Kolumbien: Bildung und Wissenschaft

Studierende am Rednerpult ihrer Dozentin.

Die wichtigsten regionalen Informationen zum Bildungssystem und umfassende Daten zu Hochschulen, Studium, Forschung, Lehre, Internationalisierung und Bildungskooperationen haben wir in der folgenden Übersicht für Sie zusammengefasst.

Inhalt

Rahmenbedingungen

Mit dem Wahlsieg von Präsident Gustavo Petro 2022 verbanden sich hohe Erwartungen an umfassende soziale Reformen jenseits der traditionellen politischen Eliten. Im Jahr 2025 zeigt sich jedoch, dass nur wenige der ambitionierten Vorhaben umgesetzt wurden. Fehlende parlamentarische Mehrheiten, häufige Kabinettswechsel und finanzielle Engpässe erschwerten die Reformagenda erheblich. Da im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Mai 2026 der Wahlkampf die politische Agenda bestimmt und eine Wiederwahl Gustavo Petros ausgeschlossen ist, sind grundlegende Fortschritte kaum mehr zu erwarten.

Außenpolitisch hat Kolumbien seine Beziehungen zu Venezuela wieder aufgenommen und öffnet sich stärker regionalen, europäischen und zunehmend auch chinesischen Partnern. Die Einstellung zentraler USAID-Programme und das Einfrieren derFulbright-Ausschreibungen haben erhebliche Auswirkungen auf Entwicklungs , Forschungs  und Hochschulprojekte. Der Blick richtet sich daher verstärkt auf Deutschland und Europa als wichtige Partner für Wissenschaftskooperation und Förderung.

Der Hochschulsektor verzeichnete 2023 mit rund 2,5 Millionen Studierenden einen neuen Höchststand, wobei virtuelle Studienangebote stark zugenommen haben. Öffentliche Hochschulen tragen weiterhin den Großteil der akademischen Ausbildung, allerdings sind ihre finanziellen Gestaltungsspielräume beschränkt. Zwar bekannte sich die Regierung zum Ziel eines kostenfreien Hochschulzugangs, setzt jedoch stärker auf Neugründungen als auf die Stärkung bestehender Universitäten. Die Internationalisierung bleibt ein strategisches Ziel, mit Schwerpunkten auf sozialer Verantwortung, Nachhaltigkeit, Science Diplomacy und verstärkter Süd-Süd-Kooperation.

Mit dem OECD-Beitritt 2022 baut Kolumbien seine Reformen auf einer soliden Grundlage auf, gibt aber weiterhin weniger für Bildung aus als andere OECD-Länder und belegt im internationalen Vergleich einen der letzten Plätze. Für einen gerechten Zugang zu hochwertiger Bildung sind daher umfassende Investitionen in Stipendien, Studienkredite und die Finanzierung öffentlicher Hochschulen dringend erforderlich.

Hochschul- und Wissenschaftssystem

Das moderne Hochschulsystem Kolumbiens wurde im 19. Jahrhundert mit der Einrichtung der Universidad Nacional de Colombia nach dem Humboldtschen Bildungsideal begründet. Heute gibt es rund 300 tertiäre Bildungseinrichtungen, darunter 34 öffentliche und 57 private Universitäten, die sich überwiegend am angelsächsischen Modell orientieren, sowie 137 anwendungsorientierte Hochschulen (Institutos Universitarios/Escuelas Tecnológicas) und 74 technische Institute (Institutos Técnicos/Tecnológicos) für die Berufsbildung.

Kolumbien unterscheidet vier Typen tertiärer Bildungseinrichtungen:

  • Institución Técnica Profesional und Institución Tecnológica: Berufsbildungseinrichtungen, die die Titel Técnico (nach ca. 2 Jahren) bzw. Tecnológico (nach ca. 3 Jahren) vergeben. Diese Abschlüsse gelten als Berufsausbildung und werden in Deutschland nicht als akademische Titel anerkannt.
  • Institución Universitaria: Bietet grundständige akademische Titel (vergleichbar mit dem Bachelor) und vereinzelt Masterabschlüsse an. Das grundständige Studium dauert meist mindestens 5 Jahre, der Master etwa 2 Jahre.
  • Universidad: Bietet neben Bachelor- und Masterprogrammen auch Promotionsprogramme an. Forschung wird hauptsächlich an Universitäten betrieben.

Internationalisierung und Bildungskooperationen

Kolumbien hat in den letzten Jahren gezielt daran gearbeitet, seine politische Isolation zu überwinden und die internationale Zusammenarbeit im Hochschul- und Wissenschaftsbereich zu stärken. Ein zentrales Element ist die Professionalisierung der akademischen Auslandsämter an allen wichtigen Universitäten, die internationale Kooperationen fördern und den Austausch erleichtern. Die Internationalisierung wurde zudem als wichtiger Qualitätsfaktor in das nationale Akkreditierungsverfahren für Hochschulen integriert.

Der wachsende Bedarf an Weiterqualifikation im Ausland hat zu einem intensiven internationalen Wettbewerb um kolumbianische Graduierte, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler geführt. Deutschland zählt neben den USA, Kanada, Frankreich und Spanien zu den wichtigsten Partnerländern Kolumbiens.

Im Wintersemester 2023/2024 waren 3.576 kolumbianische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben, womit Deutschland auf Platz 5 der beliebtesten Zielländer liegt. Umgekehrt ist der Anteil internationaler Studierender in Kolumbien noch gering (ca. 0,20 % im Jahr 2021). Die meisten ausländischen Studierenden kommen aus Venezuela, Ecuador, Mexiko und Peru; Deutschland belegt hier Rang 11. Im Jahr 2022 waren etwa 350 deutsche Studierende an kolumbianischen Hochschulen immatrikuliert.

Seit 2012 finden zwischen Deutschland und Kolumbien regelmäßig Verhandlungen über die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation statt.

Zusätzlich unterstützt das DAAD-Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) deutsche Hochschulen bei der Anbahnung, Durchführung und Intensivierung ihrer internationalen Aktivitäten:

DAAD KIWi
Das Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) unterstützt deutsche Hochschulen bei der Anbahnung und Durchführung ihrer internationalen Aktivitäten. Mit individueller Beratung, vernetzter Expertise und Impulsen für den außenwissenschaftspolitischen Diskurs.

Finden Sie im Folgenden eine Auswahl unserer Förderprogramme:

Kombinierte Studien- und Praxisaufenthalte für Ingenieure aus Entwicklungsländern (KOSPIE)
Mit speziellen Stipendienprogrammen unterstützt der DAAD den akademischen Nachwuchs in fortgeschrittenen Entwicklungsländern Lateinamerikas, Südasiens und Nordafrikas. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Ingenieur- und Naturwissenschaften.
Länderbezogenes Kooperationsprogramm mit Kolumbien (COLFUTURO - Fundación para el Futuro de Colombia)
Kolumbianische Graduierte erhalten Stipendien, um in Deutschland ein Master- oder Promotionsstudium zu absolvieren.
Globale Zentren für Klima und Umwelt
Globale Herausforderungen verlangen gemeinsame Lösungen – deshalb stärkt der DAAD mit seinen „Globalen Zentren“ internationale Forschung zu Klima, Umwelt und Gesundheit.
SDG-Partnerschaften
Das Förderprogramm unterstützt Hochschulpartnerschaften in Sustainable Development Goals-Bereichen zum Aufbau leistungsfähiger, weltoffener Hochschulen.
Exzellenzzentren in Forschung und Lehre
Der DAAD fördert aus Mitteln des Auswärtigen Amtes aktuell ein Exzellenzzentrum in Forschung und Lehre, das Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut CAPAZ in Kolumbien.

Publikationen zum Thema Bildung und Wissenschaft finden Sie hier:

Berichte der DAAD-Außenstellen
Die Berichte der Außenstellen vermitteln ein komplexes Bild der Hochschullandschaft sowie der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage in den jeweiligen Sitzländern und Regionen.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu Bildung und Wissenschaft in Kolumbien: