Wissen teilen, Wasser sichern

Blick von oben auf dicht bebaute Wohnblöcke an einer Küstenlinie mit breitem Strand und bewölktem Himmel.

Milliarden Menschen weltweit sind von extremen Wetterereignissen bedroht. Dazu gehören Überschwemmungen und Wasserknappheit. Das vom DAAD aus Mitteln des Auswärtigen Amts geförderte Global Water and Climate Adaptation Centre (ABCD-Centre) arbeitet an Lösungen, die Wassersicherheit für die betroffenen Regionen zu erhöhen und die Folgen von Überfluss oder Mangel abzumildern.

Ende November 2025 in Cebu City, der zweitgrößten Stadt der Philippinen. Lokale Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung treffen sich mit internationalen Fachleuten zu einem Workshop. Gemeinsam sprechen sie über Wasserrisiken in Städten, die Folgen des Klimawandels und mögliche naturbasierte Lösungen. Das Ergebnis ist ein strategischer Aktionsplan, der schnell politische Wirkung entfaltet: Erste Resolutionen zur stärkeren Integration naturbasierter Lösungen in Infrastrukturprojekte und zur Schaffung neuer wasserpolitischer Institutionen werden auf den Weg gebracht. 

Lokale Lösungen für globale Probleme

Der Workshop auf den Philippinen ist ein Beispiel für die Arbeit des Global Water and Climate Adaptation (ABCD-) Centres, eines von insgesamt acht „Globalen Zentren“, mit denen der DAAD weltweit Forschung und Wissenstransfer zu zentralen Zukunftsthemen wie Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit stärkt. Wissenschaftliche Expertise wird mit lokalen Erfahrungen verknüpft, um konkrete Aktionspläne zu entwickeln, die politische Prozesse vor Ort anstoßen. 

„Das ist keine klassische Entwicklungshilfe. Wir bringen keine fertigen Lösungen von Nord nach Süd, sondern lernen voneinander und entwickeln Ansätze gemeinsam“, erklärt André Lindner. Er ist Bereichsdezernent und Referent Internationales des Bereiches Bau und Umwelt an der Technischen Universität Dresden, die zusammen mit der RWTH Aachen, dem Indian Institute of Technology Madras in Chennai, Indien, dem Asian Institute of Technology in Thailand und dem Institute for Integrated Management of Material Fluxes and of Resources der United Nations University in Dresden das ABCD-Centre koordiniert. 

Ein Mann mit grauem Haar und Brille steht in einem Raum mit Holzpaneelen und trägt einen Anzug mit gemusterter Krawatte.

Eng verzahnte Forschungscluster

Ziel des 2021 gegründeten Zentrums ist es, Forschungsaktivitäten zu bündeln, neue Kooperationen zu fördern und gemeinsam Lösungen für komplexe wasserbezogene Herausforderungen zu entwickeln. Die fast fünfjährige Aufbauphase des Centres wurde vom DAAD mit insgesamt 2,8 Millionen Euro gefördert. Eine zweite Förderphase hat im Januar 2026 begonnen und läuft bis Ende 2030. Auch an ihr beteiligt sich der DAAD mit 600.000 Euro pro Jahr. 

Inhaltlich arbeitet das ABCD-Centre in drei eng miteinander verzahnten Forschungsclustern: Cluster I befasst sich mit Wassersicherheit, Wasserressourcenmanagement, sicherer Wasserversorgung und Wasseraufbereitung. Cluster II untersucht die Resilienz von Ökosystemen und naturbasierte Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel. Cluster III widmet sich Transferstrategien, traditionellem Wissen, lokalen ökonomischen Rahmenbedingungen sowie Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz.

Pionierstudiengang mit internationalem Profil

Ein weiterer Schwerpunkt des ABCD-Centres liegt in der Ausbildung zukünftiger Fachleute für die Wassersicherheit. Die beteiligten Hochschulen haben dafür den englischsprachigen Masterstudiengang „Water Security and Global Change“ entwickelt. „Es handelt sich um den ersten gemeinsamen Hochschulabschluss zwischen deutschen und einer indischen Hochschule. Damit leisten wir akademische Pionierarbeit, die auf großes Interesse stößt“, sagt André Lindner.

Der forschungsorientierte Studiengang stützt sich auf ein gemeinsam erarbeitetes Curriculum und orientiert sich inhaltlich an den drei Forschungsclustern des Centres. Neben ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen beschäftigen sich die Studierenden intensiv mit politischen Entscheidungsprozessen, gesellschaftlichen Dynamiken und ökologischen Zusammenhängen. Sie starten ihr Studium am Indian Institute of Technology Madras in Chennai, wechseln anschließend an die Technische Universität Dresden und danach an die RWTH Aachen. Ihre Masterarbeit können sie, je nach fachlichem Schwerpunkt, an einer der fünf das Centre bildenden Institutionen anfertigen. Den Abschluss verleihen die Technische Universität Dresden, die RWTH Aachen und das Indian Institute of Technology Madras in Chennai gemeinsam. Der erste Jahrgang rekrutierte sich überwiegend aus indischen Studierenden. Inzwischen sind auch junge Menschen aus Deutschland sowie aus weiteren Ländern Afrikas und Asiens vertreten.

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Darüber hinaus unterstützt das ABCD-Centre gezielt Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie praxisnahe Projekte. Masterstudierende, Promovierende und Fachkräfte nutzen Stipendien und das Netzwerk des ABCD-Centres, um eigene Forschungs- und Transferprojekte umzusetzen. So entwickelte die Absolventin  eines assoziierten Weiterbildungsprogrammes der Technischen Universität Dresden für Fach- und Führungskräfte aus dem Globalen Süden ein Regenwasser-Aufbereitungssystem für eine Schule nahe Bengaluru. Mit vergleichsweise geringen Mitteln verbesserte sie die Wasserversorgung für mehr als 120 Kinder nachhaltig – zuvor fehlte dort eine ausreichende sanitäre Infrastruktur.

Um solche Ansätze weiter in die Breite zu tragen, verfolgt das ABCD-Centre ambitionierte Ziele. Geplant sind der Ausbau weiterer Partnerschaften mit Hochschulen und weiteren Stakeholdern im Globalen Süden, zusätzliche Workshops vor Ort sowie frei zugängliche Online-Angebote zu zentralen Themen der Wassersicherheit. Und am allerwichtigsten: Langfristig soll das ABCD-Centre auch über 2030 hinaus bestehen. Angesichts der wachsenden globalen Wasserkrise wäre das nicht nur wünschenswert, sondern dringend notwendig.

Birk Grüling (15. Januar 2026)



 

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