Heinz Maier-Leibnitz-Preis: Ein Spitzenmathematiker aus Augsburg

Prof. Dr. Dominik Schmid

In der Mathematik ist es nicht ungewöhnlich, dass Forschende schon in jungen Jahren ausgezeichnet werden. Die weltweit höchste Auszeichnung für das Fach, die Fields-Medaille, wird sogar ausschließlich an Personen vergeben, die jünger als 40 Jahre sind. Der Preis soll Ansporn sein für künftige Leistungen. Genauso versteht der 30 Jahre alte Mathematiker Professor Dominik Schmid die Auszeichnung mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Deutschlands wichtigstem Preis für Forschende in der Aufbauphase ihrer Karriere. „Ich habe noch viel vor in meinem Fach, der Preis ist Anerkennung und Motivation zugleich“, sagt er. 

Aktuell hat Dominik Schmid eine Juniorprofessur für Wahrscheinlichkeitstheorie am Lehrstuhl für Stochastik und ihre Anwendungen an der Universität Augsburg inne. Nach Forschungsaufenthalten in den USA und Bonn lebt er damit wieder in Bayern, wo er geboren und aufgewachsen ist.   

Schmids Forschungsschwerpunkt ist die integrable Wahrscheinlichkeitstheorie und deren Anwendung für Mischungszeiten. Vereinfacht gesagt untersucht er Systeme, in denen sich Teilchen gleichzeitig bewegen und miteinander interagieren, wie beispielsweise im Straßenverkehr. Verkehrsteilnehmende folgen zwar festen Regeln, zufällige Ereignisse wie ein Unfall können den Verkehr jedoch erheblich stören und zu Staus führen. Schmid versucht herauszufinden, wie lange es dauert, bis sich in solchen Systemen ein stabiler Zustand einstellt. „Es geht beispielsweise um die Frage, wie lange man eine Simulation laufen lassen muss, bis ein typisches, also aussagekräftiges, Szenario entsteht“, erklärt er. In der Fachsprache nennt man das die Mischungszeit. Manchmal geschieht der Übergang ganz plötzlich – dieses überraschend schnelle Umschalten wird als „Cutoff-Phänomen“ bezeichnet. Zu klären, ob und wann ein solcher Effekt auftritt, ist eine der großen Forschungsfragen der modernen Mathematik.

Dominik Schmid hat diese Forschung entscheidend vorangebracht und Lösungsansätze entwickelt, die in sehr unterschiedlichen Bereichen anwendbar sind. So könnten künftig etwa die Ausbreitungen von Krankheiten oder Waldbränden dank seiner Grundlagenforschung besser simuliert werden. Darüber hinaus arbeitet Schmid an einer Weiterentwicklung der Wahrscheinlichkeitstheorie, indem er Konzepte aus verschiedenen Bereichen der Mathematik miteinander verbindet.

Seine mathematische Begabung fiel bereits in der Kindheit auf. Doch Dominik Schmid interessierte sich in der Schulzeit mehr für Musik als für Mathe, spielte E-Bass in verschiedenen Bands. Erst ein Berufsfindungsabend seines Gymnasiums, bei dem eine Mathematikerin den Schülerinnen und Schülern von ihrer Arbeit berichtete, und ein anschließendes Schnupperstudium im TUMMS-Programm der Technischen Universität München weckten das Interesse des damals 16-Jährigen an seinem heutigen Forschungsgebiet. „Ich merkte, da sind Leute, die so ticken wie ich“, erinnert er sich. Also entschied er sich, sich in? „Vollzeit mit logischen Fragen auseinanderzusetzen“.

Nach der Promotion an der TU München bei Professorin Nina Gantert im Rahmen des Elite-Studiengangs TopMath erhielt Schmid eine Postdoc-Förderung des DAAD, die es ihm ermöglichte, in der Arbeitsgruppe des weltweit renommierten Wahrscheinlichkeitsforschers Professor Allan Sly an der Universität Princeton mitzuarbeiten. „Das war der Türöffner für meine Karriere“, sagt Schmid rückblickend. In Deutschland sieht er gute Voraussetzungen, diese Karriere erfolgreich fortzusetzen. „Die wissenschaftliche Freiheit ist hier sehr groß, die Forschungsbedingungen sind exzellent und können mit Top-Standorten in den USA, Großbritannien oder China absolut mithalten.“

In Augsburg fühlt sich Schmid auch deshalb gut aufgehoben, weil mehrere Kollegen an verwandten Themen arbeiten. Hinzu komme die Nähe zu seiner früheren Fakultät an der TU München. „Der enge fachliche Austausch ist sehr wichtig, denn Mathematik ist ein Teamsport.“ Das mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis verbundene Preisgeld in Höhe von 200.000 Euro kann Schmid nutzen, um seine Arbeitsgruppe weiter zu vergrößern. Eine Postdoktorandin aus Paris und eine Promotionsstudentin aus Mexiko-Stadt sollen das Augsburger Team schon bald verstärken. „Gemeinsam können wir große Fortschritte in der Wahrscheinlichkeitsforschung erzielen“, sagt er. Aus Augsburg dürfte in Sachen Mathematik also noch die ein oder andere Erfolgsmeldung zu erwarten sein.

Ulrike Scheffer (2. Juni 2026)