Grüner Wasserstoff als Schlüssel zur globalen Energiewende

Zwei Frauen mit Namensschildern lächeln in einem vollen Konferenzraum in die Kamera.

Wie lässt sich Wasserstoff effizient in die Energiewende integrieren? Diese Frage stand im Zentrum der Konferenz „Hydrogen Futures: Inspiring Researchers and Innovators in Clean Energy“ in Bonn. Junge Forschende aus aller Welt stellten innovative Ansätze vor und nutzten die Gelegenheit, sich zu vernetzen. Das DAAD-Programm EFR Zukunftsstipendien – Grüner Wasserstoff fördert diese Talente und zeigt: Internationale Kooperation ist der Schlüssel für eine globale Energiewende.

Saubere Energie ist ein wichtiger Schlüssel für eine lebenswerte Zukunft. Auch für die Bundesregierung hat das Thema eine hohe Priorität. Im Wissenschaftsjahr 2025 – Zukunftsenergien stehen die Innovationen und Konzepte der Energieforschung im Mittelpunkt, die Antworten auf die zentralen Herausforderungen der Energiewende liefern sollen. Im Fokus steht die Frage, wie sich durch die intelligente Verknüpfung erneuerbarer Energien, moderner Speicherlösungen und neuer Technologien eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung gestalten lässt. Dabei geht es auch darum, welche Technologien bereits im Einsatz sind – und mit welchen Entwicklungen noch zu rechnen ist.

Eine wichtige Rolle spielt hier grüner, also mit erneuerbaren Energien produzierter Wasserstoff. „Durch gezielte Investitionen in Forschung, Entwicklung und internationale Zusammenarbeit haben wir die Möglichkeit, das volle Potenzial des grünen Wasserstoffs zu erschließen und die Grundlage für einen saubereren, grüneren Planeten für kommende Generationen zu schaffen“, so Dr. Birgit Klüsener, Leiterin der Abteilung Stipendien im DAAD. Sie sprach anlässlich der Konferenz „Hydrogen Futures: Inspiring Researchers and Innovators in Clean Energy“, die am 24. und 25. September in Bonn stattfand.

Forscherinnen und Forscher aus aller Welt

Die Tagung bot die Gelegenheit für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt, sich zu vernetzen und ihre Forschung im Bereich Grüner Wasserstoff in kurzen Pitch-Sessions vorzustellen. Gefördert werden sie durch das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt finanzierte DAAD-Programm EFR Zukunftsstipendien – Grüner Wasserstoff, das 2022 gestartet ist, um die Forschung im Bereich Grüner Wasserstoff im Europäischen Forschungsraum (EFR) voranzubringen – und dies gerade im engen Austausch mit Forscherinnen und Forschern auch außerhalb Europas.

„Die Tatsache, dass wir bei der Konferenz mit jungen Talenten aus allen fünf Kontinenten zu tun hatten, zeigt sehr schön, welch große Bedeutung das Thema inzwischen im globalen Maßstab hat“, so Dr. Carsten-Michael Walbiner, der das Programm EFR Zukunftsstipendien – Grüner Wasserstoff beim DAAD leitet. „Es ist klar: Wenn wir die europäische Wasserstoffforschung stärken und eine nachhaltige Zukunft für Deutschland und die EU sichern wollen, brauchen wir hochqualifizierte internationale Fachkräfte, die hier studieren, promovieren und weiter an Lösungen für den Einsatz von Wasserstoff als Energieträger arbeiten.“

Schnellerer Übergang in die Anwendung

Denn dies ist dringend nötig, wie sich in den Redebeiträgen und Diskussionen der Konferenz zeigte. „Die große Herausforderung ist der Preis“, so Walbiner. „Im Augenblick ist Wasserstoff noch zu teuer.“ Daran werde zwar nachdrücklich gearbeitet, viele Lösungen existierten aber bislang nur im Labor. „Das Ziel muss es sein, diese möglichst schnell marktfähig zu machen und für eine breitere industrielle Anwendung zur Verfügung zu stellen.“

Eines ist klar: Dies kann nur gelingen, wenn alle Stakeholder gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir haben Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gebeten, uns eine Einschätzung der aktuellen Lage zu geben und zu erläutern, was getan werden muss, um den Energieträger Wasserstoff in Zukunft effizient zu nutzen.


„Grüner Wasserstoff birgt das Potenzial, Industrien zu transformieren“

Ministerialbeamter mit Brille, Anzug und Krawatte posiert vor dunkelblauem Hintergrund

„Grüner Wasserstoff ist ein Baustein für eine nachhaltige und klimaneutrale Energieversorgung der Zukunft. Als Energieträger ermöglicht er die Speicherung und den Transport erneuerbarer Energien, was für Regionen mit schwankender Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen relevant ist. Durch Investitionen und internationale Kooperationen können Produktionskosten gesenkt und die Effizienz gesteigert werden. Grüner Wasserstoff birgt das Potenzial, Industrien zu transformieren, und kann die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern.“

Dr. Marcus Pleyer ist Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. 


„In der Zusammenarbeit mit Deutschland sehe ich viele Chancen“

Porträt einer jungen Frau mit ernstem Blick vor einem hellblauen Hintergrund.

„Ich arbeite daran, Wasserstoff auf eine bezahlbare und umweltfreundliche Weise zu gewinnen – mit Materialien, die direkt aus Namibia stammen, etwa aus der Pflanze Senegalia mellifera. So können wir Abfall sinnvoll nutzen, Kosten senken und die Abhängigkeit von teuren Metallen vermeiden. Wichtig ist mir, dass die Energiewende gerecht gestaltet wird: Durch Meerwasserentsalzung und Abwassernutzung können wir Ressourcen schonen, und neue Projekte sollen Arbeitsplätze für lokale Gemeinschaften schaffen. Meine Forschung zeigt, wie Wasserstoff in Namibia nicht nur exportiert, sondern auch direkt eingesetzt werden kann – zum Beispiel für Strom in Dörfern oder zur Speicherung von Solarenergie. Damit wir als Land wirklich zu einem führenden Wasserstoffstandort werden, brauchen wir mehr Infrastruktur, Testanlagen und klare politische Regeln. In der Zusammenarbeit mit Deutschland sehe ich viele Chancen, vor allem bei der Weiterentwicklung von Katalysatoren und bei Technologien, die für das trockene Klima in Namibia geeignet sind.“

Justine Nelago Auene ist eine namibische Chemikerin an der Namibia University of Science and Technology, die sich auf Wasserstoffforschung spezialisiert hat. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung nachhaltiger und kostengünstiger Materialien für Umwelt- und Energieanwendungen.


„Wasserstoff ist kein Konkurrent, sondern eine sinnvolle Ergänzung zur Elektrifizierung“

Porträt eines Mannes mit Glatze in Anzug und Krawatte vor blau-grauem Verlaufshintergrund.

„Für die Energiewende brauchen wir sowohl Elektrifizierung als auch Wasserstoff. Zwar ist die Herstellung von Wasserstoff im Augenblick noch recht aufwendig und teuer, doch der Transport und die Speicherung sind deutlich günstiger als beim Strom. Während die Stromtrasse SuedLink für 10 Milliarden Euro etwa vier Gigawatt elektrische Leistung transportiert, kann ein doppelt so teures Wasserstoffnetz fast 100 Gigawatt liefern – und das bei einer Gesamtlänge von 10.000 Kilometern. Außerdem ist die Speicherung effizient: Eine einzige Wasserstoffkaverne fasst rund 0,2 Terawattstunden – das Fünffache aller deutschen Pumpspeicher. Auch wenn Wasserstoff aktuell durch seine hohen Kosten massiv in der Kritik steht und die deutlich überzogenen Erwartungen nicht erfüllt wurden, ist Wasserstoff langfristig unverzichtbar für Industrie, Verkehr und Energiesysteme. Die reine Elektrifizierung wird schon bald an ihre Grenzen stoßen, zumal Erneuerbare derzeit nur 60 Prozent des Stromsektors und etwa 20 Prozent des Primärenergiebedarfs decken. Andere Länder steuern bereits den Zubau von Erneuerbaren Energien. Ohne Speicher oder Abnehmer wird keine Genehmigung mehr erteilt. Wasserstoff ist kein Konkurrent, sondern eine notwendige Ergänzung zur Elektrifizierung.“

Dr. Dennis Krieg ist Leiter des Teams Technologies & Logistics bei einem Energiekonzern. Dort beschäftigt er sich mit der Entwicklung, Anwendung und Umsetzung von Wasserstofftechnologien. 

Text und Protokolle: Klaus Lüber (23. Oktober 2025)

 


 

Verwandte Themen