Italien: Bildung und Wissenschaft

Ein Denkmal von einem Mann.

Ancona, Bari, Mailand und Turin haben jeweils ein Politecnico, d.h. eine staatliche Hochschule, in der vor allem Studiengänge im Bereich der Ingenieurwissenschaften angeboten werden. Vier staatliche Design-Hochschulen (Istituto Statale per le Industrie Artistiche / ISIA) befinden sich in Faenza, Florenz, Rom und Urbino, während Studiengänge im Bereich der bildenden und darstellenden Künste an verschiedenen Akademien und Instituten angeboten werden. 21 davon sind staatlich anerkannt und dürfen sogenannte AFAM-Diplome anbieten ('Alta Formazione Artistica, Musicale e Coreutica' / Höhere künstlerische, musikalische und choreographische Bildung). Zum AFAM-Bereich gehören auch 59 Konservatorien.
Untern den 19 privaten Universitäten sind aufgrund ihres Bekanntheitsgrades die Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi in Mailand und die LUISS in Rom hervorzuheben. Italien zählt außerdem 11 nicht-staatliche Fernuniversitäten.
Die Freien Universitäten im Aostatal, in Bozen und Enna werden von der jeweiligen Region bzw. Provinz gefördert. Die Freie Universität Bozen ist darüber hinaus eine dreisprachige Universität, an der Unterricht auf Italienisch, Deutsch und Englisch stattfindet.
An den 'Università per Stranieri' in Perugia, Reggio Calabria und Siena werden Italienischkurse für Ausländer sowie Studiengänge für Italienisch als Fremdsprache und Kommunikation angeboten.

Zwölf 'Scuole Superiori' gelten durch ihre strengen Aufnahmeregelungen und ihre Orientierung an den französischen 'Grandes Ecoles' als staatliche Exzellenzhochschulen. Einige von ihnen sind in einer Universität integriert, andere genießen – wie z. B. die Scuola Normale Superiore in Pisa – einen eigenständigen Status. Einige dieser Bildungsanstalten sind gleichzeitig auch Doktorandenschulen. Ausschließlich Promotionsstudiengänge bieten die vier Einrichtungen der 'alta formazione dottorale' an (GSSI in L’Aquila, SUM in Florenz, IMT in Lucca und SISSA in Triest).

Laut dem Ministerium für Bildung, Universität und Forschung (MIUR) waren im akademischen Jahr 2016/2017 1.654.680 Studierende an italienischen Universitäten eingeschrieben. Der Anteil der weiblichen Studierenden betrug 56 Prozent. Die Anzahl der eingeschriebenen Studierenden ist in den letzten Jahren leicht zurückgegangen. Im akademischen Jahr 2012/2013 waren es noch 1.709.408.

In Italien sind die meisten Studiengänge nach dem Bachelor-/Master-System organisiert, wobei der Bachelor 'Laurea Triennale' und der Master 'Laurea Magistrale' oder 'Laurea Specialistica' heißen. Die Dauer einer 'Triennale' beträgt in der Regel drei, die der 'Magistrale/Specialistica' in den meisten Fällen zwei Jahre. Die Anzahl der zu erbringenden ECTS-Punkte (in Italien: Credito formativo uni-ver-sitario/CFU) beträgt entsprechend der Bologna-Reform 180 bzw.120.
In den Bereichen Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie, Architektur und Bauingenieurwesen sind die fünf- bzw. sechsjährigen Studiengänge einstufig und führen zur sog. 'Laurea Magistrale a Ciclo Unico'.

Die akademische Ausbildung der Grundschullehrer erfolgt ebenfalls über einen einstufigen fünfjährigen Studiengang in Bildungswissenschaften. Wer Lehrer an einer weiterführenden Schule werden möchte, absolviert zunächst einen Masterstudiengang (idealerweise im zu unterrichtenden Fach). Daran schließt sich eine weitere Ausbildungsphase an. Von 2011 bis 2017 bestand diese aus dem 'Tirocinio Formativo Attivo'/TFA, einer Kombination von Hochschulstudium und Schulreferendariat mit einer Gesamtdauer von einem Jahr. Seit 2018 wird der TFA nicht mehr angeboten und soll durch eine neue Art von Lehrerausbildung bzw. Lehrerauswahlverfahren ersetzt werden. Diese neue Prozedur sieht als erste Etappe den Erwerb von 24 ECTS-Punkten in didaktischen und pädagogischen Kursen vor, die von Universitäten angeboten werden. Danach muss man ein Auswahlverfahren bestehen, um eine dreijährige Ausbildung ('Formazione Iniziale e Tirocinio'/FIT) zu absolvieren, die eine Art Schulreferendariat einschließt.

Der Unterricht erfolgt an italienischen Universitäten üblicherweise in Form von Vorlesungen. Unterrichtssprache ist vorwiegend Italienisch. Laut der Datenbank von Uni-Italia, einer Organisation, die mit der Werbung für den Studienstandort Italien im Ausland betraut ist, bieten italienische Hochschulen derzeit 694 Studiengänge auf Englisch an.
Im Laufe des Studiencurriculums sind zum größten Teil mündliche Prüfungen abzulegen. Benotet werden sie gemäß einer Notenskala, die von 18 (ausreichend) bis 30 (sehr gut) bzw. 30 'e lode' (sehr gut mit Auszeichnung) geht. Beim Studienabschluss gilt eine Notenskala, bei der die höchste Note 110 'e lode' ist. In diese Note fließen der Notendurchschnitt und die Bewertung der Abschlussarbeit ein.

Bei vielen Universitäten findet man Bildungsangebote, die auf Italienisch 'Master' genannt werden. Hierbei handelt es sich um einjährige Aufbaustudiengänge. Absolventen der 'Laurea Triennale' können Master des 1. Niveaus ('Master di Primo Livello'), Absolventen der Laurea Magistrale/Specialistica können Master des 1. und des 2. Niveaus ('Master di Secondo Livello') besuchen.
Ein Hochschulabsolvent führt in Italien bereits nach der 'Laurea Triennale' oder 'Magistrale/Specialistica' den Titel 'dott.' ('dottore', mask.) oder 'dott.ssa' ('dottoressa', fem.). Den Titel 'dott. ric.' ('dottore di ricerca'), der dem PhD entspricht, erlangt man durch ein erfolgreich abgeschlossenes Promotionsstudium. Dieses dauert in der Regel drei Jahre und sieht neben der Forschungsarbeit und der Anfertigung der Doktorarbeit - vor allem im ersten Studienjahr - den Besuch von Lehrveranstaltungen vor. Für die Doktorarbeit besteht keine Publikationspflicht.

Studienplätze in den Bereichen Medizin, Zahnmedizin, medizinische Berufe, Tiermedizin, Architektur und Bildungswissenschaften werden auf der Basis eines nationalen Numerus Clausus (NC) vergeben. Zusätzlich dazu müssen Studienanwärter einen Eignungstest bestehen. Auch bei einem großen Teil der Studiengänge ohne NC werden Eignungstests für die Auswahl der angehenden Studierenden eingesetzt.
Der Zugang zum Promotionsstudium ist durch die erfolgreiche Teilnahme an einem mehrstufigen Auswahlverfahren ('concorso') geregelt. Die Universitäten legen jeweils die Promotionsstudienplätze in den einzelnen Disziplinen fest und schreiben sie aus. Interessierte bewerben sich innerhalb einer bestimmten Frist. Bewerber, die den Zugangsvoraussetzungen entsprechen, werden dann zu einer schriftlichen und einer mündlichen Aufnahmeprüfung eingeladen. Ein Teil der Promotionsstudienplätze ist normalerweise an ein Stipendium gekoppelt.

Italienische Universitäten erheben Studiengebühren. Das betrifft auch das Promotionsstudium. Die Höhe der Studiengebühren variiert von Hochschule zu Hochschule, oft auch von Studiengang zu Studiengang derselben Hochschule. Sie ist außerdem vom Familieneinkommen abhängig. Der von der italienischen Verbraucherzentrale ‘Federconsumatori‘ ermittelte Durchschnittswert bezüglich der niedrigsten Einkommensklasse belief sich im akademischen Jahr 2017/2018 auf  316,82 Euro pro Jahr, während der Durchschnittswert für die höchste Einkommensklasse 2.446,45 Euro jährlich betrug.  Unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Schwerbehinderung, hervorragende Studienleistungen, Bezug eines Stipendiums usw.) können Studierende von den Studiengebühren befreit werden.

Die staatlichen italienischen Universitäten, die in den einschlägigen internationalen Hochschulrankings 2016-2017 die höchsten Plätze belegen, sind:
Scuola Normale Superiore Pisa (THE 155), Universität Sapienza Rom (ARWU 151-200; WUR 84), Universität Padua (ARWU 151-200; WUR 164), Universität Mailand (WUR 169), Scuola Superiore Sant’Anna Pisa (THE 184), Universität Bologna (THE 201-250; WUR 193).

Der italienische Staat hat die Universitäten im Jahr 2017 mit 6,98 Mrd. Euro finanziert. Das stellt eine leichte Steigerung im Vergleich zum Budget von 2015 und 2016 dar, das 6,38 bzw. 6,58 Mrd. Euro betrug. Mit dem Haushaltsgesetz 2017  wurde die Schaffung eines Fonds zur Finanzierung von exzellenten Hochschuldepartments (271 Mio. Euro jährlich ab 2018) sowie die Einrichtung eines Haushaltstitels für Grundlagenforschung an Universitäten (45 Mio. Euro jährlich ab 2017) beschlossen.
Laut Eurostat investierte die italienische Regierung im Jahr 2016 1,05 Prozent ihrer Gesamtausgaben in Forschung und Entwicklung. Im Vergleich dazu: Portugal und Deutschland, die diese Statistik anführen, investierten 2,01 Prozent bzw. 1,98 Prozent. Nachdem von 2007 (1,32 Prozent) bis 2015 (1,01 Prozent) die Ausgaben des italienischen Staates für Forschung und Entwicklung konstant zurückging, verzeichnet das Jahr 2016 also eine leichte Trendwende.

Verfasserin: Valentina Torri, Leiterin des Informationszentrums Rom

Der DAAD ist in Italien mit einem Informationszentrum in Rom vertreten. Darüber hinaus sind 13 Lektorate auf die Universitäten in Bari, Bologna, Cagliari, Florenz, Genua, Mailand, Neapel, Palermo, Rom/Sapienza, Rom/Roma Tre, Udine und Turin verteilt.