Fokusthema 2025: „Quo Vaditis, Partnerschaften?“

Studierende der Deutsch-Jordanischen Hochschule (GJU): Beispiel für vielfältige internationale Verbindungen

Wie steht es um internationale Partnerschaften in Zeiten zunehmender internationaler Spannungen und Konflikte? Wie stärkt der DAAD grenzüberschreitende Kooperationen angesichts komplexer Rahmenbedingungen? Unter der Überschrift „Quo Vaditis, Partnerschaften?“ beleuchtet das DAAD Journal in einer Beitragsreihe, welchen Weg Partnerschaften nehmen, die der DAAD entscheidend mitgestaltet. Im Mittelpunkt steht dabei auch die Rolle des DAAD für internationale Kooperationen.

„Die Beratung der Hochschulen hat für den DAAD zuletzt noch einmal deutlich an Gewicht gewonnen“, sagt Dr. Klaus Birk, Leiter der Abteilung Projekte im DAAD. „Beraten“ ist eine der Säulen der DAAD-Strategie 2030, ebenso wie „Fördern“ und „Vernetzen“. In Birks Abteilung wird die Internationalisierung der deutschen Hochschulen im Austausch mit weltweiten Partnern facettenreich vorangetrieben, von der Internationalisierung der Forschung über die Entwicklungszusammenarbeit bis zu den weitreichenden Projekten der Transnationalen Bildung. Zu ihnen zählen etwa binationale Hochschulen mit hoher Sichtbarkeit bis auf die Regierungsebenen Deutschlands und seiner Partnerländer. „In den binationalen Hochschulen haben sich beide Seiten zu einer langfristigen Zusammenarbeit verpflichtet. Partnerschaften werden somit gepflegt, auch wenn der politische Dialog nicht immer einfach ist“, sagt Klaus Birk.

Dr. Klaus Birk, Direktor der Abteilung Projekte im DAAD, betont den Wert langfristig angelegter Partnerschaften und persönlicher Begegnungen im akademischen Austausch.

Binationale Hochschulen fördert der DAAD etwa in der Türkei, in Ungarn oder in der Arabischen Welt. Einen besonders intensiven Austausch ermöglicht zum Beispiel die aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Deutsch-Jordanische Hochschule (GJU) unweit von Amman. Für die Studierenden ist ein Deutschlandjahr obligatorisch, das sie je zur Hälfte an einer deutschen Hochschule und in einem Praktikum in einem Unternehmen verbringen. „Jordanische und deutsche Studierende kommen in einen echten Dialog, der auch unterschiedliche Sichtweisen zum Nahostkonflikt beinhalten kann“, so Klaus Birk. Wichtig sei dem DAAD auf den verschiedenen Ebenen internationaler Kooperation insbesondere, dass man im Gespräch bleibe, erst recht in konfliktreichen Zeiten.

„Wir sehen aktuell zum Beispiel in den USA, wie schwierig und folgenreich es ist, wenn zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen nicht mehr vermittelt werden kann“, hebt Birk hervor. „Der DAAD setzt auf offene Kanäle, um Partnerschaften auch in herausfordernden Zeiten bewahren zu können.“ Das gelte in so unterschiedlichen Fällen wie der transatlantischen Kooperation oder dem Austausch mit China.

Orientierung in politisch schwierigen Zeiten

Klaus Birk verweist auf die besondere Wirkung persönlicher Begegnungen im akademischen Austausch, wie sie der DAAD mit seinen Stipendien und Projektförderungen ermöglicht. Er kann das aus der eigenen Lebenserfahrung bestätigen. So wohnte er als DAAD-Stipendiat in den 1980ern in einem chinesischen Studentenwohnheim, unter anderem zusammen mit zahlreichen nordkoreanischen Studierenden. „Auch wenn wir überhaupt nicht einverstanden sein mögen mit dem politischen System eines Landes wie Nordkorea: Das sagt noch nicht zwangsläufig etwas darüber aus, inwieweit wir uns mit den Menschen verständigen können.“

Das Beispiel China zeigt für Klaus Birk aktuell konkret, wie internationale Kooperation unter herausfordernden Rahmenbedingungen gelingen kann. In seinen 2024 veröffentlichten Handlungsempfehlungen „Die akademische Zusammenarbeit mit China realistisch gestalten“ formuliert der DAAD für die deutschen Hochschulen drei Leitprinzipien für den Umgang mit chinesischen Partnern: interessensorientiert, risikoreflexiv, kompetenzbasiert. „Das lässt sich in politisch schwierigen Zeiten auf zahlreiche internationale Beziehungen übertragen“, so Birk. „Der DAAD will die Türen für den internationalen Austausch offenhalten, nicht naiv, sondern mit einem wachen Blick auf die jeweiligen Partnerschaften.“

Arbeit des Kompetenzzentrums Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) 

Der Ende 2024 aktualisierte, digitale KIWi Kompass „Keine roten Linien“ ist ein weiteres prominentes Beispiel dafür, wie der DAAD gerade unter Berücksichtigung komplexer Rahmenbedingungen Orientierung gibt. Der kriterienbasierte Leitfaden des DAAD-Kompetenzzentrums Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) ermöglicht deutschen Hochschulen eine fundierte Chancen- und Risikoabwägung bei der Gestaltung ihrer Partnerschaften. „Aufgrund der zahlreichen geopolitischen Herausforderungen nehmen Fragen von Risiko und Sicherheit in unserer Beratungsarbeit eine zunehmend wichtige Rolle ein. Der KIWi Kompass ‚Keine rote Linien‘ hat sich dabei als ein praktisches Tool für die risikoreflexive Bewertung von Kooperationen bewährt“, sagt Marc Wilde, der aktuell im KIWi am Ausbau des Bereichs „Matchmaking und Internationale Netzwerke“ mitwirkt. Neben der individuellen Beratung leistet der DAAD hier praktische Unterstützung bei der Anbahnung von Partnerschaften, etwa durch spezifische Matchmaking-Formate, in denen deutsche und ausländische Hochschulen ihre gemeinsamen Kooperationsinteressen ausloten können. „Unser Kompetenzzentrum bietet darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Orientierungshilfen, wie zum Beispiel die länderbezogenen Publikationen in der Reihe DAAD Globus oder unser breites Angebot an Informations-, Beratungs- und Vernetzungsveranstaltungen“, sagt Marc Wilde.

Marc Wilde

Ebenfalls in der KIWi Kompass-Reihe erscheinen die gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus der Hochschulpraxis konzipierten Kooperationsleitfäden, die auf ausgewählte Länder und Regionen zugeschnitten sind und unter anderem interkulturelle Besonderheiten der Zusammenarbeit in den Blick nehmen. Zudem arbeitet der KIWi-Experte aktuell an einer neuen Publikation zu strategischen Partnerschaften. „Wir haben wahrgenommen, dass dieses Thema aktuell wieder stark an den Hochschulen diskutiert wird. Mit der geplanten Publikation möchten wir unterschiedliche Modelle strategischer Partnerschaften aufzeigen und auch die Faktoren benennen, die sich als wichtig herausgestellt haben, damit internationale Partnerschaften nachhaltig und strategisch eingebettet funktionieren.“ Auch hier legt das KIWi großen Wert auf den Erfahrungsaustausch mit den Hochschulen. Ein KIWi Lab zur Bedarfserhebung für die neue Publikation hat kürzlich mit einem ausgewählten Kreis an Expertinnen und Experten stattgefunden. 

Thematische und regionale Expertise

Marc Wilde hebt hervor, dass das 2019 gegründete KIWi in einer langen Tradition der Wissensvermittlung durch den DAAD steht – und dass sich das Kompetenzzentrum dabei auf profundes Erfahrungswissen stützt: „Wir verbinden im KIWi thematische und regionale Expertise auf einzigartige Weise. Das ist vor allem deshalb möglich, weil wir die breite Expertise des DAAD und seiner Mitgliedshochschulen, insbesondere das tagesaktuelle Wissen aus unserem Außennetzwerk, nutzen können. Das ist eine unverzichtbare Grundlage für unsere Arbeit und die zukunftsfähige Gestaltung internationaler Kooperationen.“

Johannes Göbel (26. August 2025)

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