„Gemeinsam können wir schneller und weiter vorankommen“

Mercedes Maria Da Cunha Bustamante

„Internationale Zusammenarbeit ist Teil unserer DNA als Wissenschaftler – und sie ist jetzt noch wichtiger“, sagt Mercedes Maria Da Cunha Bustamante mit Blick auf die Klimakonferenz COP 30 im November 2025 im brasilianischen Belém und deren politische und ökologische Folgen. Wenn es um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität geht, dann ist Mercedes Bustamante eine der wichtigsten Stimmen der Wissenschaft: Die Ökologin, die an der Universidade de Brasília forscht und lehrt, engagierte sich in der Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) und hat an mehreren Ausgaben der Berichte des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) mitgewirkt. Zurzeit arbeitet sie als eine der Review Editors am 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats der Vereinten Nationen.

„Es ist die Art der Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, weshalb wir noch enger zusammenarbeiten müssen“, erläutert Mercedes Bustamante. „Ein Land alleine kann diese nicht lösen.“ Gerade im Kampf gegen den Klimawandel könne nur gemeinsam etwas erreicht werden: „Der Klimawandel ist ein globales Problem mit ganz unterschiedlichen regionalen Aspekten und Auswirkungen. Deshalb brauchen wir diese globale wissenschaftliche Zusammenarbeit.“

Bustamante forscht nicht nur zu bedrohten tropischen Ökosystemen und deren Wechselwirkungen mit vom Menschen verursachten Veränderungen. Sie engagiert sich auch für dieses Thema an der Schnittstelle zwischen Politik und Wissenschaft, zum Beispiel zwischen 2011 und 2013 als verantwortliche Koordinatorin des Ökosystemmanagements oder als Direktorin für Politiken und thematische Programme im brasilianischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation. Als eine der renommiertesten Klimafolgenforscherinnen ist sie Mitglied der Brasilianischen Akademie der Wissenschaften, internationales Mitglied der US National Academy of Sciences und Mitglied der World Academy of Sciences. 

Zusammen den Klimawandel bekämpfen

Bis 2024 war Mercedes Bustamante Präsidentin der brasilianischen Koordinierungsstelle für die Weiterbildung von Hochschulpersonal CAPES. Die CAPES, eine dem brasilianischen Bildungsministerium angegliederte Stiftung, setzt sich für den Ausbau und die Konsolidierung der Postgraduiertenausbildung ein. Dazu gehören die Förderung der internationalen Zusammenarbeit durch bilaterale Abkommen und Hochschulpartnerschaften. Bustamantes Ziel auch hier: den Dialog mit der akademisch-wissenschaftlichen Gemeinschaft zu vertiefen und den Austausch aufrechtzuerhalten. 

„Deutschland hat mit seiner langen wissenschaftlichen Tradition dazu beigetragen, wie wir wissenschaftlich denken und wie wir Ökosysteme, Ökologie und Natur erforschen.“
Mercedes Maria Da Cunha Bustamante

Der internationale Austausch hat auch ihr eigenes Leben geprägt. Mit einem DAAD-Stipendium kam sie in den 1990er-Jahren nach Deutschland, um an der Universität Trier in Geobotanik zu promovieren: „Für mich war es ein Meilenstein, ein wirklich entscheidender Moment in meinem Leben“, stellt Bustamante im Rückblick fest. Und es war das Zusammenfallen glücklicher Umstände, die sie nach Deutschland brachten. „Ich hatte schon Deutsch gelernt, bevor ich anfing zu studieren. Ich mochte die Sprache und es war eine Gelegenheit, etwas ganz anderes zu lernen.“ Und dann war da der Betreuer ihrer Masterarbeit in Brasilien: „Er hatte selbst in Deutschland promoviert. Und nachdem ich meinen Master gemacht hatte, riet er mir, doch auch nach Deutschland zu gehen und dort zu promovieren“, erzählt Bustamante. „Er kontaktierte die Freunde und Kollegen von damals und ich bewarb mich um ein DAAD-Stipendium.“

Hochburg der Wissenschaften 

Die Gründe, die für Deutschland als Gastland sprachen, sind für Mercedes Bustamante immer noch gültig: „Deutschland ist ein Zentrum der Wissenschaften in verschiedenen Bereichen und mit all diesen unterschiedlichen Einrichtungen – nicht nur Universitäten, sondern auch Forschungseinrichtungen wie den Max-Planck-Instituten und den verschiedenen Netzwerken für Wissen und Wissenschaft.“

Vor allem in den Naturwissenschaften, so sieht es Bustamante, ist Deutschland prägend weit über die eigenen Grenzen hinaus. „In gewisser Weise hat Deutschland mit seiner langen wissenschaftlichen Tradition dazu beigetragen, wie wir wissenschaftlich denken und wie wir Ökosysteme, Ökologie und Natur erforschen“, resümiert sie.

Zu schätzen lernte Mercedes Bustamante das, was sie „die deutsche akademische Kultur“ nennt: „Diese Art, wie die Menschen erst zuhören, bevor sie reden. Dass sie wirklich versuchen, erst zu verstehen, was du meinst, bevor sie antworten.“ Diesen wertschätzenden Umgang habe sie sehr gemocht, sagt sie. „Und ich habe versucht, dies auch hier in Brasilien zu etablieren.“

Erfahrungen weitergeben

Das DAAD-Stipendium hat viele Türen geöffnet zur Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen in Deutschland. Und natürlich die Möglichkeit geschaffen, selbst Studierenden eine Zeit in Deutschland zu ermöglichen. „Mittlerweile haben drei meiner Doktorandinnen und Doktoranden selbst in Deutschland geforscht.“ Zuletzt war eine Doktorandin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Rahmen eines Austauschprogramms. „Sie konnte ihr Wissen über die Auswirkungen des Klimawandels auf die brasilianische Savanne zusammenbringen mit den Forschungen des PIK“, erläutert Mercedes Bustamante. „Und das zeigt: Gemeinsam können wir schneller und weiter vorankommen.“

Auch nach diesem Austausch wird die Zusammenarbeit mit dem PIK, aber auch mit anderen deutschen Instituten fortgesetzt werden, ist Bustamante überzeugt. „So geht die Geschichte immer weiter und so werden die Kontakte weitergegeben an die nächste Generation, die Verbindungen werden aufrechterhalten. Deshalb sind die Austauschprogramme – auch die kurzen – so wichtig.“

Sabine Giehle (4. Dezember 2025)

 

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