Kluge Köpfe für Deutschlands Forschung – 20 Jahre Research in Germany

Bei Fragen zu Forschungsbedingungen und Fördermöglichkeiten in Deutschland unterstützt die Initiative „Research in Germany“ junge internationale Talente.

Utrecht in den Niederlanden, Frühjahr 2026. Ingy Nafie steht zusammen mit einer Kollegin vor Bannern mit schwarz-rot-goldenen Dahlien auf der BCF-Karrieremesse für Biologie, Chemie und Lebensmittelwissenschaften. Sie hört zu, gibt Antworten. Ihr gegenüber sitzen Masterstudierende, Promovierende und Postdocs aus aller Welt. Sie wollen wissen: Wie ist das, in Deutschland zu forschen? Reicht Englisch aus oder braucht man Deutschkenntnisse? Und wie schreibt man eigentlich einen Professor an?

Ingy Nafie kennt die Antworten. Nicht nur, weil sie seit zwei Jahren für „Research in Germany“ arbeitet, die internationale Standortmarketing-Initiative des DAAD zum Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland, sondern auch, weil sie selbst einmal ähnliche Fragen gestellt hat.

Von Ägypten nach Deutschland

Nafie wuchs in Ägypten auf, ihre Eltern sprechen kein Deutsch. Trotzdem schickte ihre Mutter sie auf eine Deutsche Auslandsschule, denn sie wollte, dass ihre Tochter mehrere Sprachen lernt und mit unterschiedlichen Kulturen aufwächst. Später folgten Schüleraustausche, deutsche Lehrkräfte und schließlich der Entschluss, zum Studium nach Deutschland zu gehen. „Natürlich hatte ich Respekt vor diesem Schritt“, sagt Nafie. „Aber ich wollte die Chance nutzen und sehen, wohin mich dieser Weg führt.“
 

„Research in Germany“-Teamleiterin Ingy Nafie am Messestand auf der BCF-Karrieremesse in Utrecht

Heute beantwortet die Teamleiterin zusammen mit ihren Kolleginnen bei „Research in Germany“ die Fragen anderer. Die Initiative informiert internationale Forschende über Karrierewege, Fördermöglichkeiten und Forschungsbedingungen in Deutschland – und unterstützt Hochschulen und Forschungseinrichtungen dabei, international sichtbar zu werden. 

Orientierung im deutschen Wissenschaftssystem

Das ist wichtig, denn das deutsche Wissenschaftssystem ist für Außenstehende nicht immer leicht zu verstehen. Forschung findet hier nicht nur an Universitäten statt, sondern auch an außeruniversitären Einrichtungen wie den Max-Planck-, Helmholtz-, Leibniz- oder Fraunhofer-Instituten. Hinzu kommen unterschiedliche Promotionswege und zahlreiche individuelle Fördermöglichkeiten.

„Viele internationale Forschende bringen hervorragende Qualifikationen mit“, sagt Susanne Findeisen vom DAAD, die als Teamleiterin die internationale Kommunikation von „Research in Germany“ verantwortet. „Oft fehlt nicht das wissenschaftliche Potenzial, sondern das Wissen darüber, wie das deutsche Wissenschaftssystem funktioniert und welche Wege zum eigenen Karriereziel führen.“ Dazu gehören Fragen wie: Welche Förderprogramme passen zu meiner Karrierestufe? Wie finde ich eine geeignete Forschungsgruppe? Und worauf kommt es bei einer erfolgreichen Bewerbung an?

Susanne Findeisen, Teamleiterin bei „Research in Germany“ (Mitte), berät interessierte Teilnehmende beim PhD Workshop in Peking, China.

Genau dabei hilft „Research in Germany“. Die Initiative richtet sich dabei nicht nur an internationale Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, sondern auch an erfahrene Forschende, internationale Fachkräfte und Multiplikatoren. Über Karrieremessen, Workshops, Publikationen, Social-Media-Kanäle und die Plattform research-in-germany.org informiert sie weltweit über Forschungs- und Karrieremöglichkeiten in Deutschland. Damit trägt sie auch dazu bei, die deutsche Wissenschaft international zu vernetzen. 

Zwanzig Jahre „Research in Germany“

Die Initiative wurde 2006 im Rahmen der Kampagne „Deutschland – Land der Ideen“ von der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft gegründet. Ursprünglich trugen mehrere Organisationen das Projekt: der DAAD, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Alexander von Humboldt-Stiftung und die Fraunhofer-Gesellschaft. Heute verantwortet der DAAD die Initiative aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt allein. Seit ihrer Gründung verfolgt die Initiative das Ziel, Deutschland im internationalen Wettbewerb um Talente und wissenschaftliche Kooperationen als attraktiven Forschungs- und Innovationsstandort sichtbar zu machen. Eine Aufgabe, die angesichts des weltweiten Wettbewerbs um Fachkräfte und einer immer komplexeren geopolitischen Lage zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Die schwarz-rot-goldenen Dahlien, die auf Messen, Broschüren und Webseiten von „Research in Germany“ zu sehen sind, gehören seit den Anfangsjahren zum Erscheinungsbild der Initiative. Alexander von Humboldt brachte 1804 Dahliensamen aus Mittelamerika nach Europa. Da die Blume in schwarz anmutendem Burgunder, Rot und Gold blühen kann, wurde sie später Teil des Erscheinungsbildes von „Land der Ideen“ und damit auch von „Research in Germany“.

Stärke des persönlichen Austauschs

Während der Coronapandemie mussten Karrieremessen abgesagt werden und „Research in Germany“ verlagerte einen Großteil seiner Arbeit ins Netz. Es entstanden Webinar-Reihen, digitale Informationsveranstaltungen und Formate, in denen internationale Forschende von ihren Erfahrungen berichteten. „Aber es macht einen großen Unterschied, vor Ort sein zu können“, sagt Ingy Nafie. „Der persönliche Kontakt schafft Vertrauen und ermöglicht einen Austausch, der weit über reine Informationsvermittlung hinausgeht. Er macht Deutschland als Forschungsstandort greifbar, vermittelt das Gefühl, willkommen zu sein, und trägt dazu bei, internationale Spitzenforscherinnen und -forscher für eine wissenschaftliche Zukunft in Deutschland zu begeistern.“

Deshalb freuen sich alle Beteiligten, nun wieder auf Messen wie in Utrecht zusammenzukommen. Einige der Besucherinnen und Besucher am Messestand leben und forschen bereits in Deutschland, schauen sich aber trotzdem nach weiteren Karrieremöglichkeiten um. Das Ankommen, das weiß Nafie aus eigener Erfahrung, braucht Zeit. Zwischen den schwarz-rot-goldenen Dahlien am Messestand warten bereits die Nächsten auf ein Gespräch.

Carola Hoffmeister (9. Juli 2026)

 

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