und Risiken für beide Seiten minimieren.“ Seit 2023 habe sich ein vertrauensvoller institutionenübergreifender Austausch entwickelt: „Die Mitglieder wissen, an wen in unserer Region sie sich unkompliziert mit ihren Fragen wenden können.“ Neben Online-Netzwerktreffen wurden Workshops unter anderem zu Exportkontrolle und Forschungssicherheit in der China-Kooperation angeboten. Über einen Newsletter und eine Plattform wird vielfältiges Material bereitgestellt.

Der DAAD setzt sich dafür ein, Potenziale für Kooperationen zu nutzen.“

Sakine Weikert, Leiterin des Kompetenzzentrums Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) im DAAD

Neben den regionalen Projekten umfasst „Regio-China“ das Verbundprojekt „Wissen für Wissenschaftskooperationen: Forschungsbasierte und handlungsleitende China-Kompetenz für deutsche Wissenschaftsorganisationen“ (WiWiKo-China) des DAAD und des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG). Darin werden Einblicke aus der Forschung zu Kooperationen mit China aufbereitet, die regionalen Projekte miteinander vernetzt und das gewonnene Wissen verstetigt. „WiWiKo-China schafft einen geschützten Raum für inhaltlichen Austausch und kritische Reflexion“, erläutert Sakine Weikert. Das veränderte Chinabild und die Coronapandemie hätten dazu geführt, dass das Interesse an Kooperationen mit China und an Aufenthalten in China gesunken sei, besonders bei jüngeren Forschenden. „Der DAAD setzt sich dafür ein, Potenziale für Kooperationen zu nutzen und die Zusammenarbeit interessenorientiert, risikoreflexiv und kompetenzbasiert auszugestalten.“ Mit seiner Außenstelle in Peking sowie den Informationszentren in Shanghai und Guangzhou und den Erfahrungen aus der eigenen Projekt- und Stipendienförderung könne der DAAD auf umfangreiches Wissen aus und zu China zurückgreifen, das durch das KIWi gebündelt werde.

Im Rahmen des Verbundprojekts wurde eine interaktive Deutschlandkarte mit Filtermöglichkeit nach Themen und Regionen mit den entsprechenden Ansprechpersonen zu China-Fragen bereitgestellt. Auch der wissenschaftliche Output von WiWiKo-China ist öffentlich zugänglich. Neben „ChinaAHa-Papieren“, die China-Analysen und Handlungskompetenz bündeln, wurden fünf „WiWiKo-Kits“ erarbeitet, die Ergebnisse aus WiWiKo-Workshops zusammenfassen – unter anderem zur Rolle der Kommunistischen Partei Chinas in der chinesischen Wissenschaftslandschaft oder zu erforderlichen Sprachkenntnissen. „Mit diesen Formaten bringen wir empirische Forschung und konkrete Erfahrungen in die erhitzte öffentliche China-Debatte ein“, sagt Dr. Anna Lisa Ahlers von der Lise-Meitner-Forschungsgruppe „China in the Global System of Science“ am MPIWG. 

Netzwerktreffen und Info-Veranstaltungen

WiWiKo organisiert auch regelmäßige Online-Treffen aller regionalen Projekte. „Diese Jours fixes sind sehr hilfreich“, sagt Karolin Kollmorgen, Koordinatorin des Projekts „Academic China Knowledge and Experience Network“ (China Hub): „Wir geben einander praktische Tipps und tauschen uns über gemeinsame Herausforderungen aus – zum Beispiel, wie man Nachwuchsforschende identifiziert und anspricht, die sich für China-Kooperationen interessieren.“ Der China Hub ist am Bayerischen Hochschulzentrum für China (BayCHINA) angesiedelt und richtet sich an Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Mitarbeitende aller staatlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Bayern. Zum Angebot gehören neben einer Vernetzungsplattform und einem jährlichen Netzwerktreffen zahlreiche Veranstaltungen zur Zusammenarbeit mit China, von Kooperationsmanagement bis zum chinesischen Datenschutzgesetz. „Da sich die chinesische Gesetzeslage kontinuierlich weiterentwickelt, entsteht bei vielen Themen fortlaufend neuer Informationsbedarf“, sagt Kollmorgen.

Die Regio-China-Förderlinie läuft 2026 aus. Die Ergebnisse werden am 18. Juni 2026 auf einer durch WiWiKo-China organisierten Abschlussveranstaltung in Berlin vorgestellt, bei der Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Politik über Fragestellungen rund um die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit China diskutieren werden. Anna Lisa Ahlers und Sakine Weikert hoffen, dass die Expertise und Netzwerke verstetigt und nachhaltig erweitert werden können. „In den Projekten wurde sehr viel aufgebaut“, sagt Ahlers. „Davon nichts oder nur Bruchteile weiterzuführen, wäre angesichts der Größe der Herausforderungen eine vertane Chance.“

Miriam Hoffmeyer (19. März 2026)