Karriereweg KI: Forschung zwischen Sprache und Code

Junge Frau in dreiviertel Ansicht, lächelnd

Warum verstehen Menschen denselben Text unterschiedlich? Und was können KI-Modelle darüber verraten, wie unser Gehirn Sprache verarbeitet? Die Computerlinguistin Iza Škrjanec forscht an diesen Fragen – an der Schnittstelle von KI und Kognitionsforschung, als Promovierende an der Universität des Saarlandes und Geförderte einer Zuse School des DAAD.

„Warum?" – Diese Frage hat Iza Škrjanec schon als Kind beschäftigt. Warum handelt eine Romanfigur so und nicht anders? Warum wählt die Autorin gerade dieses Setting? Warum fesselt mich dieses Buch so sehr? Diese Neugier für Sprache und ihre Geheimnisse sollte sie nie loslassen – und führte sie schließlich in die hochspezialisierte Forschung an der Schnittstelle zwischen menschlichem Sprachverstehen und Künstlicher Intelligenz.

Nach dem Abitur entschied sich Iza zunächst für einen Bachelor in Translations- und Interkulturellen Studien mit den Sprachen Slowenisch, Englisch und Deutsch. Sie wollte verstehen, wie unterschiedlich Sprachen dieselben Inhalte ausdrücken – und wie Bedeutung entsteht. Im Studium begegnete sie dann stärker den quantitativen Methoden der Linguistik und der automatischen Sprachverarbeitung. „Da wurde mir klar, dass man Sprache auch im großen Maßstab untersuchen kann“, erklärt sie. Es folgte ein Masterstudium in Language Science and Technology an der Universität des Saarlandes, einem international renommierten Standort für Informatik und Computerlinguistik.

Warum dann eine Promotion – und nicht der direkte Weg in die Industrie? Während ihres Studiums absolvierte Iza ein Praktikum bei einem Start-up für maschinelle Übersetzung. „Ich mochte die Arbeit und die Menschen, aber die intellektuelle Anziehungskraft der Forschung war stärker“, sagt sie. Seit Juli 2022 promoviert sie nun am Lehrstuhl von Prof. Vera Demberg.
 

Forschung zum Sprachverstehen: Mensch und KI im Vergleich

Izas Forschung lässt sich auch ohne Fachbegriffe erklären: Zwei Menschen lesen denselben Text, doch nur eine Person hat Schwierigkeiten, ihn zu verstehen. Die Psycholinguistik untersucht, warum das so ist – etwa mithilfe von Eye-Tracking, das misst, wie lange der Blick auf einzelnen Wörtern verweilt. Gleichzeitig gibt es KI-basierte Sprachmodelle, die Texte ebenfalls „lesen“. Iza fragt: Stoßen diese Modelle an ähnlichen Stellen an Grenzen wie Menschen? Und ähneln sie bestimmten Lesergruppen mehr als anderen? „Ich untersuche Parallelen zwischen menschlicher Sprachverarbeitung und Sprachmodellen – und was wir aus ihnen über uns selbst lernen können“, erklärt sie.

Besonders reizvoll findet sie dabei das Unbekannte. „In der KI versuchen wir, Systeme zu entwickeln, die intelligent handeln. Gleichzeitig kennen wir viele Aspekte menschlicher Intelligenz noch nicht vollständig – vor allem im Bereich Sprache.“ Leistungsfähige Modelle dürften deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre inneren Mechanismen oft selbst für Fachleute schwer nachvollziehbar bleiben. Für Iza ist klar: „KI muss kritisch erforscht und verantwortungsvoll eingesetzt werden – als Werkzeug für Anwendungen ebenso wie als theoretische Grundlage, um menschliche Kognition besser zu verstehen.“

Forschen im Netzwerk der Zuse Schools

Wichtige Impulse erhält sie durch ihre Zugehörigkeit zur Zuse School ELIZA, einer von drei Zuse Schools, die als Exzellenzprogramm für Künstliche Intelligenz vom BMFTR gefördert werden. Die Zuse Schools verbinden Master- und Promotionsausbildung mit interdisziplinärer Forschung, internationaler Mobilität sowie enger Vernetzung zwischen Hochschulen, außeruniversitären Einrichtungen und Industrie. „Der Austausch mit Promovierenden aus ganz unterschiedlichen Disziplinen – von Robotik bis Physik – ist unglaublich bereichernd“, sagt Iza. Die gemeinsame Basis KI öffne neue Perspektiven über Fachgrenzen hinweg.

Die Zuse School ELIZA eröffnete ihr auch die Möglichkeit zu einem dreimonatigen Forschungsaufenthalt an der Radboud-Universität in Nijmegen, Niederlande. „Ich habe von diesem Besuch nicht nur fachlich, sondern auch persönlich profitiert", berichtet Iza. Internationale Kollaborationen seien eine großartige Lerngelegenheit – weitaus intensiver als reine Onlineformate. Der Aufenthalt half ihr, ihre Projektidee weiterzuentwickeln und ihre Forschung in einen breiteren Kontext einzuordnen. Viele der besten Gedanken entstünden außerhalb der eigenen Komfortzone.

„Wartet nicht, bis ihr euch perfekt qualifiziert fühlt“

Jungen Frauen, die über eine Karriere in KI oder Computerlinguistik nachdenken, rät Iza zu Mut und Neugier. Kritisches Denken und Lernbereitschaft seien entscheidend, ebenso Grundlagen in Programmierung und Statistik. „Wartet nicht, bis ihr euch perfekt qualifiziert fühlt“, betont sie. Unterstützung in der Community sei wichtig – und die Gewissheit: „Ihr gehört genauso in die KI wie alle anderen.“

Bogna Moll (gekürzte Fassung, zuerst erschienen und vollständig zu lesen in INGenie)

 

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