GAIN-Jahrestagung 2025: Netzwerke aufbauen und pflegen

DAAD-Präsident Mukherjee steht an einem Podium vor einer Menschenmenge, links von ihm ein Bildschirm mit dem Schriftzug "GAIN"

Run auf eine traditionsreiche Veranstaltung: Mit und 650 Anmeldungen war die Jahrestagung des „German Academic International Network“ (GAIN) in diesem Jahr voll ausgebucht. Drei Tage lang knüpften in den USA tätige Postdocs Kontakte zu Vertreterinnen und Vertretern deutscher Hochschulen, außeruniversitärer Einrichtungen und der Politik. Erstmals nahmen auch junge internationale Postdocs an der gesamten Konferenz teil. 

Das Schlagwort der diesjährigen GAIN-Tagung lautete „Brain Circulation“. Schon vor der offiziellen Eröffnung im Pre-Panel „Transatlantic Experiences – Fresh Opportunities, Familiar Challenges?“ herrschte Einigkeit: Die akademischen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA müssen gerade jetzt bestehen bleiben, intensiv gepflegt und ausgebaut werden. Die aktuelle Lage sorgt bei Forschenden für Unsicherheit – besonders bei jenen, die nicht wie einige Teilnehmende ihre Finanzierung aus Deutschland mitbringen oder deren Forschungsthemen in den USA als sicherheitskritisch gelten. Vor diesem Hintergrund hätte die Tagung leicht als Abwerbeveranstaltung verstanden werden können. Stattdessen ist sie, wie DAAD-Präsident Mukherjee in seiner Begrüßungsrede betonte, ein „logischer Schritt“ in der langjährigen Geschichte deutsch-amerikanischen Austauschs. Forscherinnen und Forscher, die nach einem längeren Aufenthalt im Ausland wieder in das deutsche Wissenschaftssystem zurückkehren oder erstmals dorthin kommen, sind dafür prädestiniert, starke Netzwerke aufzubauen und zu pflegen. (Wie die Situation in den USA die Arbeit des DAAD beeinflusst, lesen Sie hier). 

Großes Interesse an der Tagung 

Die GAIN-Programmdirektorin Anna Oberle-Brill steht an einem Podium und spricht in ein Mikrofon

„Besonders wichtig ist bei der diesjährigen Tagung, dass wir diesmal auch internationale Postdocs für alle drei Tage fördern konnten. Ungefähr ein Drittel der teilnehmenden Postdoktorandinnen und -doktoranden hatte bisher noch keinen Bezug zu Deutschland“, so GAIN-Programmdirektorin Anna Oberle-Brill. Wichtig: Nicht nur die bildungspolitische Lage in den USA weckt das Interesse junger internationaler Forschender an Deutschland, auch die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Deutschland zieht viele an. Besonders gefragt waren in diesem Jahr die Angebote der nun bestehenden Exzellenzcluster, aber auch Fachgebiete wie Materialwissenschaften, Meereswissenschaften und Künstliche Intelligenz. 

GAIN, eine Initiative der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH), des DAAD und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), unterstützt deutsche Forschende nach einem Auslandsaufenthalt bei der Rückkehr ins deutsche Wissenschaftssystem. Ziel ist es, die im Ausland erworbenen Fähigkeiten optimal einzusetzen. Dr. Georgios Toupalas, Postdoc am MIT und Mitglied des GAIN-Beirats, lobte die Initiative: „Meine internationalen Postdoc-Freunde sind ganz neidisch, dass es so etwas gibt. “ (Sehen Sie hier ein Video dazu.) 

Hilfreiches Programmangebot 

Workshops wie „Einblicke ins Berufungsverfahren – Dos and Don’ts“, „Navigating the Path to Group Leader (& Professor) in Germany: Facts, Myths and Advice“ oder „Karriere im Wissenschaftsmanagement – mehr als nur ein Plan B“ boten praxisnahe Tipps für den (Wieder-)Einstieg ins deutsche Wissenschafts- und Berufsleben. (Sehen Sie hier Jan Lüdert mit den Ergebnissen zur Session
Karriere-Einstieg als WissenschaftlerIn bei der UNO oder der EU“ und Prof. Dr. Angela Wittmann zu „Tenure Track in Deutschland“.) 

Ein Höhepunkt der Konferenz war die Talent Fair, auf der deutsche Hochschulen, Unternehmen und außeruniversitäre Forschungsinstitutionen ihre Angebote präsentierten und direkt mit den Teilnehmenden ins Gespräch kamen.

Janina Rojek steht in einem Vortragsraum und hält einen Block Papier in der Hand

Dr. Janina Rojek vom Forschungscampus Mittelhessen dazu: „Die GAIN ist für uns als ausstellende Einrichtung eine ideale Gelegenheit, mit hochqualifizierten Postdocs ins Gespräch zu kommen, die ein echtes Interesse daran haben, ihre wissenschaftliche Karriere an einer deutschen Hochschule fortzuführen. Wir nutzen die vielfältigen Angebote der GAIN, um die zu unseren Forschungsschwerpunkten passenden Postdocs zu identifizieren, kennenzulernen und mit unseren Forschenden zu verbinden. Den Erfolg messen wir einerseits in erfolgreichen Rekrutierungen und andererseits im Aufbau neuer Kooperationen und dem Ausbau wissenschaftlicher Netzwerke. Gleichzeitig steigert die GAIN die Sichtbarkeit unserer Einrichtung – national wie international – und ermöglicht es uns, unser organisationales Netzwerk im deutschen Wissenschaftssystem nachhaltig zu stärken."

Internationaler Austausch wichtiger denn je 

Die Stimmung auf der Tagung war klar: Gerade in schwierigen oder sich wandelnden Zeiten bleibt der internationale Austausch im Wissenschaftssystem unverzichtbar. Weil er nicht nur auf politischer, sondern vor allem auf persönlicher Ebene stattfindet, entstehen Bindungen, die oft ein Leben lang halten. Forschung funktioniert nicht in Isolation. Und letztlich sollte es keine Rolle spielen, woher die Menschen kommen, die Lösungen für globale Probleme entwickeln.

Barbara Kirsch (11. September 2025)