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Dr.  Hakim Al-Nagah, Berater im libyschen Hochschulministerium: „Ich bin in Marburg verliebt!“

Zum dritten Mal veranstaltete DAAD Tunis Anfang Mai 2017 ein Netzwerktreffen und Informationsseminar für Leiter von Internationale Offices und Funktionsträger libyscher Hochschulen. Das libysche Bildungsministerium war mit dem Senior Advisor Dr. Hakim Al-Nagah vertreten. Dr. Al-Nagah ist ein Deutschland Alumnus: er hat in Deutschland studiert, geforscht und gearbeitet, spricht sehr gut Deutsch und setzt sich für die deutsch-libyschen Beziehungen ein.


 

Herr Dr. Al-Nagah, wir freuen uns, Sie heute hier in Hammamet beim 3. DAAD Seminar für libysche Hochschulen begrüßen zu dürfen.

Sie sind ein internationaler Experte mit Erfahrungen im Bildungs- und Wirtschaftsbereich: bitte stellen Sie sich und Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit kurz vor.

Ich habe an der Universität Marburg und an der Universität Kassel studiert, und war als Leiter des Wirtschaftsbüros an der Deutschen Botschaft Tripolis. Bis heute verstehe ich mich als Vermittler zwischen Deutschland und Libyen, bin als Übersetzer bei hochrangige deutsche Delegationen eingesetzt und bemühe mich zurzeit in meiner Funktion als Berater des libyschen Bildungsministers um die Kooperation im Bildungs- und Berufsbildungsbereich mit Deutschland.

Zurzeit sind Sie Berater des libyschen Bildungsministers: seit wann sind Sie in dieser Position, wo sehen sie derzeit für libysche Hochschulen die größten Probleme und Herausforderungen, gibt es eine Hochschulstrategie für Libyen?

Ich bin seit einem Jahr Berater im libyschen Bildungsministerium. Die größten Desiderate sehe ich für libysche Hochschulen im Managementbereich: es fehlt an funktionierenden Verwaltungsstrukturen, die Administration ist schlecht ausgebildet und unzureichend ausgestattet, es fehlt an Know How im modernen Management und in Good Governance. Schon unter Gaddafi hat Libyen verpasst, internationale Kooperationen aufzubauen und hat Kontakte zur internationalen Wissenschaftsgesellschaft, zu Netzwerken und Partnern vernachlässigt. Dies wollen wir nun nachholen: mit Konferenzen, Teilnahme an internationalen Foren und Verbänden und MENA-Aktivitäten wollen wir den Anschluss an globale Themen wie Wasser, Energie, Nahrung zusammen mit unseren Partnern in der Region und mit Europa schaffen. Wir waren z.B. auf dem German-Arab Education Forum in Berlin/ Oktober 2016, beim World Education Forum in London/ März 2017, und auf der Euro-Mediterranean Ministerial Conference in Malta/ Mai 2017 vertreten.

Wie kann Deutschland/DAAD die Hochschulen und Ihre Arbeit in Libyen unterstützen?

Deutschland und der DAAD können helfen, Verwaltungs- und Managementstrukturen in Ministerien und Hochschulen aufzubauen – Deutschland kann ein gutes Vorbild sein. Es gibt Programme beim DAAD, bei der GIZ und Universitäten, Kompetenzen und Strukturen zu entwickeln und eine neue Generation von Administratoren auszubilden. Deutsche Förderorganisationen können zum Capacity Building beitragen, die Internationalisierung libyscher Hochschulen unterstützen, bei der Modernisierung der Curricula helfen und mehr Praxisbezug in die Hochschulen bringen. Libysche Studenten sollten die Möglichkeit haben, in Deutschland zu studieren und zu forschen und ihr Wissen nach Libyen zurückzubringen. Austausch mit Deutschland und Europa ist sehr wichtig für eine weltoffene Gesellschaft.

Sie haben an deutschen Hochschulen studiert und geforscht, Sie kennen das deutsche und das libysche Hochschulsystem:  wo sehen Sie Kooperationspotential und Bereiche der Zusammenarbeit?

Ich war in Deutschland beeindruckt von der Multidisziplinarität der Studienprogramme. Wichtig für mich war auch der kritische Ansatz. Man lernt zu hinterfragen, diskursiv zu denken und Dinge aus verschiedenen Blickwinkel zu betrachten. Das hat mich geprägt. Potential sehe ich in der Entwicklungszusammenarbeit und in der Kooperation zu globalen Themen wie Energie- oder Bildungsmanagement. Das Programm IMENA oder PPGG z.B. kann uns helfen, qualifizierte Leute für NGOs und Aufbau von Strukturen auszubilden. Studiengänge mit Regionalbezug sind auch interessante Neuerungen, die für Libyen passen könnten. Es gibt in Libyen 14 Technologiecenter – von Solar bis zur Biotechnologie -, dies könnten interessante Partner für deutsche Forschung sein. Deutsch-libysche Kooperationsabkommen wären ein wichtiges Signal. 

Sie haben heute mit Kollegen libyscher Hochschulen am 3. DAAD Seminar teilgenommen: was nehmen Sie mit?

Für uns libysche Kollegen ist die Möglichkeit der Information aus erster Hand, des Austauschs und eines persönlichen Treffens sehr gut. Wir nehmen viele Anregungen mit.

Auch der Workshop International Networking war nicht nur sehr interessant, sondern auch wichtig, um libysche Bildungsinstitutionen und -Akteure  mehr lokal, regional und international zu vernetzen. 

Wollen Sie ein paar Worte zur aktuellen Situation in Libyen sagen? Was bedeutet die politische Instabilität für die Hochschulen und die junge Generation, die an Hochschulen ausgebildet wird?

Die politische Krise seit 2011 in Libyen mit schwachen Staatsstrukturen, Instabilität und Sicherheitsproblemen hat negativen Einfluss auf die Hochschularbeit und internationale Kooperationen. Der Staat ist wegen militärischer Auseinandersetzungen und Korruption pleite, es gibt so gut wie keine finanzielle Unterstützung für den Bildungsbereich. Sachmittel fehlen, Gehälter werden nicht bezahlt, und dennoch arbeiten Dozenten und Administration daran, Generation von morgen auszubilden und zu qualifizieren. Wir bemühen uns, junge Leute aus den Milizverbänden zu lösen und sie an die Hochschulen zurückzuholen, um ihnen eine friedliche, konstruktive Zukunft zu weisen. Soziale Integration ist sehr wichtig, Milizsoldaten wieder an ein „normales“ Leben zu gewöhnen, auch mit soziopsychologischer therapeutischer Hilfe, um Traumata zu überwinden. Den Sozialwissenschaften kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Wir haben einen großen Bedarf an gut ausbildeten Sozialwissenschaftlern, die diese Arbeit leisten können.

Und ein Schlusswort….? Was geben Sie uns auf den Weg?

„Ich bin verliebt in Marburg“ – die kleine, aber weltoffene Stadt mit ihrer Vielfalt an intellektuellen und interkulturellen Strömungen hat mich geprägt. Libyen und Deutschland sollen nicht nur politisch-wirtschaftlich, sondern auch im kulturellen und akademischen Bereich zusammenarbeiten und sich bereichern. Mein Wunsch ist, dass die deutsche Sprache in Libyen mehr durch das Goethe Institut gelernt werden kann, und wir künftig eine lebendige deutsch-libysche Beziehung haben können.

Dr. Al-Nagah, vielen Dank für das Gespräch!

Text und Bildnachweis: Beate Schindler-Kovats