Zukunft braucht Zusammenarbeit

Gruppe von neun fröhlichen Menschen mit Namensschildern hält Schilder mit den Worten „Zusammenarbeit“, „Lehramt. International“ und „Internationalisierung“.

Internationalisierung zukunftsorientiert ausrichten: Zu dieser Herausforderung tauschten sich Hochschulvertreterinnen und -vertreter auf der Fachtagung „Zukunft braucht Zusammenarbeit“ vom 24. bis zum 26. September 2025 in Berlin aus.

Internationalisierung braucht ein stabiles Netzwerk und Partnerschaften, um sich zukunftsfähig und nachhaltig zu entwickeln. Drei Tage lang hat sich der DAAD Zeit genommen, gemeinsam mit zahlreichen Vertreterinnen und -vertretern deutscher Hochschulen darüber zu diskutieren, wie die Zukunft der akademischen Mobilität gestaltet werden könnte. Die Teilnehmenden setzen Internationalisierungsprogramme des DAAD mit Hochschulen weltweit um.  

„Für uns ist und bleibt klar: Zukunft braucht Zusammenarbeit. Kein Land dieser Welt kann die großen Fragen allein lösen. Zukunftsfähigkeit erreichen wir durch internationale Kooperation“, betonte Dr. Michael Harms, stellvertretender Generalsekretär des DAAD im Rahmen der Fachtagung – und zwar trotz zunehmend isolationistischer Tendenzen. Dr. Lisette Andreae, Leiterin des Referats „Europäischer Hochschulraum, Internationalisierung“ im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, forderte Resilienz im Umgang mit der aktuellen Weltlage: „Es geht um Vertiefung und nicht um Weglaufen in herausfordernden Zeiten.“

Frau mit braunen Haaren spricht auf einer Bühne vor zwei Mikrofonen mit Sennheiser-Logo.

Internationalisierung als komplexes Querschnittsthema

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Inzwischen ist Internationalisierung eine komplexe Querschnittsaufgabe, die so gut wie alle Bereiche einer Hochschule betrifft. Professorin Svenja Bedenlier von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg forscht zur Digitalisierung im Kontext von Internationalisierungsprozessen an Hochschulen. Ihre Analyse von hochschulischen Strategiedokumenten zu den Themenbereichen Internationalisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, ergab: Diese strategischen Perspektiven werden zunehmend als miteinander verzahnt verstanden – als Grundvoraussetzung, um der eigenen gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden zu können. „Die drei Themen sind transversal und berühren alle Handlungsbereiche der Hochschule. Sie befördern einander und sind integriert zu betrachten. Die größeren Entwicklungsziele sind nicht singulär und aus einer disziplinären Perspektive heraus adressierbar“, so Bedenlier.

Um die Hochschulen mit Handlungsempfehlungen zu unterstützen, hat der DAAD einen wissenschaftlichen Ausschuss zu den „Zukunftsperspektiven akademischer Mobilität“ eingerichtet. Der Ausschuss, dem auch Professorin Bedenlier angehört, knüpft damit an die Programmarbeit des DAAD im Bereich der Hochschulinternationalisierung an. Zum Beispiel: Integrierte internationale Studiengänge mit Doppelabschluss und Internationale Studien- und Ausbildungspartnerschaften (ISAP). „Beide Programme zielen auf die curricular verankerte Mobilität von Studierenden und Lehrenden ab“, erklärt Dr. Katharina Fleckenstein, Bereichsleiterin Internationalisierungsprogramme für deutsche Hochschulen. „Und beide, das wissen wir inzwischen, sind wichtige Bausteine für die Internationalisierungsambitionen an Hochschulen.“ Hinzu kommt das Programm Lehramt.International, das die strukturierte Internationalisierung der Lehrkräftebildung unterstützt und Auslandsaufenthalte angehender Lehrkräfte fördert. „Das ist eine wichtige Kompetenz in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft“, so Fleckenstein. Derzeit werden im Rahmen dieser drei Programme 211 Projekte an 95 deutschen Hochschulen realisiert.

„Für uns ist Internationalisierung längst ein Querschnittsthema“

Prof. Dr. Mariam Dopslaf, Studiengangsleitung „Industrial Engineering“ und Beauftragte für Internationalisierung, Hochschule Bielefeld

Frau mit lockigem Haar, Brille und DAAD-Ausweis lächelt im Freien in die Kamera.

 „Für uns an der Hochschule Bielefeld ist Internationalisierung längst ein Querschnittsthema. Einerseits ist es unser Ziel, den Studierenden eine Auslandserfahrung zu ermöglichen. Allein schon die Erfahrung, einmal woanders am Flughafen oder am Bahnhof gestanden zu haben und dort seinen Weg zu finden, ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Ich selbst bin Alumna des DAAD-Programms Integrierte internationale Studiengänge mit Doppelabschluss und durfte einen Studienaufenthalt in Mexiko absolvieren, wovon ich sehr profitiert habe.

Eine weitere Dimension ist das Thema Fachkräftegewinnung. Seit dem Wintersemester 2024/2025 bieten wir den englischsprachigen Bachelorstudiengang ‚Industrial Engineering‘ in Vollzeit und in dualer Variante an. Dieser soll ausländischen Studierenden über Unternehmenspraktika den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. In das Studium sind Deutsch-Intensivkurse eingebettet, die von uns als Hochschule getragen werden. Die erste Kohorte bestand aus 30 Studierenden, die 17 verschiedene Nationalitäten vertraten. Im laufenden Wintersemester 2025/26 startet der zweite englischsprachige Bachelorstudiengang ‚Mechatronics & Automation‘ in Vollzeit und dualer Variante. Darüber hinaus besteht eine langjährige Partnerschaft der HSBI zur Universidad de las Américas Puebla (UDLAP) in Mexiko. Im letzten Jahr haben wir einen Projektantrag gestellt, welcher erfreulicherweise durch das ISAP-Programm des DAAD gefördert wird. Es ermöglicht den Austausch von Studierenden und Dozierenden.

Und drittens bedeutet Internationalisierung für uns als Hochschule, wichtige gesellschaftliche Trends und Fragestellungen zu adressieren. Im März 2026 werden wir während der Klimawoche ein ‚Blended Intensive Programme‘, welches durch das Erasmus+ Programm gefördert wird, veranstalten. In länderübergreifenden, gemischten Teams sollen sich die Teilnehmenden aus europäischen Partnerhochschulen mit den Themen nachhaltige Bildung, interkultureller Austausch und die Entwicklung praxisnaher, innovativer Lösungsansätze für mehr Klimaschutz auseinandersetzen. Dazu beziehen wir auch Schülerinnen und Schüler aus der Region ein, die sich dadurch hoffentlich für ein Studium an unserer Hochschule interessieren.“

„Wir bieten Internationalisierung at home“

Isabelle Kross, Projekt „Transformative Horizons 3.0“, Leibniz Universität Hannover

Frau mit kurzem Haar und rotem Rollkragenpullover trägt DAAD-Ausweis und steht draußen vor einer Backsteinmauer.

„Internationalisierung ist inzwischen auch für die Lehrkräfteausbildung hochrelevant. Pädagoginnen und Pädagogen müssen zunehmend Klassen unterrichten, in denen Schülerinnen und Schüler aus vielen unterschiedlichen Ländern mit ganz verschiedenen kulturellen Prägungen zusammenkommen. Zudem findet die internationale Perspektive im Lehramtsstudium bislang noch viel zu wenig Beachtung. Aufgrund des hohen Fachkräftemangels hierzulande fehlt zudem oft die Motivation für einen Auslandsaufenthalt, der, anders als in anderen Berufen, aus Qualifikationsgründen nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dabei werden interkulturelle Kompetenzen in Zukunft immer wichtiger werden. Eine weitere Herausforderung für Lehramtsstudierende ist der enge Zeitplan im Studium. 

Darauf reagieren wir mit Angeboten wie Summer Schools unter internationaler Beteiligung, die sie vor Ort durchführen können und bei denen die Studierenden mit anderen Lehr- und Lernkulturen in Kontakt kommen – wir nennen das ‚Internationalisierung@home‘. Diese werden über das DAAD-Programm Lehramt.International gefördert. Hinzu kommen Angebote im Rahmen von Kursmodulen, die einen kürzeren Auslandsaufenthalt vorsehen. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir finanzieren so einen Kurzzeitaufenthalt von einer bis maximal zwei Wochen, der für die Studierenden kostenfrei ist. Die Studierenden müssen keine zusätzlichen zeitlichen Ressourcen dafür aufwenden und entdecken so idealerweise auch die Vorzüge von längeren Auslandsaufenthalten für sich.

Dass Internationalisierung auch herausfordernd sein kann, merken wir an unserer Partneruniversität Purdue in Indiana. Der Austausch ist sehr eng und besteht schon seit vielen Jahren und wird im Rahmen des Lehramt.International-Projekts ‚Transformative Horizons 3.0‘ gefördert. In der Vergangenheit haben wir ein Online-Seminar zum Thema Diversität und Inklusion durchgeführt. Das ist unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen schwierig. Andererseits sehen wir auch, wie sich inzwischen ein gewisser Pragmatismus etabliert: Wenn Seminare oder Projekte unter einem bestimmten Label nicht mehr möglich sind, werden sie einfach unter einem anderen Namen weitergeführt. Gegenwärtig beobachten wir mit Sorge jüngste Entwicklungen hinsichtlich der Einreisebestimmungen in den USA.“

„Wir brauchen dringend mehr Kooperationsprojekte in Afrika“

Prof. Dr. Frank Polzenhagen, Professor für Linguistik (Anglistik) an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Landau

Mann mit Brille und zerzausten Haaren steht vor buntem Hintergrund mit lila Punkten.

„Unsere Partnerschaft mit der Universität von Botswana (UB) wird über das DAAD-Programm Internationale Studien- und Ausbildungspartnerschaften (ISAP) gefördert. Jedes Jahr haben mittlerweile vier unserer Studierenden die Möglichkeit, für vier Monate an der UB zu studieren, und umgekehrt kommen vier Studierende aus Botswana für den gleichen Zeitraum zu uns. Darüber hinaus findet jährlich ein Dozierendenaustausch statt. Ich denke, es ist ganz entscheidend, sich als Wissenschaftsorganisation auf dem afrikanischen Kontinent zu engagieren. Generell gibt es dort noch viel Potenzial, was Kooperationen mit europäischen Partnern angeht. 

Natürlich gehört auch das zum Gesamtbild: Es gibt viele Staaten in Subsahara-Afrika, die politisch zu instabil sind, als dass man guten Gewissens Studierende dorthin entsenden könnte. Botswana gehört nicht dazu. Das Land wird regelmäßig als eine der stabilsten Demokratien Afrikas bezeichnet.

Mehrheitlich bilden wir in Landau Lehramtsstudierende aus. Man kann sagen, dass über all die Jahre etwa 40 Lehrerinnen und Lehrer hier in Rheinland-Pfalz durch unser Austauschprogramm mit dieser doch besonderen Auslandserfahrung in den Schuldienst gegangen sind und täglich von dieser Erfahrung profitieren. Ich finde, das ist schon beeindruckend. Gerade in unserem Fachbereich ist es ganz entscheidend, sich für verschiedene Lehrkonzepte und Perspektiven aus anderen Ländern zu öffnen. In Botswana ist der Unterricht zum Beispiel traditionell recht frontal organisiert und bietet kaum Raum für eine offene Gesprächskultur. Für botswanische Studierende ist es daher eine wertvolle Erfahrung, wenn sie hier nach Deutschland kommen und die Gesprächskultur in Seminaren miterleben. Und die Dozierenden an der UB freuen sich immer darauf, unsere Studierenden kennenzulernen und neue Seminarformate mit ihnen zu erproben. Im Gegenzug ist es ein ganz besonderer Gewinn für die Seminare in Landau, wenn die botswanischen Austauschstudierenden ihre Perspektive auf die Themen einbringen.“

Text und Protokolle: Klaus Lüber (29. Oktober 2025)