Kenia: Bildung und Wissenschaft

Studierende am Rednerpult ihrer Dozentin.

Inhalt

DAAD-Regionalinformationen
Hochschulzugang
Studiengebühren
Akteure des kenianischen Hochschul- und Wissenschaftssystems
Ostafrikanischer Hochschulraum
Herausforderungen der kenianischen Hochschulen 
Kooperationen mit deutschen Hochschulen 
Individuelle Beratung zu Wissenschaftskooperationen mit Kenia
Für weitere Informationen

Laut einer aktuellen Schätzung der Vereinten Nationen (World Population Prospects, 2019) hat Kenia derzeit 53 Millionen Einwohner. Drei Viertel der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre. Die Primarschulen sind seit 2003 gebührenfrei, die staatlichen Sekundarschulen seit 2018. Immer mehr junge Menschen erhalten damit potentiell Zugang zu einem Universitätsstudium. Die Bildungs- und Hochschullandschaft in Kenia befand sich dementsprechend über viele Jahre in einer rasanten Wachstumsphase. So gibt es heute 31 öffentliche Hochschulen (gegenüber fünf im Jahr 2005) und sechs University Colleges sowie 36 private Universitäten (davon 13 mit einer vorläufigen Lizenz).

Hochschulzugang

Für den Hochschulzugang muss das Kenyan Certificate of Secondary Education (KCSE) am Ende der Sekundarschulzeit erfolgreich mit einer Mindestdurchschnittsnote von C+ (entspricht einer 3+ im deutschen System) abgelegt werden. Für die Zulassung zu einer zweijährigen post-sekundären Fachschulausbildung mit dem Abschluss „Advanced Diploma“ ist die Mindestnote C erforderlich. Seit Anfang 2014 wird der Hochschulzugang der grundständigen Studiengänge durch die neue zentrale Vergabestelle Kenya Universities and Colleges Central Placement Service (KUCCPS) geregelt. Über viele Jahre konnte die Vergabestelle nur ca. 50 Prozent der Sekundarschulabsolventen, die sich theoretisch für den Hochschulzugang qualifiziert hatten, einen staatlich subventionierten Studienplatz zuweisen.

Studiengebühren

Die Studiengebühren für die schnell schrumpfende Zahl der „Modul II“-Studierenden (Selbstzahler) an den staatlichen Universitäten betragen ca. 2.200 Euro pro Jahr für einen Bachelorstudiengang, für einen Master liegen die Gebühren häufig noch höher. An den privaten Hochschulen kostet ein Studienjahr zwischen 1.700 Euro bis 7.000 Euro. Studierende aus den Ländern der East African Community (EAC - Burundi, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda) zahlen die gleichen Studiengebühren. Sonstige ausländische Studierende zahlen an den öffentlichen Hochschulen ungefähr 20-30 Prozent mehr. Einem Weltbank-Bericht zufolge gehören die kenianischen Hochschulen zu den teuersten in der Region.

Akteure des kenianischen Hochschul- und Wissenschaftssystems

Die zentralen Akteure des kenianischen Hochschul- und Wissenschaftssystems sind neben den Hochschulen die Commission for University Education (CUE) und die National Commission for Science, Technology and Innovation (NACOSTI). CUE ist eine dem Ministry of Education, Science and Technology zugeordnete Einrichtung zur Qualitätssicherung. Sie setzt und überwacht Mindeststandards in Lehre und Forschung und akkreditiert Hochschulen. NACOSTI ist die staatliche Forschungsagentur und finanziert zudem Auslandsstipendien für kenianische Studierende (u. a. ein gemeinsames Stipendienprogramm mit dem DAAD). Ihr untersteht auch der im Frühjahr 2015 ins Leben gerufene National Research Fund (NRF), der in einem wettbewerbsorientierten Verfahren Forschungsmittel vergibt. NRF hat ein Budget von knapp 4,5 Millionen Euro, welches an spezifische Forschungsvorhaben von Institutionen sowie an PhD- oder Master-Studierende verteilt wird.

Ostafrikanischer Hochschulraum

Die Staaten der East African Community streben die Bildung eines gemeinsamen ostafrikanischen Hochschulraums („common higher education area”) an. Kenia, Uganda und Ruanda hatten sich bereits 2014 darauf geeinigt, dass Studierende aus einem dieser Länder in den jeweils anderen Ländern dieselben Studiengebühren zahlen wie Einheimische. Mittelfristig soll ein funktionierendes Studien-„credit“-System eingeführt werden, das Studierenden erlaubt, Leistungsnachweise aus einem Land in den beiden anderen Ländern anerkennen zu lassen. Auch sollen Abschlüsse der verschiedenen Länder in Profil, Art und Studiendauer aneinander angeglichen werden (s. auch DIES-Aktivitäten unter III.B).

Die ostafrikanischen Staaten Kenia, Ruanda, Uganda, Tansania und Burundi hatten dann am 20. Mai 2017 bekannt gegeben, dass formal der gemeinsame Hochschulrahmen eingerichtet sei. Die Umsetzung geht nun schrittweise voran. Die Kooperation des Inter-University Council for East Africa (IUCEA) mit dem DAAD und der deutschen Hochschulrektorenkonferenz zur Weiterentwicklung des regionalen Qualitätssicherungssystems unterstützt diese Bemühungen an entscheidender Stelle.

Herausforderungen der kenianischen Hochschulen

Zu den größten Herausforderungen der kenianischen Hochschulen, und damit auch zu den Arbeitsschwerpunkten des DAAD in Kenia, gehören:

  • Die Entwicklung und Sicherung der Qualität universitärer Lehre: Hier spielt die Commission for University Education eine Schlüsselrolle. Sie ist „Reformmotor“ und Qualitätssicherungsagentur zugleich und hat 2014 Regularien festgelegt, die Qualitätskriterien für die Akkreditierung von Institutionen und Programmen rechtsverbindlich definieren. Zu diesen gehören die im Rahmen der IUCEA-DAAD-HRK-Kooperation erarbeiteten Standards und Verfahren der Qualitätssicherung, die für die gesamte Ostafrikanische Gemeinschaft Geltung gewonnen haben. Diese Regularien wurden 2019 überarbeitet, die Überarbeitung ist jedoch bisher noch nicht veröffentlicht. Im Zuge des immensen Wachstums des Universitätssektors geraten Kenias Hochschulen immer wieder in die Kritik, das Wachstum sei auf Kosten der Qualität der Hochschulbildung gegangen.
     
  • Die Steigerung von Relevanz, Praxisbezug und Arbeitsmarktorientierung des Studiums: Trotz wirtschaftlicher Erfolge ist Kenia von hoher Jugendarbeitslosigkeit und gleichzeitigem Fachkräftemangel geprägt. Die derzeitigen Reformen und die Politik der beruflichen Bildung in Kenia konzentrieren sich auf das Problem der Beschäftigungsfähigkeit und der besseren Verzahnung der Ausbildung am Bedarf des Arbeitsmarktes. Mit dem TVET Act 2013 hat die technische und berufliche Bildung (TVET) hohe Aufmersamkeit und besondere Förderung erfahren. Eine bessere öffentliche Finanzierung der Universitäten steht jedoch nicht im Fokus; durch den Rückgang der Selbstzahler entstehen vielmehr zusätzliche Engpässe. Darüber hinaus übt die Regierung Reformdruck auf die Hochschulen aus und will so erreichen, dass sie mehr natur- und ingenieurwissenschaftliche Angebote schaffen.
     
  • Stärkung der Forschung an Universitäten: Der bereits erwähnte National Research Fund (NRF) hat zum Ziel, für die universitäre Forschung, die sich bisher im Wesentlichen auf die Mittel internationaler Geber stützen musste, eine größere Nachhaltigkeit und verbesserte Planbarkeit zu erreichen. Erstklassige Forschung auf internationalem Niveau und mit internationaler Finanzierung findet in Kenia vor allem im Bereich Agrarwissenschaften statt. Der DAAD unterstützt die stärkere Qualitäts- und Forschungsorientierung durch die Förderung von bilateralen Exzellenzzentren und regionalen Forschungsnetzwerken.

Kooperationen mit deutschen Hochschulen

Deutsche Hochschulen sind in Kenia begehrte Partner - ein in seiner Dichte weltweit einzigartiges, gut organisiertes Netzwerk der DAAD-Alumni sorgt dafür, dass an allen wichtigen kenianischen Universitäten Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen mit Deutschlandbezug, nicht selten auch in Führungspositionen, vorhanden sind. Kenia bietet sich als Partnerland für deutsche Hochschulen an, die spezifische Forschungsinteressen in der Region verfolgen oder sich im Bereich der internationalen Zusammenarbeit (und darauf bezogener Lehre und Forschung) profilieren wollen. Ein großer Bedarf besteht an der Einführung anwendungsorientierter naturwissenschaftlich-technischer Studiengänge und die Zusammenarbeit von Hochschulen mit Partnern aus der Arbeitswelt. Hier bieten sich insbesondere für deutsche Fachhochschulen interessante Kooperationsmöglichkeiten. Das ist besonders interessant in einem Land, das sich als regionales Zentrum Ostafrikas durch große wirtschaftliche Dynamik und interessante Zukunftsperspektiven auszeichnet.

Verfasser: DAAD-Außenstelle Nairobi

Der DAAD ist in Kenia mit einer Außenstelle in Nairobi mit derzeit 10 Mitarbeiter/innen vertreten, zudem gibt es je ein Lektorat an der University of Nairobi und an der Kenyatta University.