Exzellenz in KI

Ein junger Mann mit Tablet steht in einem Serverraum

Drei DAAD-unterstützte Graduiertenschulen fördern an zahlreichen deutschen Standorten junge KI-Talente aus der ganzen Welt. Die Konrad Zuse Schools of Excellence in Artificial Intelligence tragen damit zum Aufbau leistungsfähiger KI-Forschungscluster in Deutschland bei.

Nach seinem Medizinstudium an der Universität Maastricht entschied sich der Südafrikaner Gregory Veldhuizen für ein Tätigkeitsfeld, in das seine Branche gerade höchste Erwartungen setzt: Künstliche Intelligenz. KI soll in Zukunft dabei helfen, intelligente Medizingeräte zu designen, personalisierte Medikamente zu entwickeln oder die Krebsdiagnostik zu verbessern. Um sich tiefer in die Thematik einzuarbeiten und gleichzeitig Kontakte zu forschenden Unternehmen knüpfen zu können, besucht der 28-Jährige gerade eine Graduiertenschule an der TU Dresden, die sich auf medizinische KI-Anwendungen spezialisiert hat.

Das Studienprogramm mit dem Namen SECAI (School of Excellence in Embedded Composite Artificial Intelligence) gehört zum Förderprogramm Konrad Zuse Schools of Excellence in Artificial Intelligence des DAAD und ist exakt auf die Bedürfnisse junger, internationaler KI-Talente wie Veldhuizen zugeschnitten. „Wir wissen aus Erfahrung, dass insbesondere internationale Studierende ein großes Interesse daran haben, in die Forschung von Unternehmen zu gehen“, sagt Prof. Dr. Markus Krötzsch, Gruppenleiter des International Center for Computational Logic an der Fakultät Informatik der TU Dresden und Direktor von SECAI. Die Weichen werden idealerweise bereits während des Studiums gestellt, beispielsweise mit einer Masterarbeit im Unternehmen. Die Suche nach einem Platz, der sich mit dem Studienziel verbinden lasse, gestalte sich für die Studierenden jedoch häufig schwierig, beobachtet Krötzsch. Von außen sei oft schwer zu überblicken, wer auf welchen Gebieten arbeite und als Ansprechpartner oder Ansprechpartnerin infrage komme.

Eine junge Studentin mit VR-Brille macht eine greifende Bewegung mit ihren Händen, daneben ein Betreuer, im Hintergrund Teile eines modernen Operationstisches

Karrierechancen in Deutschland

Die Zuse School SECAI setzt daher auf langjährige Kooperationspartner. „Viele Entwicklungsabteilungen, mit denen wir am International Center for Computational Logic an der Fakultät Informatik zusammenarbeiten, realisieren sehr spannende KI-Projekte und wissen, welche Rahmenbedingungen Hochschulen brauchen. Mit SECAI haben wir die Möglichkeit, diese Partner einzubinden und den Austausch reibungsloser zu gestalten“, berichtet Krötzsch. Das kommt auch beim SECAI-Geförderten Gregory Veldhuizen gut an: „Der Ansatz, wissenschaftliche Inhalte direkt mit industriellen Anwendungen zu verbinden, bietet Doktoranden viel Gelegenheit, praktische Fähigkeiten zu entwickeln und Erfahrungen zu machen, die in der KI-Branche sehr gefragt sind.“

Für SECAI und den DAAD ist das ein Erfolg. Denn nicht nur im Hinblick auf Einsatz und Erprobung innovativer KI-Technologien in der Wirtschaft leisten die Zuse Schools einen wichtigen Beitrag. Auch im Wettbewerb um die weltweit besten KI-Studierenden und Promovenden schaffen sie gute Rahmenbedingungen im Studium wie in der Forschung und bieten attraktive Karrierechancen. Die Aufgabe der Zuse Schools ist es, KI-Fachkräfte in Deutschland auszubilden und langfristig für die Wissenschaft und Wirtschaft zu gewinnen“, sagt Birgit Siebe-Herbig, Referatsleiterin für Forschung, Internationalisierung und Hochschulnetzwerke im DAAD. Das Programm unterstütze die Strategie der Bundesregierung, Deutschland für KI-Talente aus der ganzen Welt als Forschungs- und Arbeitsdestination in den Fokus zu rücken.  

Partner in Wissenschaft und Wirtschaft

Neben SECAI mit seinem Schwerpunkt auf medizinische Anwendungen von KI können sich Studierende aktuell noch an zwei weiteren Zuse Schools für eine Förderung auf Master- oder Promotionsebene bewerben. Die Graduiertenschule ELIZA (TU Darmstadt) fokussiert sich dabei auf das Thema Machine Learning, während die Zuse School relAI (TU und LMU München) sich mit der Frage beschäftigt, wie KI-Systeme sicher für den Menschen designt werden können. „Die zahlreichen Standorte in Deutschland sind hochattraktiv und haben das Potenzial, Top-Studierende aus aller Welt nach Deutschland zu holen und sie auch hier zu halten“, so Siebe-Herbig. „Alle drei Zuse Schools verbinden Exzellenz auf dem Gebiet der KI mit engen Kontakten zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen in der Region, die von Anfang an in die Ausbildung einbezogen werden.“

Ein lächelnder mittelalter Mann in blauem Pulli im lichtdurchfluteten Flur eine Universität

Die Bindung hochqualifizierter KI-Talente ist auch aus Sicht von Prof. Stefan Roth, Ph.D., dem Direktor von ELIZA, ein wichtiger Aspekt bei der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft. „Wir sehen, dass viele Top-Leute aus unseren Laboren direkt zu den großen Internetfirmen gehen.“ Einen Grund dafür erkennt er in einer vergleichsweise wenig aufgeschlossenen Unternehmenskultur in Deutschland. „In anderen Ländern, auch im Silicon Valley, verläuft die Zusammenarbeit mit der Industrie auf dem Level der Forschung. Es werden gemeinsame Veröffentlichungen geschrieben, es findet eine direkte Befruchtung der industriellen Forschung durch die Hochschulen statt.“ Die universitäre Forschung wiederum werde angeregt durch Fragestellungen aus dem industriellen Bereich: „Und zwar auf der Ebene anwendungsorientierter Grundlagenforschung.“ In Deutschland drifte die Forschung in Entwicklungsabteilungen dagegen sehr schnell in Richtung Produktentwicklung ab – ein Trend, der den Ambitionen und dem Selbstverständnis von Top-Fachkräften in der KI nicht entspreche. „Sie wollen mehr sein als reine Softwareentwicklerinnen und -entwickler, und auch im Job weiter an wissenschaftlichen Papieren schreiben.“ Darauf müsse sich die Wirtschaft in Deutschland stärker einstellen.

Enger Austausch mit forschenden Unternehmen

Der enge Austausch zwischen Zuse Schools und forschungsorientierten Unternehmen könnte dazu beitragen, die Beziehungen zwischen den universitären wie außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen im Bereich der KI durchlässiger zu gestalten. „Die Industrie kennt die realen Probleme, deshalb ist eine Zusammenarbeit besonders fruchtbar“, sagt Prof. Dr. Stephan Günnemann, Direktor der Konrad Zuse School of Excellence in Reliable AI (relAI) an der Technischen Universität München.

Der SECAI-Geförderte Gregory Veldhuizen kann sich jedenfalls gut vorstellen, nach dem Abschluss in Deutschland zu bleiben. „Deutschlands Engagement für Innovation und Forschung, auch die Liebe zum Detail in der Technologiebranche, machen es zu einem hochattraktiven Ort zum Arbeiten.“

Gunda Achterhold (25. April 2023)

 

Verwandte Themen