Studieren und leben in den USA

Rainer Sturm / pixelio.de

Erfahren Sie mehr über die verschiedenen Hochschultypen, die Zulassungs- und Sprachvoraussetzungen sowie die Studiengebühren.

Hochschulen

Das postsekundäre Bildungswesen wird in den USA als Dienstleistungsgewerbe betrachtet und besteht aus ca. 10.000 Einrichtungen mit 4000 akkreditierten Hochschulen. Die Trägerschaft kann öffentlich oder privat sein, und da es sich um eigenständige Wirtschaftsbetriebe handelt, ist es nicht verwunderlich, dass die Hochschulen von einem nicht-akademischen Verwaltungsrat verwaltet werden. Dieser Status erklärt die hohen Studiengebühren und die durchaus üblichen Abteilungen für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Akkreditierung ist das wichtigste Kriterium für die spätere Anerkennung der amerikanischen Studienleistungen in Deutschland. Alle Bewerber sollten sicherstellen, dass es sich bei der gewählten Hochschule um eine "accredited institution" handelt.

Ranking ist aus dem amerikanischen Hochschulwesen nicht mehr wegzudenken. Je nach begutachtender Organisation und Kriterienkatalog können sich die Ergebnisse unterscheiden, deshalb ist Vorsicht geboten. Rankings haben einen kommerziellen Aspekt und werden hauptsächlich von privaten Einrichtungen oder den Medien durchgeführt, nicht von einer allgemein anerkannten staatlichen Autorität. Auflistungen findet man z.B. bei U.S. News und The Princeton Review sowie das Ranking der Promotionsstudiengänge und das neue Grad School Ranking (nach Fachrichtungen).

Campus bezeichnet die in den USA oft übliche Einheit von Leben und Studieren - ein in sich geschlossenes Gemeinwesen mit eigenen oft strengen Regeln.

Das akademische Jahr umfasst einen Zeitraum von neun bis zehn Monaten und wird meist in zwei Semester geteilt. Es gibt jedoch etliche davon abweichende Modelle und Variationen.

Der Stundenplan/Lehrplan (program/curriculum) bildet den äußeren Rahmen für den individuellen Studienplan, der mit dem, jedem Studierenden zugeteilten academic adviser besprochen und von diesem auch genehmigt werden muss. Bei Versagen eines Studierenden muss somit auch der adviser dafür geradestehen. Die Wettbewerbsorientiertheit des gesamten Systems äußert sich im leistungsorientierten Ablauf des Studiums: ein großes Arbeitspensum und das Prinzip der kontinuierlichen Zwischenprüfungen.

Die Benotung (grades) der einzelnen Fächer wird in Relation zur Semesterwochenstundenzahl (credit hours) gesetzt, um die für einen Abschluss geforderten Leistungen möglichst objektiv zu erfassen.

Akademische Grade sind in den USA nicht geschützt und auch nicht automatisch berufsqualifizierend.

Hochschultypen und Abschlüsse
Aufgrund der Vielschichtigkeit des amerikanischen Hochschulwesens, können hier nur die relevantesten Typen aufgeführt werden.

  • 2-year community colleges:
    Die Studieninhalte bewegen sich weitgehend auf dem Niveau der gymnasialen Oberstufe. Nur wer bewusst eine Zeitlang "aussteigen" und Amerika mit Muße, ohne größere fachliche Anforderungen und akademischen Stress erleben möchte, mag mit einem community college die richtige Wahl treffen.
  • 4-year Colleges:
    als eigenständige Institutionen und zugleich auch als Kernstück der universities sind sie die Ausbildungsstätten der undergraduate education. Der angestrebte Studienabschluss ist der akademische Grad des Bachelor of Arts oder Sciences (B.A./B.S.).
  • University (einige technische Universitäten führen die Bezeichnung Institute of Technology):
    es handelt sich um Hochschulen, die über die College-Ausbildung hinaus Studiengänge im graduate-Bereich anbieten.
  • Graduate Schools:
    sie sind ein Teil der university und vertiefen im graduate study das wissenschaftliche Studium über das college hinaus. Der Abschluss ist entweder der Master (M.A. = of Arts, M.S. = of Science) oder im Falle eines Doktorats der Doktorgrad (Ph.D. = Doctor of Philosophy). Typische Fächer sind die nicht unmittelbar berufsbezogenen Disziplinen der Geisteswissenschaften.
  • Professional Education/Professional School:
    hiermit werden Fachbereiche und Fakultäten bezeichnet, die zu 'gelehrten Berufen' führen. Die Studiengänge werden i.d.R. mit einem first professional degree (z.B. Bachelor of Arts in Education) beendet und können in graduate programs vertieft werden, die zu einem second professional degree führen (z.B. Master of Arts in Teaching).

Studiensystem

Das amerikanische Hochschulsystem ist stark dezentralisiert und äußerst vielfältig. Die Institutionen unterscheiden sich nach Zielen, Organisationsstruktur, Art der study programs (akademisch bzw. berufsorientiert) sowie nach Finanzierung (öffentlich/privat). Es gibt keine zentrale Stelle, die den Bildungsbereich kontrolliert bzw. koordiniert. Folgende Punkte definieren den Charakter des amerikanischen Bildungswesens und illustrieren zugleich die Hauptunterschiede zum deutschen überwiegend staatlich organisierten und finanzierten Bildungssystem:

  • Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es in den USA kein nationales Gesetz zum Bildungswesen. Die Bundesregierung (national government) besitzt in Bildungsfragen eine sehr begrenzte Autorität, die sie mit anderen Regierungseinrichtungen auf Ebene der Bundesstaaten (state government) und Gemeindeebene (local government) sowie mit den Bildungseinrichtungen teilt. Die Struktur dieser geteilten Verantwortlichkeit für Bildungspolitik und Bildungsplanung ist außerordentlich komplex; die Hauptautorität in Bildungsfragen liegt jedoch bei den Institutionen selbst und den Gemeinden.
  • Die Bildungseinrichtungen/Hochschulen sind höchste Autorität für alle akademischen Fragen: sie entscheiden autonom über Zulassung, Lehrplan, Anerkennung u.s.w..
  • Berufsqualifizierende Lizenzen für Mediziner, Lehrer u.s.w. werden von den zuständigen (Berufs)verbänden (licensing agencies), in der Regel auf Bundesstaatenebene, vergeben.
  • Das amerikanische Bildungswesen versteht sich als Anbieter einer Vielfalt von Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, für die die Studierenden bezahlen. An die Vorstellung vom postsekundären Bildungswesen als kommerzialisierten Dienstleistungsbereich müssen sich viele deutsche Studierende erst gewöhnen, aber Werbung und Öffentlichkeitsarbeit sind Teil der amerikanischen Hochschullandschaft und für Amerikaner selbstverständlich.

Das Studium in den USA ist in zwei deutlich voneinander abgegrenzte Abschnitte eingeteilt: die in der Regel vierjährigen undergraduate studies und die darauffolgenden zweijährigen graduate studies. Die für reglementierte akademische Berufe qualifizierenden professional studies folgen eigenen Regeln und Abläufen. Das amerikanische Hochschulsystem kennt rund 2.500 akademische Grade, die sich in vier große Gruppen einteilen lassen: Associate degrees (community colleges), Bachelor degrees (undergraduate studies), Master's degrees (graduate studies), doctoral degrees.

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Zulassung

Im Hinblick auf die Einstufung und Zulassung von deutschen Studienbewerbern (und anderen ausländischen Studienbewerbern) sind die amerikanischen Hochschulen völlig autonom. Jeder Bewerber befindet sich in harter Konkurrenz zu den anderen Bewerbern.

Für deutsche Aspiranten ist das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife oder das Zeugnis der fachgebundenen- bzw. der Fachhochschulreife im allgemeinen die Grundvoraussetzung für die Zulassung; ohne allgemeine Hochschulreife beschränkt sich auch in den USA der Zugang auf ähnliche Fächer in Deutschland. Doch es gibt auch Ausnahmen, z.B. bei der Harvard University (Harvard Extention School) ist der Hochschulzugang offen, unabhängig von jeder formalen schulischen Vorbildung. Auch eine Befreiung vom Sprachtest ist ausnahmsweise möglich. Hier ist auch die Teilnahme an Online-Kursen möglich.

Darüber hinaus müssen Leistungsnachweise und möglichst ein Gutachten/Empfehlungsschreiben (letter of recommendation) eingereicht werden (beides auch bei Studienanfängern).

Das Bewerbungsverfahren beginnt mit der ersten Anfrage zur Zulassung, die mindestens ein Jahr vor der geplanten Studienaufnahme an die amerikanische Hochschule gerichtet werden muss, an der man studieren möchte. Dieses Schreiben wird an das Office of Admissions (Studienanfänger) bzw. Director of Graduate Studies (Studienfortsetzer) gerichtet.

Die Dokumente für die Bewerbung sollten mit größter Sorgfalt verfasst werden, da sie bei der Auswahl der Bewerber eine entscheidende Rolle spielen. Dabei sollte man sich unbedingt an in Amerika üblichen Gliederungen und Formulierungen orientieren. Im Internet findet man Hilfe beim Verfassen von statement of purpose, Empfehlungsschreiben und Lebenslauf z.B.bei "write for acceptance".
 

Zulassungstests (admission test) sind für alle Bewerber obligatorisch.
Sprachtests (im allgemeinen TOEFL) werden von Ausländern verlangt.

Üblich sind zusätzliche Bewerbungsessays (Personal Essay / Personal Statement), was einem Motivtionsschreiben gleich kommt.

Studienanfänger müssen zudem häufig Aufnahmeprüfungen (SAT) ablegen. Alternativ akzeptieren immer mehr Hochschulen die American College Testing-Prüfung (ACT).

Auch Bewerber für Graduierten-Studiengänge müssen über den Nachweis der nötigen Studienjahre bzw. akademischen Grade hinaus oftmals eine Aufnahme- oder Begabtenprüfung (GRE / GMAT) bestehen.

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Weiterhin nötig ist auch ein Finanzierungsnachweis. Das entsprechende Formular der Hochschule müssen Sie unterschrieben und mit den nötigen Belegen (Bestätigung der Bank) an die Hochschule zurückschicken, ohne Berücksichtigung eines später eventuell zu erwartenden Stipendiums.

Die deutsche Promotionszulassung (Hochschulabschluss) wird nicht als unmittelbare Zulassung zu einem Ph.D.-Programm anerkannt. Weitere Voraussetzungen sind mit der jeweiligen Hochschule zu klären.

Die Einschreibungsfristen liegen meist im Juni/Juli (preregistration) und ein bis zwei Wochen vor Vorlesungsbeginn (registration). Die genauen Einschreibedaten müssen bei der betreffenden Hochschule erfragt werden. An vielen Hochschulen ist die Einschreibung auch per Telefon möglich.

Auf Grund der völligen Autonomie der Hochschulen müssen alle Zulassungskriterien in direktem Kontakt mit der jeweiligen Hochschule geklärt werden.

Studiengebühren

Die Studiengebühren (tuition fees) schwanken je nach Einrichtung, gewähltem Ausbildungsgang und angestrebtem Abschluss zwischen ca. US$ 2.000,- (community collge) und US$ 33.000,- (graduate study/university) pro Studienjahr. Das Durchschnittsspektrum liegt bei etwa US$ 12.000,- bis US$ 23.000,-. Bei prvaten Institutionen liegen sie bei ca. US$ 30.000,- Die exakte Studiengebühr muss für den Einzelfall bei der jeweiligen Einrichtung erfragt werden. (EUR 1,- = US$ 1,06614; Stand April 2017)

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Sprachvoraussetzungen

Bereits vor Beginn des Studiums müssen die sprachlichen Voraussetzungen so gut sein, dass ein ausreichender Wortschatz an Fachbegriffen eine mühelose Teilnahme an den Lehrveranstaltungen ermöglicht. Der Nachweis über ausreichende Englischkenntnisse ist Bestandteil der Zulassungsvoraussetzungen.

Ein TOEFL (Test of English as a Foreign Language) ist meist Pflicht. Alternativ zum TOEFL akzeptieren inzwischen immer mehr amerikanischen Hochschulen das International English Language Testing System (IELTS).

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  • Aktuelle Infos zum TOEFL auf ETS Global
  • Mehr zum IELTS
  • Übersichten von Intensive English Programs (TOEFL-Vorbereitung, summer sessions) bieten folgende Organisationen:

Visum, Arbeitserlaubnis, Wohnungssuche, Lebenshaltungskosten - die hier zusammen gestellten Informationen helfen Ihnen bei der Vorbereitung.

Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis

Für die Einreise in die USA benötigen deutsche Besucher einen gültigen Reisepass. Des weiteren ist für den Studienaufenthalt ein Studenten-Visum notwendig, das nach Vorlage des Certificate of Eligibility erteilt wird. Das Zertifikat erhält man von der amerikanischen Gasthochschule. Studenten-Visa beinhalten keine Arbeitserlaubnis, diese kann in manchen Fällen von der Gasthochschule erteilt werden.

Neben der Visaantragsgebühr ist eine Gebühr für das Student and Exchange Visitor Information System (SEVIS) zu zahlen. Detaillierte Visa-Informationen erhalten Sie bei der Botschaft. Wer beabsichtigt ohne Visum in die USA einzureisen, muss eine Reisegenehmigung beantragen.

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Lebenshaltungskosten

Eine verbindliche Summe kann hier natürlich nicht genannt werden, doch ist es ratsam, von Orientierungsdaten auszugehen. Am ehesten lassen sich die Lebenshaltungskosten für Studierende berechnen, die in einem Wohnheim auf dem Campus wohnen. In diesem - wohl preiswertesten - Fall muss, zusätzlich zu den Studiengebühren, mit ca. US$ 1.000,- pro Monat gerechnet werden, so dass die Gesamtkosten für ein akademisches Jahr zwischen US$ 16.000,- und US$ 46.000,- liegen (EUR 1,- = US$ 1,06706; Stand Apríl 2017).

Bei Studierenden, die außerhalb des Universitätsgeländes (off campus) wohnen, werden die Kosten hauptsächlich von der Höhe der Miete bestimmt, die je nach Stadt und Region sehr unterschiedlich ist. Hier erkundigt man sich am besten bei seiner zukünftigen Gasthochschule nach dem vor Ort üblichen Preisniveau.

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Unterkunft

Campus-Hochschulen bieten sowohl Unterkunft wie auch Verpflegung zu Preisen zwischen US$ 5.200,- und US$ 10.000,- pro Jahr (Ferienzeiten ausgenommen) an. Auf dem privaten Wohnungsmarkt betragen die Mieten - regional sehr unterschiedlich - zwischen US$ 7.000,- und US $15.000,- pro Jahr.

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Praktische Tipps zum alltäglichen Leben finden Sie auf den Seiten der DAAD-Außenstelle und bei Just Landed.