Einander besser kennenlernen: 20 Jahre „Europa macht Schule“

Das Team hinter „Europa macht Schule“

Europa und die Welt hautnah im Klassenzimmer erleben: Das ist die Idee von Europa macht Schule (EmS). Jedes Jahr bringen europäische und internationale Studierende andere Kulturen direkt an Schulen in Deutschland. In gemeinsamen Projekten mit Lehrkräften stellen sie Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen ihr Herkunftsland vor. Somit unterstützt EmS die Umsetzung von Erasmus+ als europäischem Bildungs- und Mobilitätsprogramm. 

Die Geschichte von Europa macht Schule begann 2006 als studentische Initiative. Heute unterstützen der DAAD und der Trägerverein „Europa macht Schule e.V.“ das Programm in rund 30 Hochschulstädten in ganz Deutschland, vor Ort vertreten jeweils durch ein ehrenamtliches Standortteam. Die Bilanz nach zwei Jahrzehnten: rund 3.000 realisierte Schulprojekte und annähernd 72.000 erreichte Schülerinnen und Schüler. Europa macht Schule ist ein Leuchtturmprogramm für demokratische Teilhabe und studentisches Engagement. 

„Der persönliche Zugang zu gelebten Erfahrungen öffnet schon den Jüngsten den Blick auf Europa und die Welt“, sagt Nils Tensi, Leiter des zuständigen Referates in der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im DAAD. Solche Einblicke helfen dabei, Vorurteile und Hemmschwellen abzubauen. „Wir beobachten gerade europaweit mit Sorge, dass Rechtspopulismus und Europaskepsis zunehmen. Ein Programm wie Europa macht Schule ist daher wichtiger denn je.“ Die Projekte ermutigen Schülerinnen und Schüler unter anderem, später auch selbst für ein Auslandssemester oder Praktikum ins Ausland zu gehen. Der Fokus liegt auf Studierenden, die im Rahmen des großen europäischen Mobilitätsprogramms Erasmus+ nach Deutschland kommen, aber auch Personen aus anderen Weltregionen können sich beteiligen. 

Seit einigen Jahren können sich auch Studierende aus Deutschland über die Programmlinie „Back to School“ einbringen und ihre eigenen Auslandserfahrungen teilen – oft sogar an ihrer früheren Schule. Der Trägerverein will zudem seine Alumniarbeit vertiefen. Am 19. Juni 2026 feierte Europa macht Schule sein 20-jähriges Bestehen mit einem Festakt an der Frankfurter Goethe-Universität. Mit dabei: internationale Studierende, Lehrkräfte, Schulklassen und zahlreiche Mitglieder des Ehrenamts-Netzwerks – von Gründungsmitgliedern bis hin zu aktuell Engagierten. Hier erzählen zwei Programmteilnehmende, warum sie sich bei EmS engagieren. 

 

Klára Ittzés

„Praktische Unterrichtserfahrung sammeln“ – Klára Ittzés, Eötvös-Loránd-Universität (ELTE), Budapest

„Im Oktober 2025 bin ich von Ungarn aus für ein Erasmus+ Semester an die Universität Heidelberg gegangen. Ein Werbeplakat für das EmS-Programm hat mich angesprochen, denn ich studiere Deutsch und Biologie auf Lehramt und fand die Chance toll, praktische Unterrichtserfahrung in Deutschland zu sammeln. Bei der Vorbereitung hat mir ein interkulturelles Seminar des DAAD in Bonn sehr geholfen, bei dem etwa 40 Studierende aller möglichen Fächer aus verschiedenen Ländern mitgemacht haben. Wir haben unsere EmS-Projektideen weiterentwickelt und auch zusammen überlegt, was wir tun können, wenn die Schülerinnen und Schüler nicht zuhören oder die Zeit knapp wird. Mein Projekt zu ungarischen Traditionen und Popkultur fand an einer Realschule in Welzheim statt, in der es eine Erasmus+ AG für die neunte und zehnte Klassenstufe gibt. Zum Auftakt hatte ich ein Kahoot-Quiz zu typischen Missverständnissen über Ungarn vorbereitet. Gulasch zum Beispiel ist kein Eintopf, sondern eine Suppe! Außerdem habe ich einen Popsong vorgestellt, in dem ein traditionelles ungarisches Volkslied verarbeitet ist. Und zum Schluss habe ich allen beigebracht, „Ördög útja“ zu tanzen. Dieser Volkstanz im Kreis, der immer schneller wird, ist auch heute noch auf Partys in Ungarn sehr beliebt. Den Jugendlichen hat das viel Spaß gemacht und auch für mich war das eine sehr schöne Erfahrung.“ 

 

Antonia Sawatzki

„Offenheit und Respekt fördern“ – Antonia Sawatzki, EmS-Standortteam an der Universität Hannover:

„Die Projekte von Europa macht Schule ermöglichen Teilhabe an interkulturellem Austausch für Kinder und Jugendliche an allen Schulformen, sie fördern Offenheit und Respekt. Mir gefällt die Vielfalt der Themen. Ich engagiere mich seit 2019 in unserem Standortteam, seither ist das Netzwerk aus Lehrkräften und internationalen Studierenden stetig gewachsen. Zu Beginn jedes Studienjahrs machen wir intensiv Werbung für das Programm und stellen unser Team bei der Willkommensveranstaltung des International Office vor. Ein paar Wochen später organisieren wir ein Treffen für interessierte Studierende und Lehrkräfte, das wie Speed-Dating funktioniert. Vor und während der Projekte können sich die Studierenden mit Fragen an uns wenden und am Ende des Sommersemesters laden wir alle Beteiligten zu einer Abschlussveranstaltung ein. Für die Schülerinnen und Schüler sind die Projekte immer sehr bereichernd. Sie können genau die Fragen zu einem Land stellen, die sie wirklich interessieren, und bekommen Antworten aus erster Hand. 2025 habe ich während meines Referendariats an einer Grundschule ein Projekt mit einem Wirtschaftsstudenten aus Japan begleitet. Die Schülerinnen und Schüler haben Lieder gesungen, Origami gefaltet, Pokémon-Karten entworfen und ihre Namen in japanischen Schriftzeichen geschrieben. Auch der Student hatte so viel Spaß an EmS, dass er inzwischen das dritte Jahr in Folge dabei ist.“

Miriam Hoffmeyer (26. Juni 2026)