Überblick: Bildung und Wissenschaft

By Jamesmh2006 [Public domain] via Wikimedia Commons

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten im Vereinigten Königreich, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des britischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

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Der Hochschulsektor im United Kingdom ist stark verzweigt. Seit Inkrafttreten des Higher Education Act 1992, mit dem die damaligen Polytechnics (Äquivalente zu Fachhoch-schulen) Universitätsstatus erhielten, und infolge weiterer Öffnungen des Sektors über die letzten 13 Jahre, sammeln sich unter dem Begriff Higher Education Institution (HEI) eine große und wachsende Spanne von Institutionen mit unterschiedlichsten Ausprägungen und Aufträgen. Sie alle haben gemein, dass sie autonome, selbstverwaltende, nichtstaatliche Organisationen und i.d.R. von staatlichen Geldern abhängig sind. 2016/17 waren insgesamt 2,32 Millionen Studierende an ihnen eingeschrieben. Nur eine Handvoll privater Universitäten im UK sind finanziell unabhängig vom Staat.

Das Ende April 2017 vom Parlament beschlossene neue Gesetz, der „Higher Education and Resarch Act“ (HERA), verändert bisher geltende Bestimmungen und Regeln grundlegend und folgt der politischen Leitlinie, den Bildungsmarkt stärker nach Marktmechanismen auszurichten und es sog. „new providers“ zu erleichtern, tertiäre Bildung anzubieten. Davon profitieren sollen z.B. Teilzeitstudierende, deren Zahl zuletzt stark rückläufig war, und Studierende, die zukünftig zweijährige „fast track degrees“ zum Bachelorabschluss belegen wollen. Hierbei soll es keine Abstriche bei der akademischen Qualität gegenüber traditionell dreijährigen Programmen geben. Und auch für die Hochschulen soll das neue Angebot in finanzieller Hinsicht kein Nachteil sein, da solche Intensivkurse mit Gebühren bis zu rund GBP 14.000 jährlich belegt sein können. Die Einnahmeperspektive (2 x GBP 14.000 anstelle von bisher i.d.R. 3 x GBP 9.000 / seit 2017 auch GBP 9.250 pro Jahr, s.u.) ist also i.W. gleich. Ziel dieser Kurzprogramme ist ein Mehr an Flexibilität für diejenigen, die nicht drei Jahre investieren können oder wollen. Einsparpotential ergibt sich laut Regierung bei der ggf. erforderlichen auswärtigen Unterbringung und den Lebenshaltungskosten. Einwände von Hochschulen bzgl. der Arbeitsbelastung für Lehrende, die diese Kurse neu konzipieren müssen, die Lernenden sowie der letztendlich erzielbaren Ausbildungsqualität fanden ebenso wenig Gehör wie die Voraussage, dass solche „fast track“-Kurse vor allem profitorientierte Anbieter anlocken.

Das neue Gesetz bestätigte, dass internationale Studierende weiterhin in das Netto-Migrationsziel, wonach nicht mehr als 100.000 Personen p.a. ins Land kommen sollen, einbezogen werden – zur großen und fortbestehenden Frustration der Hochschulen. Die Gegenargumente der Hochschulen – internationale Studierende seien ein finanzieller und intellektueller Gewinn, sie bereichern die „internalisation at home“ mit Vorteilen auch für britische Studierende, eine deutliche Bevölkerungs-mehrheit betrachte internationale Studierende anders als Arbeitskräfte aus dem Ausland nicht als Migranten – zeigten bislang noch wenig Wirkung. Da die politische Landschaft nach der Unterhauswahl im Juni 2017 anders aussieht als regierungsseitig erhofft, bleibt abzuwarten, wie kategorisch das Ziel verfolgt wird. Dies gilt umso mehr, als abgesehen vom ökonomischen Zugewinn auch eine im August 2017 veröffentlichte Studie, die Ein- und Ausreisedaten internationaler Studierender erfasste, um den vermeintlichen Missbrauch von Visa für andere denn Studienzwecke zu ermitteln. i.W. negativ ausfiel: lediglich 3% der internationalen Studierenden hatten sich demnach nicht korrekt verhalten. Dass dies in einem sehr viel größeren Umfang der Fall sei, hatte vor allem Premierministerin Theresa May (von 2010 bis 2016 Innenminsterin) gegen alle Zweifel und Kritik hartnäckig be-hauptet. Seit Februar 2018 sendet sie ansatzweise Signale einer Abmilderung der vormals harten Haltung aus und räumte ein, dass internationale Studierende keinen langanhaltenden negativen Effekt auf die Migrationszahlen, die nach wie vor auf einige Zehntausend jährlich gedrückt werden sollen, habe. Nichtsdestotrotz hält May mit Verweis auf internationale Kriterien daran fest, Studierende als Migranten zu qualifizieren, sofern sie zwölf Monate oder länger im Land bleiben.

Für zusätzliche Nervosität sorgt bei den Hochschulen die mit HERA ebenfalls beschlossene Lehrqualität-Etikettierung des sogenannten Teaching Excellence Framework (TEF) in den Sportmedaillenkategorien Bronze, Silber und Gold. Grundsätzlich wird ein gutes Abschneiden im TEF (Gold oder Silber) vorausgesetzt, damit vom akademischen Jahr 2017/2018 an höhere Studiengebühren als die bis dato meist geltenden GBP 9.000, nämlich GBP 9.250 im Bachelorstudium für britische und (noch) EU-Studierende erhoben werden konnten. Dem TEF zugrunde gelegt wird die Studierendenzufriedenheit, wobei die Qualität der Lehre und spätere Berufsaussichten und Verdienstmöglichkeiten die wichtigsten Kriterien sind. Diese politische Zielrichtung scheint sich seit dem Amtsantritt von Hoch-schulstaatssekretär Sam Gyimah (er folgte im Januar 2018 Jo Johnson nach) noch zu verstärken. Laut Gyimah ist es an der Zeit, die „Ära des Studierenden“ auszurufen. Hochschulen müssten sich voll und ganz wandeln. Absolvent/inn/en, die viele Tausend Pfund an Studienkrediten zurückzahlten, könnten nicht nur erwarten, sondern hätten einen Anspruch darauf, dass sich dies als wertvolle Investition erweisen müsse. Die Qualität der Lehre sei hierbei zentral und habe sich im geplanten “Teaching Excellence and Student Outcomes Framework”, einer modifizierten Form des TEF zu beweisen. Mittel- bis langfristig würden die hier erhobenen Daten belegen, welche zukünftigen Verdiensterwartungen aus der Belegung bestimmter Kurse an bestimmten Universitäten resultierten. Studierende seien dadurch von Jahr zu Jahr besser in der Lage, eine gut informierte Wahl zu treffen und zu beurteilen, welches akademische Angebot „value for money” biete.

Gerade forschungsintensive Russell Group-Universitäten fürchteten von Beginn an, im TEF schlechter abzuschneiden. Im ersten Durchlauf (Juni 2017), an dem noch nicht alle Hochschulen teilnahmen und die Bewertungsmaßstäbe teilweise noch unvollständig waren, gab es entsprechende Fälle: drei Institutionen der Russell Group, die renommierte „London School of Economics and Political Science“ (LSE) und die Universitäten Liverpool und Southampton belegten lediglich einen Platz in der 3. Kategorie, „Bronze“. Die Ergebnisse der 2. TEF-Runde, veröffentlicht im Juni 2018, in der Übersicht: 54 Universitäten erhielten eine Gold-, 68 eine Silber- und 17 eine Bronzemedaille. Beurteilt wurden ausschließlich Bachelorstudiengänge. Die TEF-Kriterien sind: Qualität der Lehre, Beurteilung/ “Feedback”, Betreuung/Unterstützung, Abbruchhäufigkeit, Beschäftigungs-/ Studienfortset-zungsperspektiven, Qualität und Entlohnung der anschließenden Beschäftigung. HERA sieht nicht vor, anhand der TEF-Resultate die internationalen Rekrutierungszahlen zu beschränken. Es verplichtet die Interstitutionen aber dazu, Daten zu veröffentlichen, die für internationale Studierende „hilfreich“ sind.

HERA sieht die Gründung einer neuen Aufsichtsbehörde, des "Office for Students" (OfS), vor. Es hat im April 2018 offiziell seine Arbeit aufgenommen und hat u.a. den Higher Education Funding Council for England (HEFCE) abgelöst. Gleichzeitig wurden die sieben fachlich strukturierten Research Councils in einer neuen Einrichtung, "United Kingdom Research and Innovation" (UKRI), zu-sammengeschlossen. Das OfS ist für Qualität und Standards im Hochschulsektor verantwortlich, führt den TEF durch, hält ein Register der Anbieter im tertiären Bildungsbereich und wacht darüber, welche Einrichtungen Hochschulstatus haben bzw. im Falle sogenannter "new providers" erhalten werden. Das neue Gesetz macht es neuen Hochschulanbietern insgesamt leichter, Universitätsstatus zu erlangen und entsprechende Abschlüsse zu vergeben. Gleichzeitig hat das OfS weitgehende Befugnis, Rechte, die mit dem Hochschulstatus verknüpft sind, im Einzelfall zu verweigern, zu widerrufen oder die Vergabepraxis zu variieren.

Das OfS übernimmt zudem die Funktionen des bisherigen "Office for Fair Access" (OFFA). Universitäten sind ab sofort verpflichtet, Informationen über ihre individuellen Zulassungskriterien zu veröffentlichen. Das OfS hat zudem die Befugnis, die finanzielle Tragfähigkeit der Hochschulanbieter zu überwachen und soll deren Effizienz verbessern. Inwieweit das OfS die zahlreichen neuen bzw. neu strukturierten Anforderungen tatsächlich erfüllt, soll 2019 erstmalig überprüft werden.

Universitäten / Colleges / University Colleges

Der Titel university darf nur an Institutionen mit Vergaberecht akademischer Grade (degree awarding power) verliehen werden. Während es sich hierbei bis 2005 um forschungsbezogene Studiengänge (research degrees) handeln musste, können seit 2005 auch Institutionen, die sich allein der Lehre verschrieben haben und ausschließlich sog. taught degrees verleihen, den Titel university in ihrem Namen führen, solange sie eine Mindestzahl an eingeschriebenen Vollzeitstudenten vorweisen können. 2005 lag diese Zahl noch bei 4.000 Vollzeitstudenten pro Jahr, seit 2012/13 nur noch bei 1.000.

Institutionen, die dieses Kriterium nicht erfüllen, dürfen sich university college nennen. Hiervon zu unterscheiden sind Hochschulen, die aus historischen Gründen university college im Namen tragen (University College London, University College Oxford).

Oxford University und Cambridge University (aufgrund vieler Parallelen häufig mit „Oxbridge“ bezeichnet) sind aus Föderationen einer Vielzahl kleiner colleges hervorgegangen (31 in Cambridge, 38 in Oxford), deren Gründungen z.T. bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen. Heutzutage sind die colleges autonome, selbstverwaltende Institutionen innerhalb des Universitätsverbundes, die ihre Studierenden selbst auswählen, beherbergen, betreuen und auch stark in die Lehre der undergraduates (Bachelorstudierenden) eingebunden sind. Während Tutorien meist von den colleges angeboten werden, liegt die Verantwortung für zentrale Lehrveranstaltungen und -einrichtungen (Vorlesungen, Bibliothek, Labore) bei den Universitätsfakultäten, häufig mit „schools“ bezeichnet. Dies schließt auch das zentrale Verleihungsrecht von degrees ein.

Im Gegensatz hierzu basiert die föderale Struktur der University of London auf 18 colleges, die ihrerseits wie eigene Universitäten agieren und z.T. eigene degrees vergeben (University College seit 2005, Birkbeck College seit 2012). Dem Imperial College wurde bereits 2003 die degree awarding power verliehen und es hat sich in der Folge (2005) aus dem Universitätsverband gelöst.  

Zu weiteren Universitäten mit College-Struktur zählen die Durham University, die University of York und die University of Roehampton, deren colleges primär studentische Betreuungsfunktion einnehmen. Die Londoner Kunst-, Design-, Fashion- und Medien-Colleges, die jede für sich Weltruf genießen, haben sich aus rein administrativen Gründen 1988 zum London Institute zusammengeschlossen und nennen sich seit Erhalt des Universitätsstatus 2004 University of the Arts London.

Hochschulgruppierungen

Im Vereinigten Königreich existieren derzeit 162 Hochschulen mit degree awarding power, die sich in folgende Gruppen unterteilen lassen:

- Ancient Universities (Alte Universitäten), deren Gründungen auf das Mittelalter und die frühe Neuzeit zurückgehen. Hierzu zählen die Universitäten von: Oxford, Cambridge, St. Andrews, Glasgow und Aberdeen. Sie bieten i.d.R. das gesamte Spektrum traditioneller akademischer Fach-richtungen ab und sind Mitglieder der forschungsorientierten Russell Group. (Die Russell Group um-fasst insgesamt 24 Universitäten und ist in etwa mit den German U15- und TU9-Hochschulverbünden in Deutschland vergleichbar).

- Red-Brick Universities, nach den für sie typischen Backsteinfassaden benannt. Sie wurden Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den großen Industriezentren gegründet, ursprünglich mit einem Schwerpunkt auf Ingenieurwesen und Naturwissenschaften. Ihre forschungsorientierten Institutionen gehören heutzutage ebenfalls der Russell Group an. Zu ihnen zählen die Universitäten von Birmingham, Liverpool, Manchester, Leeds, Sheffield und Bristol.

- Plate-Glass Universities, euphemistisch benannt nach den für die 1960er Jahre typischen, mit Glasflächen versetzten Betonbauten. Die Neugründung von acht Universitäten erfolgte um die Mitte der 1960er Jahre infolge eines Aufrufs der Regierung (Robbins Report) nach Erweiterung des Hochschulwesens. Zu ihnen zählen die Universitäten von: East Anglia, Essex, Kent, Lancaster, Sussex, Warwick, York und die Aston University. Weitere zehn Institutionen, deren Gründungen weit früher liegen, die aber in den 1960er Jahren erst Universitätsstatus erhalten haben, werden häufig dieser Gruppe zugeordnet.

- Post-1992 Universities (auch Neue Universitäten genannt), die sich größtenteils aus ehemaligen Polytechnics (vergleichbar mit Fachhochschulen) bzw. Central Institutions (Schottland) und Teacher Training Colleges (vergleichbar mit den Pädagogischen Hochschulen, die keinen Universitätsstatus mit Promotions- und Habilitationsrecht aufweisen) zusammensetzen. Ihr Schwerpunkt liegt meist weniger auf Forschung als auf der Vermittlung von taught courses und vocational courses (berufsbezogenen Studiengängen), z.T. in Form sog. short cycle programmes, deren Qualifikation unterhalb des Bachelors anzusiedeln ist (z.B. foundation degree, higher national diploma). Viele Post-1992 Universitäten sind in der Mission Group Million+ vertreten, die sich für fairen Zugang zum Studium für alle einsetzt.

- Kunst-, Musik- und Landwirtschaftshochschulen

In Anbindung an die oben genannten Universitäten gibt es im Vereinigten Königreich über 700 colleges, die selbst nicht über degree awarding power verfügen, deren Kurse aber über eine Hochschule mit degree awarding power validiert werden und somit genauso rechtskräftig sind.

Es gibt verschiedene Hochschulverbände im UK, unter anderem die sogenannte "Russell Group", ein Verband aus 24 prestigeträchtigen und forschungsorientierten Universitäten, der sich in etwa mit den Gruppen "German U15" und "TU9" oder der amerikanischen Ivy League vergleichen lässt. Einige der nach 1992 entstandenen Universitäten (frühere Polytechnics) und University Colleges sind in der "Mission Group Million+" vertreten (20 Mitglieder), die sich als moderne Universitäten mit ei-nem zeitgemäßen Studienangebot ("Higher Education for the 21st Century") verstehen und einen fairen Zugang zum Studium für alle propagieren. Neben den beiden genannten Interessengruppen "Russell Group" und "Million+" hat sich 2007 eine Gruppe von aktuell 18 Universitäten zur "University Alliance" zusammengeschlossen. Sie hat sich Innovation und Unternehmertum auf die Fahnen geschrieben.

Unabhängig von diesen verschiedenen Interessengruppen ist Universities UK (UUK) das Sprachrohr der britischen Hochschulen und ihrer Leitungen. 136 von 162 tertiären Bildungsanbietern insgesamt sind Mitglied von UUK. Die Vereinigung ist im Wesentlichen äquivalent zur HRK zu sehen.

Finanzierung der Hochschulen

Die von der öffentlichen Hand getragenen Bildungsausgaben sind in den letzten Jahren insgesamt zurückgegangen. Gemessen am BIP sank ihr Anteil im Zeitraum 2011/2012 bis 2015/2016 von 5,3 auf 4,4%. Eine Studie der European University Association (EUA) stellte zudem fest, dass innerhalb der EU die öffentlichen Ausgaben im Hochschulsektor des Vereinigten Königreiches zusammen mit Irland, Serbien, Slowenien und Griechenland in den Jahren 2012 bis 2016 die höchsten Einbußen erlitten haben.

2013 lag der Anteil der staatlichen Finanzierung der Hochschulen im UK noch bei 57%, und entsprechend 43% stammten aus privaten Quellen. Laut Zahlen für 2015/2016 machten Studiengebühren 48,4% der Einnahmen britischer Hochschulen aus. Ihr Anteil lag damit 8,2% höher als noch im Jahreszeitraum 2014/2015.

2016/17 verzeichnete der Hochschulsektor insgesamt Einnahmen in Höhe von ca. 35,7 Mrd. GBP, während die Ausgaben bei rund 34,5 Mrd. GBP lagen. Finanzüberschüsse sind in den letzten Jahren übliche Praxis geworden. Die Hochschulen nutzen sie angesichts der stetig sinkenden staatlichen Subventionen für Lehre und Forschung vermehrt, um in Kapitalanlagen und Infrastruktur, v.a. in Gebäude zu investieren.

Generell ist ein Trend zur Diversivizierung des Einkommensstroms der Hochschulen zu verzeichnen. Das Einkommen setzt sich i.W. zusammen aus Studiengebühren und Lehrverträgen ((2016/17: 17,7 Mrd. GBP = 52,2%), öffentlichen Geldern für Lehre und Forschung, 2016/17: 11 Mrd. = 31% (seit 2010/11 proportional sinkend zu den Einnahmen aus Studiengebühren/Lehrverträgen), , Ein-kommen aus Investitionen und anderem Einkommen 2016/17: 6 Mrd. GBP = rund 17%). Innerhalb der eingeworbenen Forschungsmittel nimmt der Anteil der EU-Gelder im Durchschnitt eine mittlere Position (2015/16: 14,3%) ein – hinter den öffentlichen Gebern wie Research Councils (äquivalent zur DFG) weiteren regierungssseitigen Zuwendungen und im UK ansässigen Stiftungen , die zu-sammen gut 2/3 des Forschungsbudgets ausmachen. Die EU-Tranche liegt aber deutlich höher als andere auswärtige (nicht-EU-) Geldgeber und die Industrie.

Für die Hochschulen zuständig sind das Wirtschaftsministerium (Department for Business, Energy and Industrial Strategy, BEIS) und das Bildungsministerium, Department for Education (DfE) For-schung findet im Vereinigten Königreich – anders als in Ländern mit starken außeruniversitären For-schungsinstituten – fast ausschließlich an den Universitäten statt. Etwa alle sechs Jahre (zuletzt 2014/15) wird die Forschungsstärke britischer Hochschulen im "Research Excellence Framework" (REF, zuvor "Research Assessment Exercise" - RAE genannt) festgestellt. Vorbereitungen zum REF 2021 sind an britischen Einrichtungen angelaufen. Die REF-Ergebnisse sind wesentliche Entschei-dungskriterien für die Vergabe von Forschungsgeldern an die jeweiligen Institutionen und Fachbe-reiche. Das Budget hierfür beläuft sich auf ca. GBP 2 Milliarden jährlich. DAAD Seite 8

Studiengebühren

Britische Universitäten durften seit 2012 bis zu GBP 9.000 und dürfen seit 2017, sofern die TEF-Ergebnisse es zulassen (s.o.) GBP 9.250 für einen grundständigen Studiengang erheben. Die Ge-bühren sind sowohl von Studierenden aus dem UK als auch der EU zu entrichten. Nur 22% der Universitäten verlangen geringere Studiengebühren, so dass der Durchschnitt 2014/2015 bei GBP 8.735 lag. Ausnahmen gelten für Studierende aus Schottland und der EU, die in Schottland studieren und dort beide keine Studiengebühren bezahlen müssen. Da schottische Universitäten von schottischen und EU-Studenten keine Studiengebühren verlangen, ist die Zahl dieser gebührenfreien Plätze staatlich begrenzt. Studierende aus England und Wales müssen diejenige Rate bezahlen, die sie an einer englischen oder walisischen Universität entrichten müssten. Die Regularien in den bei-den wesentlich kleineren Landesteilen Wales und Nordirland: Studierende aus Wales und EU-Ausländer bezahlen an walisischen Universitäten maximal GBP 4.046, da die Regierung pro Student einen Anteil von GBP 4.954 übernimmt. In Nordirland müssen Nordiren und EU-Studierende maxi-mal GBP 3.925 an Studiengebühren entrichten.

Die Studiengebühren für postgraduates sind nicht reglementiert und variieren stark je nach Kursform und Institution. Für heimische und EU-Studierende lagen sie im akademischen Jahr 2016/17 durch-schnittlich bei GBP 6.486 pro Jahr, für overseas students zwischen GBP 13.442 und 15.638, in medizinischen und medizinnahen Fächern im Durchschnitt bei knapp 21.000 GBP. In Wirtschafts-wissenschaften mit Abschlüssen wie MBA bezahlen Studierende Gebühren zwischen GBP 16.443 und 18.226.

Nicht-EU-Ausländer zahlten im Vereinigten Königreich im Studienjahr 2016/17 laut Erhebung des Times Higher Education Magazins im Bachelorstudium durchschnittlich GBP 13.394 ("Classroom" - plus 45% gegenüber dem sogenannten Home Fee Status mit GBP 9.250), GBP 15.034 ("Labora-tory" - plus 63%) bis zu GBP 24.169 ("Clinical" – plus 161%) pro Jahr an Gebühren, die Lebenshal-tungskosten nicht mit eingerechnet.

Ausblick

Bis 2016 sind die Zahlen der Studienanfänger kontinuierlich gestiegen, so dass im Vereinigten Königreich (UK) von einer im Kern stabilen Zielgruppe ausgegangen werden kann; 2017 gab es erstmalig einen leichten Rückgang um ca. 4%. Laut Prognosen des Office for National Statistics (ONS) wird dieser Trend in den kommenden etwa vier Jahren, analog zum Rückgang des Bevölkerungsanteils bei den 18- bis 24-Jährigen insgesamt anhalten. Dies könnte für die inländischen Gesamtbewerberzahlen an britischen Hochschulen mittelfristig relevant werden und Auswirkungen auf eine weitere internationale Öffnung/Vermarktung haben.

Die seit 2011/12 rückläufigen Zahlen der taught postgraduate Studenten haben die Regierung veranlasst, das Student loan-System ab 2016/17 auf den postgradualen Sektor auszuweiten, womit jährlich weitere 10.000 Studenten zu einem Studium, das über den Bachelor hinausgeht, motiviert werden sollten. Diese Überlegung mag sich bestätigt haben, denn laut einer recht validen Studie (offizielle Zahlen liegen noch nicht vor) hat sich die Zahl der Masterstudierenden im akademischen Jahr 2016/17 um gut 20% erhöht. Dies ist insofern bemerkenswert, als der Bachelor, nach drei oder vier Jahren erworben, bisher der Regelabschluss war und in der Breite wohl auch bleiben wird.


Verfasser: Dr. Georg Krawietz, DAAD-Außenstelle London

Der DAAD ist im Vereinigten Königreich mit einer Außenstelle in London vertreten. Darüber hinaus gibt es 23 Lektorate für Deutsche Sprache, Literatur und Landeskunde sowie 12 Fachlektorate für Geschichte, Jura und Politikwissenschaften.