25 Jahre Carlo-Schmid-Programm: Sprungbrett zur Weltbühne
Seit 2001 ermöglicht das Carlo-Schmid-Programm (CSP) deutschen Studierenden und Graduierten, ein Praktikum bei internationalen Organisationen und EU-Institutionen. Dabei erhalten sie nicht nur tiefe Einblicke in die Arbeit auf globaler Ebene, sondern knüpfen auch wertvolle Kontakte für ihren weiteren beruflichen Weg. Zum 25. Jubiläum des Programms berichten drei Alumni von ihren persönlichen Erfahrungen und davon, wie das CSP ihr Leben nachhaltig geprägt hat.
An Verantwortung wachsen
„Ich hatte mein Praktikum selbst organisiert. Das war ein Experiment für beide Seiten, da meines Wissens zuvor noch kein Carlo-Schmid-Praktikant bei der IOM oder in Tschechien generell gewesen war. Das Vertrauen, das man mir bei der IOM entgegenbrachte, war wirklich beeindruckend. Man hat mich direkt als vollwertigen Mitarbeiter integriert, was mir ermöglichte, eigenverantwortlich an wichtigen Aufgaben zu arbeiten. Besonders überraschend war es, dass ich die Gelegenheit bekam, einen Förderantrag an das zuständige tschechische Ministerium selbst zu verfassen – eine Verantwortung, die ich zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet hatte. Diese Erfahrung hat mein Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten gestärkt und mir gezeigt, wie wichtig es ist, Herausforderungen anzunehmen und dabei auch auf das Vertrauen der Kollegen bauen zu können.
Was mir besonders positiv in Erinnerung geblieben ist, war die Mission nach Ulaanbaatar in der Mongolei im Winter. Es war eine außergewöhnliche Erfahrung, bei der wir an der Entwicklung von Strategien arbeiteten, um Reintegrationsmaßnahmen für Frauen zu gestalten, die aus Europa zurück in die Mongolei gekommen waren. Es war eine sehr bewegende und gleichzeitig bereichernde Erfahrung, in der ich viel über Resilienz und die Bedeutung von Unterstützung und Verständnis für traumatisierte Menschen gelernt habe.
Ein wichtiges Learning war, dass nachhaltige Veränderungen Zeit und Engagement erfordern – sei es in der Migration oder in der Energieversorgung. Diese Geduld und Ausdauer prägen meine Herangehensweise an berufliche und persönliche Herausforderungen bis heute.“
Einsatz für Afghanistan
„Nur wenige Wochen nach dem Ende meines Studiums zog ich im Herbst 2003 von Berlin nach New York, um das Praktikum im Büro für Projektdienstleistungen der Vereinten Nationen (UNOPS) anzutreten. Das Stipendium im Rahmen des Carlo-Schmid-Programms gab mir einen umfassenden Einblick im Bereich Portfolio-Management und hat den Grundstein für meinen weiteren beruflichen Werdegang gelegt. Noch während des Praktikums wurde mir angeboten, das Landesbüro in Afghanistan mitaufzubauen. Keine drei Wochen nach Ende des Praktikums kam ich in Kabul an, um die historischen Präsidentschaftswahlen 2004 vorzubereiten und wichtige Erfahrungen mit Wahlprozessen und im Projektmanagement zu sammeln.
Im weiteren Verlauf konnte ich die erworbenen Fähigkeiten in einem Programm zur Entwicklung ländlicher Infrastruktur einbringen und durch Dienstreisen Land und Menschen kennenlernen, mich zur Wirkung der Projekte erkundigen, und mit Kolleginnen und Kollegen sowie Mitarbeitenden des Ministeriums für ländliche Entwicklung austauschen. Mit den erworbenen Kenntnissen wurden neue Projektanträge formuliert und der Weltbank zur Finanzierung unterbreitet. Die Verantwortung, mit der man in jungen Jahren umzugehen lernt, hat mich bis heute geprägt. Es gibt keine Aufgabe, die nicht lösbar ist, vor allem wenn man als Team eine gemeinsame Vision entwickelt und an einem Strang zieht.
Auch 20 Jahre später, nach weiteren Stationen mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen in Genf sowie der VN-Friedensmission MONUSCO in Kinshasa und Goma (Demokratische Republik Kongo) hat die Tätigkeit für die Vereinten Nationen nichts an ihrer Faszination verloren, gleichwohl seit geraumer Zeit humanitäre Krisen und Konflikte zugenommen haben. Das Praktikum hat mich in meiner Entscheidung bestärkt, diese Entwicklungen nicht hinzunehmen, sondern vor Ort tätig zu sein. Auch wenn die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan zurecht viele Fragen bezüglich der Wirkung und Grenzen multilateraler Zusammenarbeit aufgeworfen hat, denke ich, dass unsere Arbeit nützlich war und einer Generation junger Afghaninnen und Afghanen neue Perspektiven gegeben hat, sowie eine Vorstellung von universellen Menschenrechten, für die es sich lohnt, einzustehen.“
Für die Klimaforschung bis nach Japan
„Meine Zeit in Genf hat wirklich Spuren hinterlassen. Positive! Die Vernetzungsmöglichkeiten, zu denen ich innerhalb meines Carlo-Schmid-Praktikums im World Climate Research Programme (WCRP) der World Meteorological Organisation (WMO) Zugang erhalten habe, haben sich als wahre Türöffner zu neuen Abenteuern herausgestellt und mich sogar bis nach Japan geführt: Beispielsweise hat mir die Zusammenarbeit mit einem japanischen Projektpartner als Teil meiner Praktikumsaufgaben geholfen, nach meiner Zeit in Genf innerhalb eines anderen Stipendienprogramms ein selbstorganisiertes Praktikum bei diesem Partner in Japan durchzuführen. So hatte ich komplementäre Einblicke in die praktische Klimaforschung eines Partners vor Ort, die ich zuvor im WCRP als Teil eines globalen Projekts koordiniert hatte. Meinen Aufenthalt in Japan habe ich zusätzlich dazu genutzt, einen ehemaligen Kollegen aus der WMO und seine Familie in einem typischen japanischen Zuhause zu besuchen. Ein unvergessliches Erlebnis, welches ohne das Carlo-Schmid-Programm so nicht passiert wäre!
Ich muss ehrlich gestehen, dass mir vor Beginn meines Praktikums nicht bewusst
war, wie elementar, umfassend und herausfordernd die Koordination und Vernetzung innerhalb der Klimaforschung ist, um diese überhaupt erst voranzubringen. Als Carlo-Schmid-Fellow im WCRP bin ich daher eher mit einer ‚forschenden‘ und weniger mit einer ‚koordinierenden‘ Brille in das Praktikum gegangen. Schnell hatte sich jedoch gezeigt, dass meine Aufgaben sich mit der zweiten Perspektive befassen würden, wodurch ich sehr viele Aha-Momente erlebt habe. Durch das koordinative Vorantreiben der Vernetzung von Klimaforschenden und deren Netzwerken auf fast allen Kontinenten dieser Erde konnte ich Einblicke in verschiedene Herangehensweisen, Methoden, Verständnisse, Prioritäten und Herausforderungen in der Klimarisikoforschung in unterschiedlichen Regionen und Kontexten kennenlernen und mitnehmen. Gleichzeitig ist mir bewusst geworden, wie wertvoll die Koordination von interdisziplinärer Vernetzung ist, um Synergien durch Zusammenarbeit zu ermöglichen.“