Polen: Bildung und Wissenschaft

Die Universität von Warschau.

Die Mehrheit der polnischen Studierenden ist an staatlichen Einrichtungen eingeschrieben. Hier sind die 19 staatlichen Volluniversitäten zu nennen (2016/17: circa 30 Prozent aller Studierenden), 23 Technische Hochschulen (2016/2017: 21,1 Prozent) sowie 58 Wirtschaftshochschulen (2016/2017: circa 12,9 Prozent). Forschung wird in Polen vor allem an den staatlichen Hochschulen, an wenigen privaten Hochschulen, an den Forschungseinrichtungen der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) sowie an selbstständigen Forschungseinrichtungen (staatliche Ressortinstitute) betrieben. Die Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) finanziert etwa 70 eigene Forschungsinstitute im Inland und darüber hinaus sieben im Ausland. Zudem gibt es ein Netzwerk von über hundert technischen selbstständigen Forschungseinrichtungen.

Die staatlichen Hochschulen werden in der Regel vom Ministerium für Wissenschaft und Hochschulen zentral finanziert; bestimmte fachlich gebundene Hochschulen (zum Beispiel die Medizinischen Universitäten) erhalten ihre Mittel vom jeweiligen Fachministerium; die Akademie der Wissenschaften und deren Institute haben einen eigenen Budgetansatz im Staatshaushalt.

2017 sind die Ausgaben für Wissenschaft (2,0 Milliarden (Mrd)). Euro) und Hochschulen (3,8 Mrd. Euro) gegenüber dem Vorjahr um jeweils 5,5 Prozent gestiegen. Für 2018 wird eine ähnliche Steigerung für beide Bereiche erwartet (entsprechend 2,2 Mrd. Euro und 3,9 Mrd. Euro). Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigen zwar ebenfalls kontinuierlich an, liegen aber mit einem Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) (2015) weit unter dem Europa (EU)-Richtwert von drei Prozent.

Trotz massiver Europäische Union (EU)-Strukturhilfen – zwischen 2013 bis 2020 erhält Polen 72,9 Mrd. Euro aus Kohäsionsmitteln der Europäische Union (EU) – hat Polen im Bereich der Innovationsfähigkeit einen großen Nachholbedarf. Ein wichtiger Negativfaktor ist dabei das noch immer vergleichsweise schwache Engagement der Wirtschaft in der Forschung (2015: 39 Prozent der Ausgaben; Deutschland: 65,8 Prozent). Potenzial liegt in dem hohen Ausbildungsstand der jungen Generation: 43,2 Prozent der 30 bis 34-jährigen haben einen Hochschulabschluss (der Europa (EU)-Durchschnitt liegt bei 38,5 Prozent).

Das größte Problem für die polnischen Hochschulen ist der demografisch bedingte Rückgang der Studierendenzahlen. Seit 2005 ist die Zahl der Studienanfänger stark rückläufig.

Im ademischen Jahr 2016/2017 waren 1.348.822 Studierende eingeschrieben. Dies waren fast vier Prozent weniger als im Vorjahr. Die Immatrikulationsquote der Abiturienten ist relativ hoch und liegt den jüngsten vorliegenden Zahlen (2016) zufolge bei 66,56 Prozent (Deutschland 2015 66,28 Prozent). Während die Zahlen der Eingeschriebenen im Bachelor (BA)- und Master (MA)-Bereich rückläufig sind, ist die Zahl der Doktoranden relativ stabil und lag 2016/2017 bei rund 43.000.

Das Hochschulsystem reagiert auf die rückläufigen Studierendenzahlen: Während die staatlichen Hochschulen Studiengänge streichen, Immatrikulationsfristen flexibilisieren oder Personal einsparen, müssen viele private Anbieter ihre Einrichtungen ganz schließen. Das Marketing zur Akquirierung ausländischer Studierender vor allem aus dem nichteuropäischen Ausland wurde verstärkt, professionalisiert und zeigt deutliche Erfolge.
Das Vollzeitstudium an öffentlichen Hochschulen ist für Europäische (EU)-Bürger kostenfrei. Das Studium an privaten Institutionen ist dagegen für alle Immatrikulierten kostenpflichtig: die Gebühren liegen zwischen 2.000 und 12.000 Euro pro Jahr. Ausländische Studierende von außerhalb der Europäische Union EU müssen auch an den staatlichen Hochschulen Studiengebühren in Höhe von 2.000 bis 3.000 Euro pro Jahr aufbringen. Für das Abend- und Fernstudium – eine in Polen sehr beliebte Form der tertiären Bildung – erheben auch die öffentlichen Einrichtungen Studiengebühren (zum Beispiel zwischen 1.000 und 3.500 Euro an der Universität Warschau). An vielen Hochschulen gibt es darüber hinaus kostenpflichtige englischsprachige Studiengänge, die pro Studienjahr bis zu 10.000 Euro kosten können (zum Beispiel an den Medizinischen Universitäten).

Für den Hochschulzugang ist in Polen die allgemeine Hochschulreife erforderlich, die mit dem Bestehen des Abiturs (polnisch „matura“) nachgewiesen ist. Die Zulassung zum grundständigen Studium erfolgt in Abhängigkeit von der Abiturnote; an bestimmten fachlich spezialisierten Hochschulen (zum Beispiel Kunst- und Musikhochschulen) gibt es Aufnahmeprüfungen. Entsprechend den Vorgaben des Bologna-Systems werden drei Studienzyklen unterschieden. Der erste Zyklus dauert 3 bis 3,5 Jahre und endet mit dem Bachelor-Abschluss (polnisch „licencjat“ oder, an Technischen Hochschulen, polnisch „inżynier“), der zweite Zyklus dauert 1,5 bis 2,5 Jahre und endet mit dem Master-Abschluss (polnisch „magister“). Ausnahmen sind die Rechtswissenschaften und die Medizin. Das Medizinstudium ist auf sechs Jahre angelegt und wird mit dem Grad ‚Arzt‘ (polnisch „lekarz“) abgeschlossen. Im Postgraduiertenbereich können die akademischen Titel Dr. (polnisch „doktor“) und Dr. habil. (polnisch „doktor habilitowany“) vergeben werden. Das akademische Jahr wird in zwei Semester unterteilt. Das Wintersemester beginnt zum 1. Oktober und endet Ende Januar/Anfang Februar, das Sommersemester beginnt Mitte Februar und endet im Juni. In der Prüfungszeit (polnisch „sesja“) Ende Januar/Anfang Februar sowie im Juni finden keine Vorlesungen statt.

Verfasserin: Dr. Klaudia Knabel, Außenstelle Warschau

Der DAAD ist in Polen durch eine Außenstelle in Warschau mit zurzeit sechs Mitarbeitern vertreten. Dazu gehören 18 Lektorate in Bromberg, Danzig, Kattowitz, Krakau, Łódź, Lublin, Allenstein, Posen, Thorn, Stettin, Warschau, Breslau und Grünberg.