Überblick: Bildung und Wissenschaft

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DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in den USA, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des amerikanischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
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Laut National Center for Educational Statistics waren im Herbst 2017 rund 20,4 Millionen Studierende in den USA an einem College oder einer Universität eingeschrieben. Die Zahl der Studentinnen übersteigt die ihrer männlichen Kommilitonen deutlich: 11,5 Millionen im Vergleich zu 8,9 Millionen. Geschätzte 7 Millionen Studierende besuchen zweijährige Community Colleges, 13,4 Millionen dagegen vierjährige Colleges. Circa 17,5 Millionen sind als Undergraduates eingeschrieben, etwa 3 Millionen für ein weiterführendes Studium. Mehr Studierende als zuvor studieren Vollzeit anstelle von Teilzeit (12,6 Millionen im Vergleich zu 7,8 Millionen). Es wird erwartet, dass im akademischen Jahr 2017/2018 etwa 1,9 Millionen Associate Degrees, 1,9 Millionen Bachelor Abschlüsse, 790.000 Master und 179.000 PhDs verliehen werden.

2015 nahmen fast 69,2 Prozent der High-School-Abgänger direkt nach Erwerb des High School Diploms Studien im tertiären Bildungssektor auf. Ein stetiger Aufwärtstrend ist zu beobachten bei den Einschreibungszahlen von Afro-Amerikanern und Latinos: Zwischen 2000 und 2015 stieg die Anzahl von schwarzen Studierenden von 11,7 auf 14,1 Prozent. Ein noch größeres Wachstum ist bei den hispanischen Studierenden zu beobachten. Hier stieg die Anzahl der Studierenden fast auf das Doppelte von 9,9 auf 17,3 Prozent.
Die hohe Quote der Studierenden ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass es im Unterschied zu Deutschland keine klassische berufliche Bildung gibt, ein großes Manko in der US-amerikanischen Ausbildungswelt, das zu einem eklatanten Mangel an Facharbeitern und damit großen Stellenbesetzungsschwierigkeiten gerade in der Industrie führt. Zudem liegt der vermeintlich einzige Weg, ein attraktives Gehalt zu erzielen und den gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen, im Besuch eines Colleges oder einer Universität. Die Zahlen sprechen für sich: Durchschnittlich verdiente ein Arbeitnehmer im Jahr 2015, sofern er mindestens einen Bachelor-Abschluss vorweisen konnte, jährlich 20.000 US-Dollar mehr als ein Arbeitnehmer mit einem High-School-Abschluss. Die Vollbeschäftigungsquote der 25- bis 34-Jährigen mit mindestens einem Bachelorabschluss lag bei 77,2 Prozent, 68,6 Prozent bei denjenigen mit High School-Diplom und 58,6 Prozent bei denjenigen, die keinen High School Abschluss erworben hatten. Entsprechend ist der Unterschied der Arbeitslosenquote: Sie betrug 5 Prozent bei denjenigen mit mindestens einem Bachelorabschluss und 17 Prozent bei denjenigen, die kein High School-Diplom erworben hatten.

Allerdings widerspricht eine im Sommer 2017 veröffentlichte Studie des Pew Forschungszentrums der bislang weit verbreiteten positiven Einstellung zur Hochschulbildung, und zwar unter den Anhängern der Republikanischen Partei: „An annual survey by the Pew Research Center on Americans’ views of national institutions found a dramatic attitude shift on higher education among Republicans and people who lean Republican, with the change occurring across most demographic and ideolo-gical groups. Two years ago, 54 percent of Republicans said colleges had a positive impact on the country’s direction, with 37 percent rating higher education negatively. That ratio shifted to 43 per-cent positive and 45 percent negative last year. The latest version of the survey, conducted [in the summer of 2017] among 2,504 adults, for the first time found a majority (58 percent) of Republicans saying colleges have a negative effect, compared to 36 percent saying they have a positive effect. A gradual increase in the number of Democrats and Democratic leaners who view higher education positively helped counterbalance the increasingly negative take by Republicans. In the latest version of the survey, 72 percent of Democrats viewed colleges positively (up from 65 percent in 2010) com-pared to a negative response from 19 percent this year.”

Laut National Center for Educational Statistics hatten etwa 59 Prozent der Studenten, die sich 2009 als Vollzeit-Studierende in einem Bachelorstudiengang eingeschrieben hatten, nach sechs Jahren ihr Studium vollendet. Die höchsten Studienabschlussraten weisen private Non-Profit-Hochschulen mit vierjährigen Studiengängen auf, an denen 53 Prozent der Studierenden, die sich 2009 einge-schrieben hatten, einen Studienabschluss ablegten (gezählt sechs Jahre nach Studienbeginn). Zum Vergleich: Bei den privaten For-Profit-Hochschulen mit vergleichbaren Studiengängen liegt diese Quote bei 13,9 Prozent. Im akademischen Jahr 2015/2016 wurden insgesamt 1.008.314 Associate-Degrees (zweijährig), 1.920, 718 Bachelor-Degrees, 785.595 Mastertitel und 177.867 PhDs verliehen.
In den USA waren 2016 insgesamt 1.548.732 Lehrkräfte an Hochschulen angestellt (Community Colleges, Colleges, Universitäten), wovon 815.760 eine Vollbeschäftigung hatten und 732.972 einer Teilzeit-Anstellung nachgingen. Die Vollzeitkräfte teilen sich auf in: 182.924 „Professors“; 157.820 „Associate Professors“; 176.347 „Assistant Professors“; 100.789 „Instructors“; 42.150 „Lecturers“ sowie 155.730 andere Fakultätsangestellte. Insgesamt fielen 441.430 Stellen auf männliche und 374.330 auf weibliche Lehrkräfte. Von den Vollbeschäftigten identifizierten sich 575.294 als Weiße, 79.497 als Asiaten, 44.553 als Schwarze und 37.513 als Hispanics.

Professorinnen und Professoren in den USA haben fast immer einen Doktortitel; Ausnahmen hiervon sind bestimmte Bereiche (Recht, Wirtschaft, Kunst), wo ein Master- oder LLM-Titel akzeptiert wird. An Community Colleges ist ein Doktortitel oft nicht erforderlich. Wie die Zahlen belegen, kann man hier einen Trend beobachten: Die Zahl der Professorenstellen mit „Tenure“ oder derjenigen auf dem „Tenure Track“ nimmt zugunsten der steigenden Zahl von befristeten Arbeitsverhältnissen ab. Bei beiden Berufsgruppen führt das zu großem Stress: Diejenigen, die eine begehrte „Tenure-Track“-Stelle haben, leiden unter großem Leistungsdruck, da die anschließende Verbeamtung nicht mehr garantiert ist. Viele der „Adjunct Professors“ oder „Lecturers“ wiederum, die nur über Kurzzeitverträge mit geringerer Entlohnung und weniger Zusatzleistungen wie beispielsweise Krankenversicherung angestellt werden, können sich oftmals nur durch mehrere gleichzeitig ausgeübte Jobs über Wasser halten. Die Hochschulen begründen diese Entwicklungen mit steigendem Kostendruck und sinkender staatlicher Förderung.

Hochschultypen und Besonderheiten

Staatlich – Dieser Hochschultyp umfasst regionale, bundesstaatliche Universitäten und große Forschungseinrichtungen. Laut einer Analyse des Pew Charitable Trusts von 2015 setzte sich im Haushaltsjahr 2013 das Budget der staatlichen Colleges und Universitäten durchschnittlich wie folgt zusammen: 21 Prozent vom jeweiligen Bundesstaat; 15 Prozent von der Bundesregierung; 21 Prozent Gebühren; 21 Prozent aus dem operativen Geschäft (zum Beispiel Wohnheime); 8 Prozent Spenden und Stiftungseinkommen; 8 Prozent Sonstiges; 4 Prozent kommunale Einnahmen.

Community Colleges – Diese öffentlichen Einrichtungen, die staatlich oder kommunal verwaltet werden, bieten zweijährige Studiengänge an, welche zu einem sogenannten „Associate Degree“ führen. In 23 Staaten können Community Colleges auch Bachelor-Abschlüsse erteilen. An Community Colleges studieren 45 Prozent aller Undergraduates in den USA, wobei die meisten aus Haushalten mit geringem Einkommen stammen. Laut der American Association of Community Colleges wurden die meisten Abschlüsse an Community Colleges in den Geisteswissenschaften beziehungsweise „General Studies“, Wirtschaftsmanagement, Krankenpflege, Ingenieurwissenschaften und Computerwissenschaften vergeben.5 Besonders hervorzuheben ist, dass die Studierendenschaft an den Community Colleges immer vielfältiger wird (internationale Studierende eingeschlossen), da viele Studierende aufgrund der hohen Studienkosten ihr Studium an einem vergleichsweise günstigen Community College beginnen und nach einigen Semestern an eine Hochschule mit vierjährigen Studiengängen wechseln. Viele Hochschulen haben inzwischen auf diesen Trend reagiert und Partnerschaften mit bestimmten Community Colleges etabliert.

Privat (non-profit) – Diese Hochschulen reichen von kleinen Liberal Arts Colleges mit circa 1.000 Studierenden bis hin zu den großen, namhaften Forschungsuniversitäten wie Stanford oder Harvard, die sich in der Regel durch teils erhebliche Stiftungsvermögen, Spenden sowie sehr hohe Studiengebühren finanzieren. Auf Grund der größeren finanziellen Unabhängigkeit sind die privaten Non-Profit-Universitäten diejenigen mit der größten Autonomie. Sie erhalten keinerlei bundesstaatliche Grundförderung und können daher weitgehend eigenständig über Curriculum und Budgetverteilung entscheiden.

Privat (for-profit) – Die For-Profit Hochschulen gelten als wenig selektiv und haben teilweise einen schlechten Ruf bezüglich der Qualität ihrer Ausbildung. Interessant ist: An den gewinnorientierten Hochschulen studieren zwar nur zwölf Prozent aller Studierenden, diese erhalten aber fast ein Viertel aller Pell Grants (staatliche Förderung für bedürftige Studierende). Dies führt im Ergebnis dazu, dass 285 dieser gewinnorientierten Einrichtungen mehr als 85 Prozent ihres Budgets indirekt aus Quellen der Bundesregierung beziehen, da Pell Grants vornehmlich für Studiengebühren ausgegeben werden.

Hochschulzugang

Jede Hochschule entscheidet eigenständig darüber, wen sie zum Studium zulässt und wie die Richtlinien für die Zulassung aussehen. Bewerberinnen und Bewerber müssen die High School abgeschlossen haben oder ein „General Equivalency Diploma – GED“ vorweisen. Zudem müssen sie einen von zwei standardisierten Tests absolvieren, entweder den „Scholastic Aptitude Test - SAT“ oder „American College Testing - ACT“. Standardisierte Testanforderungen können manchmal erlassen werden, zum Beispiel wenn ein Studierender von einem zweijährigen Programm an einem Community College zu einem vierjährigen Hochschulprogramm wechselt.

Bewerber für ein Master- oder PhD-Studium müssen je nach Fachbereich und Universität den „Graduate Record Examinations - GRE“-Test absolvieren und ein ausführliches Motivationsschreiben beilegen. Wichtig für die Bewerbung sind des Weiteren zumeist drei Empfehlungsschreiben. Gerade für höhere Bildungsabschlüsse gibt es Unterschiede in den Bewerbungsvoraussetzungen, die jeder Fachbereich und jede Universität einzeln festlegen.

Hochschulfinanzierung und Studiengebühren
Die durchschnittlichen Jahresgebühren eines vierjährigen Bachelorstudiums an privaten Non-Profit-Colleges liegen derzeit bei durchschnittlich fast 38.000 US-Dollar, an öffentlichen Colleges im Schnitt bei knapp unter 10.000 US-Dollar (für Out-of-State-Studierende bei rund 25.600 US-Dollar). Auf Grund der hohen Studiengebühren müssen zahlreiche Studierende ein Darlehen aufnehmen, was zu einer stetig steigenden Verschuldung der Graduierten führt. Die Zahlen sind erschütternd: Die Studienschulden belaufen sich 2018 auf 1,48 Bio. US-Dollar (und damit 620 Mrd. US-Dollar mehr als die gesamten Kreditkartenschulden der Amerikaner). Es gibt etwa 44 Millionen Kreditnehmer mit einem durchschnittlichen Saldo von 39.400 US-Dollar.

Wie sehr die Studiengebühren gestiegen sind, zeigen folgende inflationsbereinigte Vergleichszahlen des College Board:
• Öffentliche Universitäten (vier Jahre): Anstieg um 213 Prozent von 1987/88-2017/18
• Private Universitäten (vier Jahre): Anstieg um 129 Prozent über denselben Zeitraum
• Für den Zeitraum von 2007/2008 - 2017/2018 beträgt der Anstieg für
o öffentliche Universitäten 136 Prozent
o private Universitäten 126 Prozent
• Der größte Sprung nach oben fand nach der Finanzkrise im akademischen Jahr 2009/2010 statt.
• Und noch ein letzter interessanter Punkt zum ganzen Komplex Studiengebühren / Studien-schulden: Rund zwei Drittel der Schulden lasten auf den Schultern von weiblichen Absolventinnen, die zudem auf Grund der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen länger brauchen, um Dollar für Dollar zurückzubezahlen (laut New York Times). Unter den Frauen wiederum sind die Afro-Amerikanerinnen am stärksten belastet.

Ausländische Studierende haben keinen Zugang zu öffentlichen Stipendien oder finanzieller Hilfe, sondern lediglich zu universitätsspezifischer Förderung: so zum Beispiel zu Stipendien für hochqualifizierte Sportler, oder aber indirekt durch wissenschaftliche Mitarbeiterstellen für Masterstudenten oder Doktoranden, denen neben der Zahlung eines Gehaltes zusätzlich Krankenversicherung angeboten und die Studiengebühren erlassen werden.

Besondere Stärken in der Forschung

Forschung findet prinzipiell an allen etablierten Colleges und Universitäten statt. Darüber hinaus gibt es laut Carnegie Classification of Institutions of Higher Education solche, die als besonders starke Forschungsuniversitäten eingestuft werden (derzeit 108). Grundlagenforschung wurde über Jahrzehnte zum Großteil von der Bundesregierung finanziert. Daten der National Science Foundation zeigen allerdings, dass 2015 die Grundlagenforschung mit nur noch 44 Prozent aus föderalen Mitteln finanziert wurde. Das bedeutet, weitere Mittel werden zunehmend durch Eigenmittel der Hochschulen (aus Stiftungen und von privaten Sponsoren bzw. von der Wirtschaft und Non-Profit-Organisationen) eingeworben. Besondere Stärken der Forschung in den USA sind die exzellente Forschungsinfrastruktur und die ausgezeichneten Kooperationsmöglichkeiten in praktisch jedem Fachgebiet. An der Spitze der Förderung stehen die Grundlagenforschung sowie die angewandte Forschung in den Gebieten Medizin, Biochemie, Genetik, Molekularwissenschaften und Ingenieurwissenschaften.


Verfasserin: Dr. Nina Lemmens, Außenstelle New York

Der DAAD ist in den USA mit einem Informationszentrum in San Francisco, einer Außenstelle in New York und einem Lektorat an der University of Rhode Island in Kingston vertreten.