Den Forschungsstandort Deutschland kennenlernen

Eine größere Gruppe von Menschen steht vor einem Gebäude mit der Aufschrift „Hydrogen Terminal Braunschweig“ neben einer großen metallischen Anlage.

Seit 2023 hat der DAAD drei Green Hydrogen Research Tours organisiert, um internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit deutschen Universitäten, Forschungsinstitutionen und Unternehmen zu vernetzen. Im September 2025 fand die vorerst letzte Tour statt. Teilnehmende und DAAD-Programmverantwortliche blicken zurück.

Wenn Mehtap Özaslan über die Green Hydrogen Research Tour spricht, an der sie im September 2025 mitgewirkt hat, kommt die Hamburger Chemie-Professorin ins Schwärmen. „Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Die Teilnehmenden waren alle sehr interessiert, haben viele Fragen gestellt und auch von sich erzählt, was in ihren Laboren gerade läuft und mit welchen Fragestellungen sie beschäftigt sind“, erzählt sie. „So ein Austausch ist wunderbar und enorm wichtig. Es ist immer eine Win-win-Situation.“

Özaslan ist Professorin für Angewandte Physikalische Chemie von Nanomaterialien an der Universität Hamburg, leitet eine Außenstelle am Hydrogen Terminal in Braunschweig und ist Leiterin des Zentrums für Angewandte Nanotechnologie CAN beim Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP. Sie forscht intensiv zu Grünem Wasserstoff und steht weltweit mit Kolleginnen und Kollegen im Austausch, unter anderem in Japan. Als das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus Tokyo sie im vergangenen Jahr auf die Green Hydrogen Research Tour aufmerksam machte, sagte sie sofort zu.

Porträt einer lächelnden Frau in Büro-Umgebung vor Regalen mit Aktenordnern.

„Wir konnten für das Programm der Tour zwei Stationen anbieten, die sehr attraktiv sind. Das Besondere an unserem Standort in Braunschweig ist, dass wir einen großen Elektrolyseur haben; da konnten die Teilnehmenden – die ja die zukünftigen Fachkräfte sind – sich vor Ort eine solche Anlage real und live anschauen“, erzählt Özaslan. In Hamburg war auch ein Vertreter der grünen Wasserstoffinitiative HY-5 der fünf norddeutschen Bundesländer bei der Tour präsent. „So hatten wir beide Komponenten dabei: Forschung und Wirtschaft“, sagt die Chemie-Professorin. „Dadurch entstanden viele Möglichkeiten zur Vernetzung. Das macht die Research Tour zu einem Beschleuniger der Zusammenarbeit, nicht nur der wissenschaftlichen, sondern auch der wirtschaftlichen.“

Drei Touren seit 2023

Die Green Hydrogen Research Tour im September 2025 ist die vorerst letzte von insgesamt drei Touren, die der DAAD seit 2023 organisiert hat. Gefördert wurden sie vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Rund 20 Doktoranden und Doktorandinnen sowie Postdocs nahmen jeweils teil. Eine Woche lang besichtigten sie führende Forschungseinrichtungen und Universitäten in Deutschland im Bereich Grüner Wasserstoff. Auch Unternehmen wurden besucht, um konkrete Anwendungsbereiche kennenzulernen. 

Nach insgesamt drei Touren können wir sagen: Es ist ein starkes Konzept, das über die individuelle Perspektive hinaus eine größere Wirkung entfaltet und die Attraktivität des Standorts Deutschland sichtbar macht.
Dr. Claudia Nospickel, Referatsleiterin Forschung und Studien beim DAAD

„Mit dem Programm konnten wir zu dem wichtigen, zukunftsorientierten Thema Grüner Wasserstoff junge Forschende aus dem Ausland auf den Standort Deutschland aufmerksam machen und die Vernetzung internationaler Forschender mit unterschiedlichen Institutionen in Deutschland fördern, darunter Hochschulen und Forschungsinstitutionen, aber auch private Firmen, die sich um das Thema Nachhaltige Energie kümmern“, erläutert Dr. Claudia Nospickel, Referatsleiterin Forschung und Studien beim DAAD. „Nach insgesamt drei Touren können wir sagen: Es ist ein starkes Konzept, das über die individuelle Perspektive hinaus eine größere Wirkung entfaltet und die Attraktivität des Standorts Deutschland sichtbar macht.“ Auch Laura Méndez Prencke, die beim DAAD die Organisation der Touren übernahm, verweist auf die Effizienz des Programms. „In nur einer Woche haben wir viele Aspekte im Bereich Grüner Wasserstoff abgedeckt und ein sehr breites Spektrum vermittelt“, sagt sie. „Das ist ein toller Erfolg. Das Feedback der Teilnehmenden war durchweg positiv.“

Unterschiedliche Forschungsschwerpunkte 

Ein Beispiel ist Angelica Liponi aus Italien. Die promovierte Energietechnikerin, die sich an der Universität Pisa mit der Erzeugung von Grünem Wasserstoff beschäftigt, nahm 2023 an der ersten Research Tour teil, die sich auf Stationen in Westdeutschland konzentrierte. Ein Kollege aus Liponis Forschungsgruppe hatte ihr von dieser Möglichkeit erzählt und sie ermutigt, sich zu bewerben. „Ich war beeindruckt“, so erinnert sie sich. „Die Tour hat mir die großartige Gelegenheit geboten, einen tieferen Einblick in die Arbeit der besuchten Einrichtungen zu gewinnen und Kontakte zu anderen Forschenden zu knüpfen.“

Mein berufliches Netzwerk wurde durch die Tour erheblich erweitert.
Dr. Angelica Liponi, Universität Pisa

Die Gruppe besuchte täglich zwei Institutionen mit jeweils unterschiedlichem Forschungsschwerpunkt. Präsentationen, Führungen und gemeinsame Abendessen sorgten für Austausch auf fachlicher und persönlicher Ebene. „Ich würde das Programm auf jeden Fall weiterempfehlen“, sagt Angelica Liponi. „Denn es fördert den Austausch, die Diskussion und den Beginn neuer Kooperationen. Mein berufliches Netzwerk wurde dadurch erheblich erweitert.“

Positives Deutschlandbild

Fabio Bozzolo Lueckel aus Chile, der 2024 an der Tour mit Stationen in Ostdeutschland teilnahm, lobt das Programm für seine Qualität und seine Reputation. „Die Tour war großartig“, sagt der Biochemieingenieur, der an der Universität Galway in Irland in Maschinenbau promoviert, mit Schwerpunkt auf Wasserstoff in Energiesystemen. „Es war eine sehr gute Mischung aus Besuchen von Industrieanlagen, Forschungszentren und Universitäten und auf jeden Fall eine inspirierende Erfahrung. Obwohl es erst ein Jahr her ist, dass ich an der Tour teilnahm, habe ich bereits Kontakt zu einigen Forschenden aufgenommen, die ich während der Research Tour kennengelernt habe. Ich denke, dass in Zukunft weitere Kooperationen entstehen werden.“

Die Tour war eine sehr gute Mischung aus Besuchen von Industrieanlagen, Forschungszentren und Universitäten.
Fabio Bozzolo Lueckel, Universität Galway

Dass die Teilnehmenden der Green Hydrogen Research Tour mit positiven Erinnerungen nach Hause gehen, hat auch Mehtap Özaslan beobachtet. „Diese positiven Erinnerungen können dazu führen, dass wir mehr internationale Fachkräfte gewinnen“, sagt die Hamburger Professorin. „Durch den Aufenthalt wird die erste Hürde genommen, die Teilnehmenden lernen das Land kennen und entwickeln ein Gefühl und Verständnis dafür, wie etwas läuft. Viele Forschende gehen aber auch in die Industrie. Dann kann es sein, dass sie durch ihren Besuch in Deutschland einen guten Bezug zu dem Land haben und dann eher mit deutschen Unternehmen zusammenarbeiten wollen. Auf jeden Fall ist ein solches Programm eine Investition für die Zukunft, die sehr sinnvoll ist.“

Verena Kern (18. Dezember 2025)