Geflüchtete Studentin aus Syrien: Schneller Start in Deutschland

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Raghad Koko: "Alle haben mir gesagt: Das ist zu schwierig"

Ohne deutsche Sprachkenntnisse kam Raghad Koko 2015 nach Deutschland. Schon anderthalb Jahre später begann die Syrerin ihr Informatikstudium in Berlin – und hofft nun auf eine Forscherkarriere.

In Deutschland studieren, das war Raghad Kokos Ziel – am liebsten Architektur oder Informatik. Doch als sie 2015 aus dem syrischen Aleppo in die Nähe von Berlin kam, war die deutsche Sprache für sie etwas völlig Neues. „Am Anfang habe ich gedacht, dass es sehr lange dauern würde, bis ich hier studieren kann“, erzählt sie heute mit nur noch ganz leichtem Akzent. „Alle haben mir gesagt: Das ist zu schwierig, du brauchst mindestens drei Jahre, um auf ein gutes Niveau zu kommen.“ Heute studiert sie bereits im zweiten Semester Informatik an der Freien Universität (FU) Berlin.

Den Weg zum Studium hat sich die 21-Jährige hart erarbeitet. Da es anfangs keinen Deutschkurs für sie gab, brachte sie sich die Grundlagen selbst bei. Sie schaute sich Lernvideos auf der Videoplattform YouTube an und arbeitete Bücher durch, bis sie schließlich einen Kurs an der Volkshochschule fand. Als sie sich dann schon nach kurzer Zeit auf Deutsch verständigen konnte, fing sie gleich an, sich ehrenamtlich zu engagieren. Regelmäßig arbeitete sie in einem Flüchtlingsheim. Sie übersetzte Briefe vom Amt, half bei der Kleiderausgabe und begleitete Studierende, die in einem Projekt herausfinden wollten, welche Unterstützung geflüchtete Frauen benötigen. „Ich wollte sofort helfen, so wie es viele andere auch getan haben“, erzählt die 21-Jährige.

Nicht nur Grammatik gelernt

Dass sie dann bereits Ende 2016 mit dem Studium beginnen konnte, führt sie vor allem auf den Deutschkurs zurück, den sie an der FU belegen konnte. Bei dem Kurs, der im Rahmen des DAAD-Programms Welcome (siehe Info-Box unten) gefördert wurde, paukte sie jeden Tag acht bis neun Stunden lang Deutsch. Lehrerinnen und Lehrer, die bereits einen Studienabschluss hatten, sowie Lehramtsstudierende brachten ihr und anderen Geflüchteten die Sprache bei. Dabei stand nicht nur die Grammatik im Mittelpunkt. Um fit fürs Studium zu werden, hielten die Teilnehmer auch Präsentationen und stellten dabei zum Beispiel Studienergebnisse vor. „Die Lehrer waren sehr gut“, sagt Raghad Koko rückblickend. „Ohne den Kurs hätte ich nie so schnell mit dem Studium anfangen können.“ Auch durch Tandempartner lernte sie immer besser Deutsch.

„Anstrengend, aber machbar“

So bestand sie schließlich die Deutschprüfung, die sie für die Zulassung zum Studium benötigte, und startete an der FU Berlin. Dabei konnte sie es kaum erwarten, wieder an die Uni zu gehen. „Ich wollte unbedingt anfangen, weil ich langsam wieder Dinge vergaß, die ich in meinem Studium in Syrien gelernt hatte“, erzählt Koko. In Syrien hatte sie Maschinenbaukurse an der Universität belegt – wobei ihr großer Wunsch immer war, Informatik zu studieren. „In der Informatik geht es darum, auf logische Weise durch das Programmieren zu konkreten Ergebnissen zu kommen – das gefällt mir sehr gut.“ Mit Tutorien, Vorlesungen und Praktika ist ihr Stundenplan sehr voll. Nebenbei lernt sie auch noch Englisch. „Es ist anstrengend, aber machbar“, erzählt die 21-Jährige.

Später einmal will sie ihr Wissen aus der Informatik und dem Maschinenbau miteinander kombinieren. „Ich würde sehr gerne in die Forschung gehen.“ Sie kann sich sehr gut vorstellen, beispielsweise bei einem Fraunhofer-Institut zu arbeiten. „Das würde mir Spaß machen“, sagt sie und schaut hoffnungsvoll in die Zukunft.

Hendrik Bensch (5. Februar 2018)

Das Förderprogramm

„Welcome – Studierende engagieren sich für Flüchtlinge“

Orientierung geben, Barrieren überwinden, Hilfestellung bieten: Hunderte Studierende in ganz Deutschland setzen sich mit großem Engagement dafür ein, dass Flüchtlinge an Hochschulen Fuß fassen. Der DAAD unterstützt ihre Arbeit unter anderem mit dem Programm „Welcome – Studierende engagieren sich für Flüchtlinge“. Das Programm wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert. Dabei wurden im Jahr 2016 in 162 Projekten über 900 studentische Hilfskräfte an deutschen Hochschulen – aus allen Bundesländern und jeden Hochschultyps – gefördert. Die studentischen Hilfskräfte engagieren sich in rund 450 Initiativen für die Geflüchteten. Dazu zählen beispielsweise Buddy- und Mentorenprogramme. Auch durch Projekte zur Sprachvermittlung durch Lehramtsstudierende oder Studierende der deutschen Sprache erhalten die Geflüchteten Unterstützung.

Flüchtlinge an Hochschulen – Programme und Maßnahmen