Förderprogramm „Integra“: Vom Ratsuchenden zum Ratgeber

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Akram Hejjo hat durch einen Sprachkurs Deutsch gelernt, den der DAAD im Programm „Integra“ fördert

Der Syrer Akram Hejjo kam vor drei Jahren nach Deutschland und lernte mithilfe des „Integra“-Programms Deutsch. Heute studiert er Bauingenieurwesen und berät nebenbei Geflüchtete, die ebenfalls an die Hochschule wollen. 

Wenn Geflüchtete zu Akram Hejjo zur Beratung kommen, dann wollen viele den Weg gehen, den er schon gegangen ist. Drei Jahre ist es her, dass er aus Syrien nach Deutschland kam. Heute studiert der 27-Jährige an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim. Im Rahmen von „HAWK open“, einem Projekt, das beispielsweise bei Fragen zum Studienstart, der Anrechnung von Studienleistungen oder der Finanzierung hilft, berät er Geflüchtete, die ebenfalls den Schritt an die Hochschule schaffen wollen.

Er informiert über passende Sprachkurse oder erklärt, welche Unterlagen man für die Bewerbung an einer Hochschule benötigt. Außerdem gibt er Schulungen zu Computer-Programmen und erzählt auch von seinem eigenen Studium: Bauingenieurwesen. „Ich weiß selbst noch von früher, wie schwierig es ist, wenn einem Informationen fehlen“, sagt er. Deswegen sei eine Informations- und Beratungsstelle auch so wichtig. „Die Arbeit macht mir viel Freude, weil ich weiß, dass ich etwas Gutes tue“, so Hejjo.

Herausragende Inhalte und Qualität

Im syrischen Aleppo hat er einen Bachelor gemacht. Dann musste er sein Heimatland verlassen. Über Umwege kam er schließlich nach Hildesheim, wo ihm ein Intensivsprachkurs half, sich auf das weitere Studium vorzubereiten. Zu Beginn des Kurses konnten er und die anderen Teilnehmer nur die wesentlichen Inhalte von Unterhaltungen verstehen. „Am Ende konnten wir über alle möglichen Themen genau diskutieren“, erzählt er über den Kurs, den der DAAD im Programm „Integra“ fördert (siehe Infobox). „Der Kurs war das Beste, was man hier mit Blick auf Inhalte und Qualität bekommen kann“, so Hejjo. 

Nach bestandener Sprachprüfung schrieb er sich direkt als Gasthörer für Bauingenieurwesen ein – auch wenn er noch sehr großen Respekt vor dem Studium hatte. „Die Inhalte ähneln denen in Syrien, aber hier in Deutschland muss man sich viel mehr alleine erarbeiten“, erklärt Hejjo. Seine Befürchtungen waren jedoch unbegründet – er meisterte alle Prüfungen im ersten Versuch. Seit Herbst 2017 macht er nun seinen Master in Bauingenieurwesen. „Das Studium und der Nebenjob – das ist schon ein bisschen stressig“, sagt Hejjo, „aber es macht auch einfach unglaublich viel Spaß, immer wieder Neues zu lernen.“ 

Freie Zeit sinnvoll nutzen

Neben seinem Studium und dem Nebenjob bei „HAWK open“ engagiert sich der 27-Jährige ehrenamtlich. Nachdem er seinen Deutschkurs fürs Studium beendet hatte, wollte er die freie Zeit sinnvoll nutzen. Seitdem arbeitet er bei einem sozialen Mittagstisch in Hildesheim, bei dem Essen an Bedürftige ausgegeben wird. Sein Engagement sieht er auch als Dank für die Unterstützung, die er in seiner Anfangsphase in Deutschland bekommen hat. „Ich will etwas von dem zurückgeben, was ich bekommen habe“, erklärt der junge Syrer. 

Wie es nach dem Studium im kommenden Jahr weitergeht, ist noch unklar. Am liebsten würde Hejjo als Statiker arbeiten. Irgendwann nach Syrien zurückzukehren, könne er sich vorstellen, erzählt er. Jedoch sei derzeit nicht absehbar, wann das möglich sein wird. „Und wer weiß schon, was in ein paar Jahren ist?“ Auch den Weg, den Akkram Hejjo gegangen ist, hätte vor drei Jahren vermutlich niemand vorhergesehen.

Hendrik Bensch (10. April 2018)

DAS FÖRDERPROGRAMM


„Integration von Flüchtlingen ins Fachstudium“ („Integra“)

Das „Integra“-Programm ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets des DAAD, für das das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2019 insgesamt 100 Millionen Euro bereitstellt. Integra bereitet Geflüchtete durch Sprachkurse und fachliche Propädeutika auf ein Studium vor und erleichtert ihnen so den Einstieg ins Studium an einer deutschen Hochschule. Derzeit unterstützt das Programm 166 Projekte an Hochschulen und Studienkollegs.