Klimaschutz mit Grünem Wasserstoff

Gespeicherter, mit erneuerbaren Energien hergestellter Wasserstoff gilt als wichtiges Instrument der Dekarbonisierung unserer Wirtschaft.

Seit Anfang 2023 können Studierende und Wissenschaftler sämtlicher Fachrichtungen sich mit DAAD-Unterstützung dem Zukunftsthema Grüner Wasserstoff widmen. Das Programm EFR Zukunftsstipendien – Grüner Wasserstoff (GH2) richtet sich an Masterstudierende, Promovierende sowie Postdocs gleichermaßen und unterstützt sie dabei, Netzwerke aufzubauen sowie Forschungsaufenthalte an international renommierten Instituten anzutreten. Bewerben können sich Kandidatinnen und Kandidaten weltweit.

Für das Thema Grüner Wasserstoff interessiert sich Susanna Mehrstedt seit Langem. Die junge Frau aus Schweden hat an der Universität Stockholm ein Bachelor-Studium in Geografie absolviert. Dabei beschäftigte sie sich auch mit dem Klimawandel und seinen Gefahren – und mit der Frage, welche Möglichkeiten es gibt, die Erderhitzung einzudämmen. Grüner Wasserstoff gilt als ein besonders wichtiger Baustein für eine klimafreundliche Zukunft.

Auf der Website des DAAD entdeckte Mehrstedt das Programm EFR Zukunftsstipendien – Grüner Wasserstoff (GH2). „Ich hatte schon seit vielen Wochen versucht, ein Stipendium in Deutschland zu finden“, erzählt sie. „Ich war sofort begeistert, als ich sah, dass es ein Stipendium gibt, bei dem ich viel über Grünen Wasserstoff lernen und mich mit anderen austauschen kann, die das gleiche Interesse haben.“ Als „grün“ gilt Wasserstoff, der unter Einsatz erneuerbarer Energien hergestellt wurde.

Susanna Mehrstedt bewarb sich und erhielt die Förderung. Damit gehört sie zu den rund 50 jungen Menschen, die seit Beginn des Programms Anfang 2023 das Zukunftsstipendium erhalten haben. Ziel ist es, den wissenschaftlichen Nachwuchs in Forschung und Lehre zu fördern und den Aufbau von internationalen Netzwerken zu unterstützen. Finanziert wird GH2 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Interdisziplinärer Ansatz

„Eine der Stärken des Programms ist die Offenheit für alle“, sagt Fangfang Xu-Suhren, die das Stipendienprogramm beim DAAD koordiniert. Es richtet sich sowohl an Masterstudierende als auch Promovierende und Postdocs. Auch fachlich ist das Programm interdisziplinär angelegt. „Der Name des Programms mag vielleicht zuerst an Natur- und Ingenieurwissenschaften denken lassen“, sagt Xu-Suhren. „Aber bei uns können sich alle Disziplinen bewerben, die einen Bezug zu dem Thema aufweisen. Etwa Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die sich mit Regulation und Marktstimulation für neue Energien beschäftigen. Oder Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die sich in ihrer Forschung auf Energiesicherheit oder globale Ungleichheit mit Blick auf neue Energiequellen konzentrieren.“

Die schwedische Geografin Susanna Mehrstedt absolviert einen interdisziplinären Masterstudiengang der Universität Bonn und der Universität der Vereinten Nationen.

Susanne Mehrstedt studiert seit Oktober 2023 „Geografie der Umweltrisiken und der menschlichen Sicherheit“. Der interdisziplinäre Masterstudiengang ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Bonn und der Universität der Vereinten Nationen. „Ich habe schon im ersten Semester so viel Neues gelernt“, sagt sie. „Das ist ein tolles Gefühl und macht mich gespannt auf die Zukunft.“ Mehrstedt will untersuchen, wie sich Infrastruktur und Transport von Grünem Wasserstoff auf sichere und effiziente Art und Weise ausbauen lassen – ein Aspekt von großer Bedeutung. „Ich interessiere mich dafür, wie wir als Gesellschaft den Klimawandel auf verschiedene Weise angehen können“, erklärt Mehrstedt ihre Motivation. „Ich glaube zwar nicht, dass Technologie alle Probleme lösen kann, aber ich halte sie für wichtig, um die Emissionen aus Sektoren wie dem Verkehrswesen stark zu reduzieren.“

Ausweitung auf außereuropäische Länder

Ursprünglich war EFR Zukunftsstipendien – Grüner Wasserstoff auf Europa und seine Anrainerstaaten ausgelegt, darunter auch Tunesien und Marokko. In diesen Ländern sei insbesondere das Interesse unter jungen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen hoch, erklärt Fangfang Xu-Suhren. „Dass sich von dort auch viele junge Frauen bewerben, freut uns sehr.“

Zum Beispiel die Diplomingenieurin Asma Maamri aus Tunesien. Während ihres Masterstudiums in erneuerbaren Energien und Energieeffizienz an der Universität Kassel und der Universität Monastir in Tunesien entwickelte sie ein starkes Interesse am Thema Grüner Wasserstoff. „Danach entschied ich mich für ein Praktikum bei Rolls-Royce Power Systems, wo ich mich mit Wasserstoff-Elektrolyse und Brennstoffzellen beschäftigt habe“, erzählt sie. „Diese Erfahrung hat meine Leidenschaft für das Thema gefestigt und mich dazu veranlasst, für meine Masterarbeit beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE weiter an Wasserstoff-Themen zu forschen.“ Dafür erhielt sie ein sechsmonatiges Stipendium. Dass es diese Möglichkeit gibt, erfuhr Maamri durch einen Freund in Tunesien.

Seit Ende 2023 ist das Programm offen für Bewerberinnen aus weiteren, außereuropäischen Ländern, etwa Namibia und Ghana in Afrika, Brasilien und Chile in Lateinamerika oder Japan und Südkorea in Asien.

Wissenschaftlicher Nachwuchs aus Deutschland

Das Zukunftsstipendium richtet sich auch an den wissenschaftlichen Nachwuchs aus Deutschland. Malte Rutz, der an der TU Braunschweig gerade in Maschinenbau promoviert, hat so im letzten Herbst im Rahmen seiner Masterarbeit zwei Monate in Glasgow verbracht. An der dortigen University of Strathclyde untersuchte er, wie die Wasserstoff-Elektrolyse mithilfe von Künstlicher Intelligenz modelliert werden kann. „Aktuelle Modelle laufen mit Vereinfachungen und bilden deshalb nur einen Bruchteil der Realität ab“, erläutert Rutz. „Wenn man die Modellierung verbessert, kann man unnötige Kosten vermeiden. Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ist das sehr wichtig.“ Seine Zeit als Stipendiat hat Malte Rutz in sehr guter Erinnerung. „Ich habe viele Menschen kennengelernt und stehe noch immer in Kontakt mit der schottischen Universität“, erzählt er. „Bei der Verteidigung meiner Masterarbeit war zum Beispiel auch die Leiterin der dortigen Forschungsgruppe online zugeschaltet.“

Malte Rutz promoviert an der TU Braunschweig in Maschinenbau und verbrachte im Herbst 2023 zwei Monate an der University of Strathclyde in Glasgow.

Das Stipendienprogramm unterstützt aktiv die Vernetzung – auch mit anderen Expertinnen und Experten. „Geförderte werden automatisch Mitglieder von Arbeitsgruppen, wo sie sich austauschen, eigenständig Veranstaltungen organisieren und auch Professorinnen und Professoren sowie Vertreterinnen und Vertreter der Industrie kennenlernen können“, sagt Programmleiterin Xu-Suhren. „Das ist eine gute Gelegenheit für junge Studierende und Forschende, ein Netzwerk aufzubauen.“

Teilnehmende des Programms beschreiben die Arbeitsgruppen als sehr inspirierend und als „großartige Ressource“. Auch die Kommunikation mit dem DAAD-Team wird vielfach gelobt. „Die Leute, die da arbeiten, sind sehr engagiert“, so schildert es Malte Rutz. „Sie stehen voll hinter dem Programm und das merkt man auch.“

Verena Kern (26. Februar 2024)

 

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