DAAD Maghreb-Sommerakademie

Home

Maghreb-Sommerakademie 2015

Farbbalken Klein

 

3. DAAD Maghreb-Sommerakademie 

Maghreb als interkultureller Begegnungsraum

07. - 11. September 2015 in Tunis 


„Ich habe einen Traum - die Maghreb-Union“

Die Politik hat die Maghreb-Länder gespalten – Studierende der Maghreb-Sommerakademie haben keine Vorurteile und wünschen sich mehr Austausch und eine Maghreb-Union.

„Die maghrebinischen Völker haben kein Problem miteinander“, so die einhellige Meinung der 22 Studierenden und jungen Deutschdozenten aus Algerien, Marokko und Tunesien, die sich vom 06.-11.09.2015 bei der 3. Maghreb-Sommerakademie begegnen.

Und auch die 6 deutschen Studentinnen bestätigen: „Wir haben in Deutschland gemischte Freundeskreise mit Marokkanern, Algeriern und Tunesiern, und da gibt es untereinander keine Vorurteile oder Probleme“. Es ist die Politik und die politischen Systeme, die die Völker spaltet und ein grenzüberschreitendes Miteinander erschwert.

Bewusstsein schaffen bei der jungen Generation – erfahren, wie es ist, in einer Union zu leben, sich persönlich begegnen und im Miteinander Gemeinsames zu entdecken, das können die Studierenden eine Woche lang in Tunis bei der Sommerakademie ausprobieren.

Und das gelingt gut: Bereits am ersten Tag wurde offen und frei über die Vision einer Maghreb-Union diskutiert. Prof. Chennoufi, Direktor der Abteilung für Philosophie an der Universität Tunis, gab Impulse mit seinem Vortrag „Auf dem Weg zu einer maghrebinischen Integration“ und zeigte historisch und aktuell die Chancen und Hindernisse für eine Maghreb-Union auf:

„Es kann keine Einheit des Maghreb geben, weil die einzelnen Länder sich noch in der Phase der Nationalstaatsbildung befinden“, so Chennoufis zentrale These, „Selbstbewusstsein und Identität werden erst gegründet“.


     

Und auch einem gemeinsamen Wirtschafts-und Handelsraum Maghreb wurde eine Absage erteilt: Fausi Najjar, Büroleiter der GTAI Maghreb mit Sitz in Tunis, stellte fest: „Es gibt keinen Wirtschaftsraum Maghreb.“ Nur 3% beträgt der Handelsaustausch innerhalb des Maghreb – zum Vergleich 60% innerhalb der EU und 20% in West-und Südafrika oder im ASEM-Raum.

Wo Politik und Wirtschaft die Zusammenarbeit verweigern, kommt der Kultur- und Bildungsarbeit eine umso wichtigere Aufgabe zu: historisch, sprachlich und kulturell gibt es gemeinsame Wurzeln und Entwicklungen im Maghreb.

„Es ist wichtig, dass wir die Verbindungen und Vernetzung im Bildungsbereich und zwischen Hochschulen schaffen“, so Dr. Naima Tahiri, marokkanische Sprachwissenschaftlerin an der Universität Fes.

„Sommerschulen wie die Maghreb-Akademie, aber auch Projekte und Programme mit mehreren maghrebinischen Partnern, können Austausch fördern. Deutschland und deutsche Hochschulen können dabei Brücken schlagen und sind wertvolle Mittler.“

 

Workshops boten ein breites Fachspektrum: Sprachkontakt und Mehrsprachigkeit im Maghreb, Demokratisierung in der arabischen Welt, Die Rolle der Mittelschichten im Maghreb und Erfahrungen aus einem deutsch-tunesischen Forschungsprojekt „Tunesien im Wandel“. In Kleingruppen wurde interaktiv gearbeitet und diskutiert. Hier kamen die Teilnehmer intensiv zu Wort und konnten Erfahrungen, Meinungen austauschen. 

„Durch die Workshops habe ich eine neue Orientierung für mein Studium und Forschen bekommen“, so eine tunesische Teilnehmerin und „ich fühle mich wohl, fern des universitären Drucks zu arbeiten, Deutsch zu sprechen und neue Methoden und Lehrstile kennenzulernen“, meint ein Teilnehmer aus Algerien. 

 

Zu einem mutmachenden, vorsichtig optimistischen Schluss kamen auch die Teilnehmer der Paneldiskussion „Der Arabische Frühling – eine vorläufige Bilanz“, professional moderiert von Dr. Annette Steinich, freie Korrespondentin. 

Auch wenn in den Ländern eine „Re-Konfiguration der Kräfte“ beobachtet werden kann, so Prof. Rachid Quaissa von der Universität Marburg, sehen die Diskutanten Hoffnungszeichen: 

Für Tunesien, das die politische Transformation geschafft hat, das aber „junge Menschen zum politischen Bewusstsein bringen muss“, so Dr. Ben Amor von der Universität Tunis El Manar, in Ägypten, das trotz des Militärputsches „ein sympathisches, gastfreundliches Land ist, mit Studierenden, die Autonomie und Meinungsfreiheit verdient hätten“, so Dr. Jan Völkel, DAAD Langzeitdozent an der Universität Cairo, in Algerien, das „gerade jetzt Reformen wagen muss und wo die Europäer Druck auf die Regierung ausüben sollten, damit demokratische Spielregeln eingeführt werden“, meint Prof. Rachid Quaissa, und selbst in Libyen, gibt es leichte Anzeichen von Hoffnung, dass nach einer politischen Einigung, sich parlamentarische Strukturen bilden, schon jetzt bildet die Hanns Seidel Stiftung Tunis libysche Bürgermeister in Administration und in Schlüsselkompetenzen aus, so Zayd Aldailami, Büroleiter der Stiftung.

 

Ein Thementag wurde dem aktuellen Problem der Migration im Mittelmeer gewidmet.   


Dr. Jan Völkel zeigte Flüchtlingswege nach, diskutierte Gründe für Auswanderung und Flüchtlingsströme und ließ die Teilnehmer in Gruppen die vielfältigen Aspekte der Problematik herausarbeiten:

„Das Flüchtlingsproblem geht uns alle an,“, so eine deutsche Teilnehmerin, „das Recht auf Asyl und auf ein würdevolles Leben in Frieden betrifft nicht nur Syrien, auch in afrikanischen Ländern tobt ein Bürgerkrieg und fliehen Menschen vor Hunger und Gewalt.“

 

Auch in diesem Jahr fand die Sommerakademie einen schönen Abschluss in der Residenz des Deutschen Botschafters. Am Ende des Abends fiel der Abschied schwer, und es wurde vielfach der Wunsch geäußert, dass die Sommerakademie mindestens zwei Tage länger dauern sollte. Die Teilnehmer haben eine Facebook-Gruppe gegründet, um in Kontakt zu bleiben.

 

Der DAAD Tunis veranstaltet die Maghreb-Sommerakademie zum dritten Mal im Rahmen des Programms „Deutsch-Arabische Transformationspartnerschaften“ und fördert die Teilnehmer mit Stipendien.  

Von 104 Bewerbungen wurden 28 Teilnehmer ausgewählt: 9 aus Algerien, 7 aus Marokko, 7 aus Tunesien und 6 aus Deutschland.

Das Feedback der Stipendiaten war sehr positiv: „Wir haben viele Inputs bekommen, wertvolle und aktuelle Diskussionen, mehr Verständnis von- und miteinander, tolle Atmoshäre - eine unvergessliche Erfahrung“, so die Kommentare in Mails und im Facebook.

Erstellt von: Beate Schindler-Kovats (Leiterin DAAD-Büro Tunis)
Bildnachweis: Anis Bouattour,  Beate Schindler-Kovats