„Beitrag zum Kampf gegen Hunger und Unterernährung“
Das Netzwerk der vom DAAD aus Mitteln des Auswärtigen Amts (AA) geförderten Fachzentren Afrika wächst weiter: An der südafrikanischen University of the Western Cape wurde das Fachzentrum für nachhaltige und resiliente Ernährungssysteme und angewandte Agrar- und Ernährungsdatenwissenschaft (UKUDLA) offiziell eröffnet. Am neuen, multi-institutionellen Fachzentrum wirken auf deutscher Seite neben dem Auswärtigen Amt auch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) mit. Auf südafrikanischer Seite sind das Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation (DSTI) sowie die Nationale Forschungsstiftung (NRF) am Projekt beteiligt.
DAAD-Vizepräsidentin Dr. Muriel Helbig erläutert im Interview den innovativen, datengestützten Ansatz des neuen Fachzentrums und seine Bedeutung für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Frau Dr. Helbig, was erhofft sich der DAAD vom neuen Fachzentrum UKUDLA?
Das neue Fachzentrum fördert mit seiner wissenschaftlichen Arbeit resiliente Ernährungssysteme und trägt damit zum Kampf gegen Hunger und Unterernährung bei, einem der drängenden globalen Themen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit des Zentrums bringt Ernährungs- und Agrarwissenschaften zusammen und nutzt zudem die Stärken der Digitalisierung. Wir glauben, dass das neue Zentrum große gesellschaftliche und fachliche Wirkung entfalten wird, auch über die Region des südlichen Afrikas hinaus.
Wie arbeitet das neue Fachzentrum?
Ein zentraler Aspekt ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Afrikanische und deutsche Masterstudierende, Promovierende und Postdocs werden durch das Fachzentrum gezielt unterstützt. Für Lehrende sind die maßgeschneiderten neuen Angebote ebenfalls interessant. Und jenseits der klassischen akademischen Ausbildung zählen auch Mentoring, Karrieretrainings und Sommerschulen zum Portfolio des Zentrums. Aber noch über den Aspekt der Nachwuchsförderung hinaus entsteht ein weitreichendes Netzwerk.
Inwiefern?
Das Fachzentrum verbindet zum einen gleich fünf Hochschulen. In Deutschland ist die Universität Hohenheim beteiligt, in Malawi die Lilongwe University of Agriculture and Natural Resources und in Südafrika drei Hochschulen: die University of the Western Cape und die Universitäten von Pretoria und Mpumalanga. Auf politischer Ebene sind die deutschen Bundesministerien für Forschung und Landwirtschaft sowie das Auswärtige Amt Partner, ebenso die Nationale Forschungsstiftung und das Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation Südafrikas. Das gemeinsame, übergeordnete Ziel ist es, die Forschungsergebnisse wirkungsvoll in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu transferieren. Es gibt die klare Erwartungshaltung, dass das Fachzentrum gemeinsam mit und zum Vorteil der lokalen Gemeinschaften wirkt.
Welche Bedeutung hat dabei die Digitalisierung?
Die zielgerichtete Nutzung von Datenmengen trägt entscheidend dazu bei, Ernährungssysteme analysieren und optimieren zu können. Konkret hilft das zum Beispiel bei der Einschätzung des Ressourcenbedarfs, der Antizipation von Dürren oder für Planungsszenarien mit Blick auf den demografischen Wandel. Dafür bietet das Fachzentrum auch Schulungen zur Datenanalyse, damit die Vorteile der Technologie zur Geltung kommen. Es geht um praxisnahe Erkenntnisse, die für die konkrete Anwendung relevant sind. Digitales Know-how verbindet sich mit lokalem Fachwissen. So können spezifische Lösungen gefunden werden, etwa zu Logistikprozessen oder auch zu Vermarktungsmöglichkeiten.
Der Transfer der Forschungsergebnisse in die Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaften des südlichen Afrikas ist ein ausdrückliches Ziel des Zentrums. Warum ist dieser Ansatz so wichtig?
Dieser Ansatz ist wesentlich für die vom DAAD geförderten Fachzentren Afrika. Sie setzen damit seit Langem einen Akzent, der mittlerweile auch in Deutschland stärker betont wird. Vom Fachzentrum UKUDLA sollen beispielsweise auch Kleinbäuerinnen und Kleinbauern unmittelbar profitieren, ebenso Unternehmen und Gemeinden im südlichen Afrika. Das Zentrum bindet die lokalen Akteure frühzeitig ein: Es werden keine akademischen Modelle übergestülpt, sondern Lösungen mit den regionalen Partnern aus Landwirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft entwickelt. Übrigens kommt dieser Ansatz ganz automatisch: Jeder Student, jede Promovendin, mit der ich gesprochen habe, hat das Forschungsthema auf Grundlage eines eigenen Erlebens oder der eigenen Biografie gewählt und sehr konkret vor Augen, wo und wem damit geholfen werden soll. Das trägt entscheidend zu langfristigen Lösungsansätzen bei.
Wie profitiert die deutsche Hochschullandschaft vom neuen Fachzentrum?
Zum einen bringt es als internationales Kooperationsprojekt Forschungsimpulse und Innovationen nach Deutschland. Studierende, Promovierende und Forschende kommen in den akademischen Austausch, der für Deutschland hochinteressant ist. Der Kontakt zur internationalen Fachcommunity hat strategischen Mehrwert für die Universität Hohenheim, die als deutsche Partnerhochschule an dem Fachzentrum beteiligt ist.
Welche grundsätzliche Bedeutung haben die Fachzentren Afrika?
Sie bedeuten eine nachhaltige Vernetzung in einer Weltregion, die als Partner auch von Staaten wie China und Russland umworben wird. Die Fachzentren Afrika zeigen, wie globale Wissensproduktion funktionieren kann: mit Kooperation zwischen verschiedensten Partnern, bei der gemeinsam Projekte entwickelt werden und bei der alle Seiten voneinander lernen. Mit dem Ausbau des Netzwerks der Fachzentren sendet der DAAD auch ein Signal: In Zeiten, die weltweit von vielen Unsicherheiten geprägt sind, bleiben wir ein verlässlicher Partner.
Interview: Johannes Göbel (30. September 2025)