„Ein wichtiges Signal für Europas Zukunftsfähigkeit“

Europas Talente im Blick: Das Erasmus+ Programm ist eine Erfolgsgeschichte.

Die Mitgliederversammlung des DAAD fordert eine deutliche finanzielle Stärkung des Erasmus+ Programms. Wie entscheidend diese Mittelerhöhung für die Zukunft Europas ist, erläutert im Kurzinterview Dr. Stephan Geifes, Direktor der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit.

Herr Dr. Geifes, wo steht das Eramus+ Programm heute?

Erasmus+ verdeutlicht den Europäerinnen und Europäern den Wert ihrer Gemeinschaft auf einzigartige, unmittelbare Weise. Das Programm ist quantitativ und qualitativ eine Erfolgsgeschichte. Allein aus Deutschland haben seit dem Start des Programms im Jahr 1987 über eine Million Studierende, Lehrende und Mitarbeitende am intensiven europäischen Austausch teilgenommen; im Gegenzug sind über 700.000 internationale Hochschulangehörige nach Deutschland gekommen. Erasmus+ bringt junge Menschen voran: Es erweitert ihren Horizont, stärkt ihre Persönlichkeit und erhöht ihre Beschäftigungsfähigkeit. Auf institutioneller Ebene ist Erasmus+ essenziell für die Internationalisierung der deutschen Hochschulen und fördert zudem mit den Europäischen Hochschulen die europäische Vernetzung auf der universitären Ebene. Erasmus+ strahlt tief in die europäischen Gesellschaften aus und unterstützt effektiv das weitere Zusammenwachsen und den Zusammenhalt Europas.

Dr. Stephan Geifes: „Jede neue Generation muss von den Vorteilen des Erasmus+ Programms profitieren können“

Was kann Erasmus+ künftig für Europa leisten?

Erasmus+ hat entscheidende Bedeutung für die langfristige Förderung der europäischen Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Dafür muss aber jede neue Generation von den Vorteilen des Programms profitieren können. Dann kann das europäische Wertesystem nachhaltig gestärkt werden. Die Gesellschaften Europas bauen auf diese Werte auf – und die Volkswirtschaften profitieren von den mit Erasmus+ erworbenen Kompetenzen und Fähigkeiten. Erasmus+ zahlt damit auch direkt ein auf die im März 2025 vorgelegte „Union of Skills“, die Schlüsselstrategie der Europäischen Kommission zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Auch die Zielsetzung „Europe on the Move – learning mobility opportunities for everyone“ des Europäischen Bildungsraums wird durch Erasmus+ gestärkt: Auslandsaufenthalte sollen für eine immer größer werdende Gruppe zum integralen Bestandteil ihres Studiums werden. Dazu muss Erasmus+ noch inklusiver werden und die Chancen für bisher weniger mobile Studierendengruppen erhöht werden.

Was benötigt Erasmus+ für eine erfolgreiche Zukunft?

Die beschriebenen Erfolge von Erasmus+ sind keine Selbstläufer. Allein um das hohe Niveau der umfangreichen Internationalisierung zu halten, wäre aus unserer Sicht für die Programmgeneration 2028–2034 ein Budget von 46 Milliarden Euro notwendig; das würde auch die Inflation ausreichend berücksichtigen. Aber letztlich soll ja – auch mit dem Ziel der gesteigerten Inklusion – die Mobilitätsquote erhöht werden: Mittelfristig soll nach Vorgaben der Europäischen Union ein Viertel aller EU-Hochschulabsolventinnen und -Hochschulabsolventen während ihres Studiums im europäischen Ausland gewesen sein. Dafür ist ein Gesamtbudget von mindesten 60 Milliarden Euro notwendig, von denen weiter ein Drittel, also 20 Milliarden Euro, an die Hochschulen gehen sollte. Die Mitgliederversammlung des DAAD hat die Notwendigkeit dieser Mittelaufstockung unterstrichen. Das ist ein wichtiges Signal für die Internationalisierung der europäischen Hochschulen und die Zukunftsfähigkeit Europas.

Interview: Johannes Göbel (24. Juni 2025)

 

Verwandte Themen