Senegal: Bildung und Wissenschaft

Ein Denkmal von einem Mann.

Das Regelschulwesen orientiert sich am französischen System. Zunächst besuchen Kinder sechs Jahre lang die Grundschule. Darauf folgt ein zweigleisiges weiterführendes Schulsystem, welches zwischen dem „akademischen“ und dem „technisch-fachlichen“ Zweig unterscheidet. Ersterer wird im „premier cycle“ über vier Jahre (Klassen „sixième“ bis „troisième“) an sogenannten „collèges d’enseignement moyens“ (CEM) angeboten, plus optional weiteren drei Jahren an der „lycée“ im „second cycle“ (Stufen „seconde“ bis „terminale“) bis zum Erhalt des Abiturs. Der alternative, „technisch-fachliche“ Zweig wird an Berufsfachschulen gelehrt und erstreckt sich in der Regel über drei bis vier Jahre.
Die Unterrichtssprache ist Französisch, eine Sprache, die vom Großteil der Kinder nicht beherrscht wird, was naturgemäß große Verzögerungen und Verluste im Lernprozess bedeutet. Neben den französischsprachigen Regelschulen spielen auch Koranschulen, in denen eine Koranunterweisung und Arabisch-Alphabetisierung erfolgt, eine wichtige Rolle.
Gerade einmal 10 Prozent der SenegalesInnen begannen 2015 eine postsekundäre Ausbildung.

In den Hochschulen werden durch die Einführung der LMD-Reform seit 2011 drei Abschlüsse verliehen: Der Grad der „licence“ wird in der Regel nach 6 Semestern, der des „master“ nach weiteren 4 Semestern und der des „doctorat“ nach zusätzlichen 6 Semestern erreicht. Fächer wie Medizin (sechs Jahre), Pharmazie und Dentalchirurgie (beides fünf Jahre) sowie die speziell geregelte Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern stellen Ausnahmen dar. Das akademische Jahr ist in zwei Semester unterteilt, die sich von Oktober bis Ende Februar sowie von März bis Ende Juli erstrecken.
Zusätzlich zum „formellen“ Bildungssystem gibt es in Senegal außerdem auch ein weit verbreitetes und bedeutendes „informelles“ System. Darunter fallen diverse Maßnahmen in den Bereichen Alphabetisierung, Kommunalschulen, fachliche Fortbildungen für Landwirte, etc.

Mit der Université Cheikh Anta Diop de Dakar (UCAD) wurde 1957 die erste moderne Hochschule des Senegal gegründet. Die UCAD erarbeitete sich innerhalb weniger Jahre einen Ruf als exzellente Vorzeigeinstitution Westafrikas und verfügte zudem mehr als drei Jahrzehnte über ein de facto-Monopol im Bereich Hochschulbildung im Senegal. Dies änderte sich erst 1990 im Rahmen der vielseitigen demokratischen Reformen in der Region, als mit der Université Gaston Berger (UGB) in Saint-Louis eine zweite Hochschule hinzukam.

Um das generelle Angebot auszuweiten und den Hochschulzugang auch in anderen Landesteilen zu fördern, wurden 2007 drei weitere Hochschulen eröffnet: die Université de Ziguinchor (UDZ), die Université de Thiès (UT) und das Collège Universitaire Régional de Bambey, welches im August 2011 in Université Alioune Diop de Bambey (UADB) umbenannt wurde. Die Etablierung dieser drei sogenannten „Regionaluniversitäten“ ist zwar nach wie vor mit diversen Problemen behaftet, hat aber klar zur Stärkung von Angebot und Wettbewerb beigetragen. Zudem sind über die Jahre eine Reihe weiterer tertiärer Bildungseinrichtungen entstanden, die meisten davon mit fachspezifischem Fokus. Dazu gehören unter anderem das Institut Supérieur d’Enseignement Professionnel (ISEP) und die Ecole Nationale Supérieure d’Agriculture (ENSA) in Thiès, die Ecole Nationale des Cadres Ruraux (ENCR) in Bambey und die Ecole Nationale d’Economie Appliquée (ENEA) in Dakar. Ähnlich wie zahlreiche andere Staaten der Region zählt Senegal außerdem eine stetig wachsende Anzahl privater Hochschulen, die in den letzten Jahren [vor allem] in Dakar aus dem Boden schossen. Zusätzlich ist geplant, in 2018 eine weitere staatliche Hochschule in Dakar zu eröffnen.

Trotz der unverkennbaren Diversifizierung wird die senegalesische Hochschullandschaft nach wie vor von der UCAD und – in geringerem Maße – der UGB dominiert. So entfielen zuletzt rund 90 Prozent aller Einschreibungen an staatlichen Hochschulen allein auf diese beiden Universitäten. Die letzten verfügbaren offiziellen Angaben beziffern die Zahl der Studierenden an öffentlichen Hochschulen auf knapp über 100.000, davon allein 75.000 an der UCAD. Zudem genießen UCAD und UGB auch international einen guten Ruf, sodass Dakar und Saint-Louis auch in anderen – primär frankophonen – Staaten Westafrikas und der Maghreb-Region als attraktive Anlaufpunkte gelten. Die drei Regionaluniversitäten hingegen müssen nach wie vor stark um ihre vollwertige Akzeptanz und um entsprechende Ressourcenzuwendungen kämpfen.

Neben den anhaltenden Diversifizierungsbemühungen sieht sich der Sektor, für den das Ministère de l'Enseignement Supérieur, des Universités, des Centres Universitaires Régionaux et de la Recherche Scientifique die politische Verantwortung innehat, mit diversen strukturellen Problemen konfrontiert:

Unklare Reformen und mangelnde Kontinuität

Der Senegal hat sich bereits 2000 klar zur Einführung des LMD-Systems (licence-master-doctorat) nach Vorbild des Bologna-Prozesses bekannt, die Umsetzung blieb allerdings lange von einer schwachen Informationspolitik, mangelnder Transparenz und stark variierenden Standards überschattet. Darunter haben sowohl die Kontinuität als auch das Vertrauen in das System gelitten, Missstände von denen sich das HS-System nur langsam erholt.
Die aktuelle Entwicklungsstrategie National Strategy for Economic and Social Development NSESD 2013-20175 sowie das bildungspolitische Programme d’Amélioration de la Qualité, de l’Equité et de la Transparence (PAQUET) - Secteur Education Formation 2013-20256 erkennen die aktuelle Situation an und machen anspruchsvolle Maßnahmenvorschläge. Inwieweit diese Ziele in die Praxis umgesetzt werden können, bleibt allerdings abzuwarten.

Überfüllung & finanzieller Notstand

Durch einen massiven Ausbau des primären und sekundären Bildungssektors sind auch die Studierendenzahlen massiv gewachsen, so dass 2012 erstmals die 100.000er-Marke überschritten wurde und diese 2016 bei über 150.00 lagen. In der UCAD wurden teilweise bis zu 9.000 Erstsemester in Vorlesungen registriert. Die öffentlichen Mittel reichen hingegen bei weitem nicht aus, um den finanziellen Mehrbedarf zu decken. Eklatanter Studienplatzmangel sowie verspätete Auszahlung von Regierungsstipendien haben in den vergangenen Jahren immer wieder zu Streiks und damit an verschiedenen Hochschulen zu teils mehrwöchigen Unterrichtsausfällen geführt.

Soziale Divergenzen

Großen Teilen der Bevölkerung fehlt es an Grundbildung. Die Rate der Analphabeten liegt vielerorts bei über 50 Prozent. Andererseits wird der Hochschulsektor zunehmend gefördert, sodass die Bildungspolitik von vielen als „elitär“ empfunden wird. Auch die Verteilung zwischen weiblichen und männlichen Studierender ist zum Nachteil der weiblichen Studierenden höchst unausgewogen.
Trotz dieser Probleme gibt es auch positive Entwicklungen zu verzeichnen. So gingen bspw. Ende 2013 zwei der insgesamt 19 Förderungen im Rahmen des „Africa Centers of Excellence“ (ACE) Projektes der Weltbank an senegalesische Hochschulen. Entsprechend wird aktuell jeweils ein solches, mit rund EUR 5.8 Millionen gefördertes „Exzellenzzentrum“ an der Université Cheikh Anta Diop in Dakar (ACE for Maternal and Infant Health) sowie an der Université Gaston Berger (ACE for Mathematics, Informatics, and ICT) entstehen.

Senegal ist zudem eines von nur drei westafrikanischen Ländern, das mehr als 1 Prozent seines BIP für Hochschulbildung aufbringt und in seiner nationalen Entwicklungs- und Bildungspolitik einen Schwerpunkt auf den tertiären Sektor legt. So wurde 2013 ein Reformplan verabschiedet (Priority Programme Reform and the Development Plan for Higher Education and Research, 2013–2017 (PDESR)), der, hinterlegt mit einem Budget von 600 Mio. USD über die fünf Jahre, u.a. vorsieht, moderne Labore einzurichten, Hochschulbildung im Land zu dezentralisieren, eine virtuelle Universität aufzubauen, Forschung zu stärken und das Hochschulmanagement effektiver zu gestalten. Ein in 2015 neu eingerichteter National Council of Higher Education, Research, Innovation, Science and Technology soll das Ministerium bei der Umsetzung dieser und zukünftiger Reformen beraten, im Ministerium ist eine eigene Abteilung für Forschung eingerichtet worden.

An den meisten Universitäten Senegals werden Studiengebühren erhoben. Zurzeit liegen sie an der UCAD bei jährlich ungefähr 25.000 CFA (ca. 38€) für die „licence“, 50.000 CFA (ca. 76 €) für den „master“ und 75.000 CFA (ca. 114€) für das „doctorat“ für senegalesische Staatsbürger. Ausländische Studierende müssen für die meisten Studiengänge angefangen mit dem ersten Studienjahr bei ca. 150.000 CFA (knapp 230€) erheblich mehr zahlen. Die Studiengebühren liegen deutlich unter den Vergleichswerten in anderen Ländern der Region.
Dies hat einen positiven Effekt auf den Hochschul-Zugang, wird aber auch weithin als eine der Quellen für die eklatante Unterfinanzierung des Sektors gesehen. Bei rund 60.000 Studierenden konnte die UCAD 2008 beispielsweise nur rund 500.000€ an Studiengebühren verzeichnen, ein minimaler Beitrag zum Gesamtbudget. Private Einrichtungen und „postgraduate“-Studiengänge sind oft deutlich teurer.

Verfasser: DAAD Bonn in Zusammenarbeit mit Helke Kuhn, DAAD-Lektorin an der Université Cheik Anta Diop, Dakar

Der DAAD ist im Senegal mit einem Lektorat an der Université Cheik Anta Diop (UCAD) sowie durch eine Sprachassistenz am Centre africain d'études supérieures en gestion (CESAG) vertreten.