Transatlantische Partnerschaft: Dr. Karen Donfrieds beeindruckender Weg
Verfechterin der deutsch-amerikanischen Freundschaft: DAAD-Alumna Dr. Karen Donfried steht für grenzüberschreitenden Austausch par excellence, in politischen Spitzenämtern wie auch angesichts aktueller Herausforderungen.
Sie baut Brücken: Dr. Karen Donfried stärkt die transatlantischen Beziehungen schon lange auf außergewöhnliche Weise – und sie verbindet Wissenschaft und Politik in einem beeindruckenden Berufsleben. Seit einem Jahr leitet die DAAD-Alumna den Forschungsdienst des US-Kongresses. Dieser ist bei der Library of Congress angesiedelt, einer der größten Bibliotheken der Welt, und wird überparteilich für seine Objektivität und Analysekraft geschätzt. Der Forschungsdienst stand 1991 auch am Anfang von Karen Donfrieds beruflicher Laufbahn: Zehn Jahre lang wirkte sie dort als Spezialistin für die amerikanisch-europäischen Beziehungen.
Anschließend wechselte sie zum German Marshall Fund of the United States (GMF), dem traditionsreichen Thinktank für die transatlantische Partnerschaft. Die Organisation sollte Karen Donfried später auch als Präsidentin leiten, bevor sie 2021 zur Staatssekretärin für Europa und Eurasien im Außenministerium der Regierung Biden berufen wurde. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen haben für sie schon lange herausragende Bedeutung. Sie sagt: „Mich beeindruckt noch immer, wie vielschichtig dieses Verhältnis ist.“ Sie selbst hat es früh auf einer persönlichen Ebene kennengelernt.
Kindergarten in Heidelberg
Karen Donfrieds Großeltern väterlicherseits stammten aus Deutschland. Ihr Vater Karl Donfried promovierte nach seinem Studium an der Columbia University und in Harvard 1968 an der Universität Heidelberg über neutestamentliche Theologie. Seine Frau Katharine und die beiden erstgeborenen Kinder Paul und Karen begleiteten ihn nach Deutschland. „Ich bin in den deutschen Kindergarten gegangen und sprach fließend Deutsch, bevor wir in die USA zurückkehrten“, erzählt Karen Donfried. Doch auf der Schule in den USA wurde sie dann für ihren ungewöhnlichen Akzent in der englischen Aussprache gehänselt. „Ich schwor mir, nie wieder Deutsch zu sprechen. Das hat auch bis zur Highschool gut geklappt“, sagt sie heute mit einem Lächeln.
Vielleicht rührt von dieser frühen Erfahrung her auch das Feingefühl Karen Donfrieds für Austausch, Begegnungen und den Umgang mit Neuem und Fremdem. Ein „großartiger Lehrer“ brachte ihr an der Highschool die deutsche Sprache wieder näher und später erwarb sie an der Wesleyan University einen Bachelor in Deutsch und Öffentlicher Verwaltung. Donfried promovierte an der Fletcher School of Law and Diplomacy der Tufts University in Massachusetts – und machte als DAAD-Stipendiatin einen Magisterabschluss an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. „Die Zeit in München war wundervoll“, sagt sie. Nicht nur die Begegnungen an der Hochschule und im Alltag haben die Amerikanerin geprägt: Auch ihre Verbindung zur deutschen Sprache wurde dauerhaft gefestigt. „Ich spreche auch Französisch, aber lange nicht so fließend wie Deutsch. Im Deutschen habe ich eine sichere Grundlage.“ Dem DAAD ist Karen Donfried bis heute dankbar für die Förderung ihres Studiums in München: „Die Unterstützung, die der DAAD Studierenden wie Forschenden gibt, ist außerordentlich wertvoll. Ich habe davon während meiner ganzen Laufbahn profitiert.“
Nach ihren akademischen Abschlüssen stand Karen Donfried vor der Frage, ob sie ihr Berufsleben auch an der Universität beginnen sollte. „Ich kannte diese Welt durch meinen Vater und fand die Aussicht, wissenschaftlich zu schreiben und zu lehren, wundervoll. Ich habe mich dann aber nicht für die Hochschulwelt, sondern für den Forschungsdienst des US-Kongresses entschieden. Das war ein wichtiger Schritt in meinem Leben.“
Am Zentrum der politischen Macht Amerikas
Der Congressional Research Service fordert einerseits wissenschaftliche Genauigkeit, andererseits ist er unmittelbar mit dem Zentrum der politischen Macht Amerikas verbunden. Von 1991 bis 2001 wirkte Karen Donfried dort als Spezialistin für Europa-Fragen, in einer Zeit also, in der sich der Kontinent nach dem Ende des Kalten Kriegs neu sortierte, und in der die USA enger Partner des wiedervereinigten Deutschlands waren. Die deutsch-amerikanische Partnerschaft steht auch im Fokus des German Marshall Fund, zu dem Karen Donfried 2001 zum ersten Mal wechselte. Nach weiteren Stationen – zunächst im US-Außenministerium, dann im National Intelligence Council, dem Gremium für den Austausch zwischen Geheimdiensten und Regierungsebene, und im National Security Council – kehrte die DAAD-Alumna 2014 erneut zum GMF zurück und wurde die erste Präsidentin in der Geschichte der 1972 gegründeten Organisation.
Unterstützung der Ukraine
Sieben Jahre lang stand Karen Donfried an der Spitze des GMF und setzte sich für die deutsch-amerikanischen und transatlantischen Beziehungen ein. Als Thinktank und Organisator von transatlantischen Partnerschaften unterhielt der GMF mit Hauptsitz in Washington, D.C., seinerzeit nicht nur ein Büro in Berlin, sondern bereits auch Zweigstellen in Ankara, Belgrad, Brüssel, Bukarest, Paris und Warschau. Auch die ukrainische Zivilgesellschaft stand unter Donfrieds Ägide im Fokus des GMF, und als sie 2021 Staatssekretärin im Außenministerium wurde, setzte sie die amerikanische Unterstützung des Landes fort.
Transatlantische Partnerschaft auch in schwierigen Zeiten – das ist nicht mehr selbstverständlich. Unter Donald Trump verfolgt die US-Regierung einen wenig traditionellen Kurs. Karen Donfried sagt: „Wir müssen registrieren, dass viele frustrierte Wähler den Wert der liberalen Demokratie für sich nicht mehr erkennen und hinterfragen, was der Staat eigentlich für sie tut. Donald Trump hat das erkannt und die Frustration, etwa angesichts von Zukunfts- und Abstiegsängsten, kanalisiert.“ Das sei kein auf die USA begrenztes Phänomen, in Deutschland profitiere etwa die AfD von der Krise der liberalen Demokratie.
Karen Donfried glaubt noch an die Werte von Austausch und Offenheit. An der Spitze des Congressional Research Service arbeitet sie für eine fundierte Perspektive in politisch polarisierten Zeiten. Angesichts ihrer reichen Geschichte und Vielfalt dürften die transatlantischen Beziehungen laut Donfried auch die aktuellen Krisen überstehen. Dem DAAD komme dabei entscheidende Bedeutung zu: „Was der DAAD für den Austausch der Menschen leistet, ist von unschätzbarem Wert und überdauert die Zeit. Das ist einer der vielen Gründe, warum der DAAD 2025 sein 100-jähriges Bestehen und einflussreiches Wirken feiern kann.“
Johannes Göbel (18. September 2025)