Zukunft der Hochschulbildung: global, lokal, digital

Leibniz-Gemeinschaft/André Beckersjürgen

Teilnehmer des Global Learning Council: gepflegte Vernetzung, auch in den Konferenzpausen

Bei der unter anderem vom DAAD organisierten Gipfelkonferenz des Global Learning Council in Berlin diskutierten Experten aus aller Welt Formen des digitalen Lernens, unabhängig von Alters- und Ländergrenzen. Im Bereich der universitären Bildung ist Digitalisierung im Kontext von Mobilität, Weiterbildung und der Internationalisierung der Hochschulen zentrales Thema für den DAAD, der durch seine Generalsekretärin Dr. Dorothea Rüland auf einem Panel vertreten war.

„Von Zeit zu Zeit sollten wir alle mal wieder zurück an die Universität, um unsere intellektuellen Batterien aufzuladen“, plädierte DAAD-Generalsekretärin Dr. Dorothea Rüland auf der Gipfelkonferenz des Global Learning Council (GLC), die in diesem Jahr unter der Gastgeberschaft der Leibniz-Gemeinschaft und mit Beteiligung des DAAD in Berlin stattfand. Konsens auf der Konferenz war: Im digitalen Zeitalter werden sich die Menschen weltweit und lebenslang an die rasante Entwicklung digitaler Technologien anpassen müssen. Weder ist technologiegestütztes Lernen aus dem Bildungsalltag wegzudenken, noch kann Ausbildung als etwas Abgeschlossenes betrachtet werden. „Wir müssen immer wieder lernen, uns neues Wissen anzueignen und fruchtbar einzusetzen“, so Dorothea Rüland auf dem Panel zur digitalen Transformation der Hochschulbildung. Neben Schulen und Unternehmen täten auch die Hochschulen gut daran, sich an diese Entwicklung zügig anzupassen – und zwar mit Lernumgebungen in der virtuellen Welt.

Global Learning Council: der DAAD und die Digitalisierung

Leibniz-Gemeinschaft/André Beckersjürgen

Dorothea Rüland: Plädoyer für die Energie des Wissens

Mit Blick auf die Implementierung digitaler Angebote in die Hochschulbildung zeigte das Hochschulpanel der Konferenz, dass Industrieländer durchaus von Entwicklungs- und Schwellenländern lernen können. „Nach meiner Erfahrung finden afrikanische Studierende sofort einen Weg, sich digitale Kurse zunutze zu machen“, sagte Elijah Bitange Ndemo, Professor für Unternehmertum an der School of Business der Universität Nairobi. Dabei würde so manche technische Entwicklung einfach übersprungen: Auf dem afrikanischen Land wurde der Computer ausgelassen und gleich auf mobile Plattformen gesetzt. Eine bürokratische Struktur der Implementierung sei also eher hinderlich, weil gegenüber der technologischen Entwicklung schlicht zu langsam.

Global Learning Council: der DAAD und die Digitalisierung

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Auf dem Podium zur digitalen Transformation der Hochschulbildung (v. l.): HRK-Generalsekretär Jens-Peter Gaul, DAAD-Generalsekretärin Dorothea Rüland, Friedrich W. Hesse, wissenschaftlicher Vizepräsident der Leibniz-Gemeinschaft, Elijah Bitange Ndemo von der Universität Nairobi und Bror Saxberg von Kaplan Inc.

Etwas anders sieht das in Deutschland wie auch in anderen Industrieländern aus. Hier scheint es derzeit entscheidend, dass sich eine umfassende Digitalisierungsstrategie auf der Leitungsebene der Hochschulen entwickelt, um Hürden bei der Einführung und Nutzung digitaler Lernumgebungen durch das Lehrpersonal abzubauen. Es braucht Positionierungen und Impulse. Wie etwa zuletzt aus dem Direktorium der Universität Göttingen – einer der ältesten und größten Universitäten Deutschlands, die jetzt mit Hilfe von digitalen Formaten die Curricula sämtlicher Fakultäten internationalisieren will. Unterstützt wird die Universität dabei vom DAAD, erzählte in Berlin Katrin Haufe-Wadle, Referentin für Digitale Hochschulbildung im DAAD: „Die enormen Möglichkeiten der Digitalisierung im Kontext der Internationalisierung der Curricula liegen auf der Hand.“

Chance für „glokal“ passende Angebote

In digitale Module des Curriculums können regionale Besonderheiten flexibel eingebaut werden – nicht nur mit Blick auf kulturelle Unterschiede und verschiedene Lernansätze, sondern auch mit Rücksicht auf Praxisorientierung und den jeweiligen lokalen Arbeitsmarkt. „Global funktionierende Curricula mit lokal orientiertem Inhalt gehören nach dem Verständnis des DAAD zu einem wirklichen interkulturellen Dialog und effektiver Internationalisierung“, sagte Katrin Haufe-Wadle. 

Global Learning Council: der DAAD und die Digitalisierung

Leibniz-Gemeinschaft/André Beckersjürgen

Begegnung bei der GLC-Gipfelkonferenz: Gespräche über Digitales, Internationales und manches mehr

Auch für die internationale Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern sieht der DAAD viele Chancen in der virtuellen Welt. „Die interkulturelle Begegnung ist natürlich nicht ersetzbar“, betonte Generalsekretärin Dorothea Rüland auf dem GLC-Panel. „Aber in Zeiten politischer Krisen ist virtuelle Mobilität mitunter die einzige Option für den internationalen Austausch.“ Anders formuliert: Wer nicht raus kann, hat in virtuellen Mobilitätsfenstern dennoch eine Chance auf grenzüberschreitenden Austausch. Und wer nicht raus will, bekommt vielleicht doch noch Lust, während einer Summer School im Ausland den Menschen real zu begegnen, die er bereits im virtuellen Schulungsraum kennengelernt hat. Wichtig sind positive Lernerfahrungen im virtuellen Raum jedenfalls auch für die anbietenden Hochschulen. Werde etwa über sie in den sozialen Medien weltweit positiv berichtet, befördere dies ihre erfolgreiche Internationalisierung, so Katrin Haufe-Wadle.

Leidenschaftliche Anpassung an neue Realitäten

„Die Menschheit war immer gut darin, sich an neue Umgebungen anzupassen“, gab Professor Friedrich W. Hesse, wissenschaftlicher Vizepräsident der Leibniz-Gemeinschaft, zu bedenken. „Jetzt haben wir eine sich verändernde Umgebung und wir können sogar etwa dafür tun, unsere neue Informationsumwelt zu gestalten.“ In der digitalen Welt können zum Beispiel völlig andere Architekturen von Schulungsräumen eingerichtet werden, hebt Katrin Haufe-Wadle hervor: „Kein Unterricht von der Kanzel mehr, stattdessen Lernen in kooperativen, demokratisch organisierten Arbeitsgruppen.“ Ein wertvolles Ziel, für das es sich international einzusetzen lohnt. Deshalb betont Bror Saxberg, Vorstand der Kaplan Inc., eines führenden Anbieters digitaler und internationaler Bildungsformate, beim Thema technologiebasiertes Lernen auch den Wert von Liebe und Leidenschaft. Das seien wichtige Voraussetzungen – fast wichtiger als Geld.

Aber nur fast. Im Anschluss an den GLC-Gipfel folgte in Berlin eine Fachtagung beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Digitalen Hochschulbildung – ein Treffen, das Katrin Haufe-Walde vom DAAD besonders freut: „Die Geldgeber wollen konkrete Ideen sammeln, wie die Zukunft der Digitalen Hochschulbildung in Deutschland nachhaltig im Kontext der Internationalisierung gefördert werden kann.“ Mit den Anregungen vom GLC-Gipfel – der neben der Leibniz-Gemeinschaft und dem DAAD auch von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), der Deutschen Telekom Stiftung, der Fraunhofer-Gesellschaft, dem Hochschulforum Digitalisierung und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) organisiert wurde – sind die Teilnehmer bestens gerüstet.

Bettina Mittelstraß (11. Juli 2017)