Überblick: Bildung und Wissenschaft

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DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Tansania, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des tansanischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
www.daad.de/regionalinformationen.


1961 wurde mit der University of Dar es Salaam (UDSM) die erste Hochschule Tansanias eröffnet. Zunächst als Ableger der University of London gegründet und ab 1963 in die regionale University of East Africa eingegliedert war die UDSM lange Zeit nicht eigenständig. Ab 1970 erfolgte die Umwandlung in eine unabhängige Universität. Mit der Sokoine University of Agriculture (SUA) in Morogoro und der Fernhochschule Open University of Tanzania (OUT) kamen 1984 bzw. 1992 lediglich zwei weitere Institutionen über die nächsten Jahrzehnte hinzu. Ab Mitte der 1990er-Jahre setzte jedoch eine starke Ausweitung des Hochschulangebotes ein, sowohl durch öffentliche als auch durch private Anbieter. Aktuell sind insgesamt 49 Hochschulen in Tansania registriert, davon 12 staatliche Universitäten, zwei staatliche Colleges, ebenso wie 21 Universitäten und 14 Colleges in privater oder kirchlicher Trägerschaft. Die Studierendenzahlen sind gemäß der Angaben der Tanzania Commission for Universities ebenfalls stark angestiegen, von weniger als 5.000 in den frühen 1990ern auf fast 219.000 im Jahr 2013/14.

Trotz der Diversifizierung des Angebotes bleibt das Hochschulsystem stark fokussiert auf die UDSM, welche mittlerweile drei Campus im Großraum Dar es Salaam umfasst und allein fast 22.000 Studierende zählt. Andere wichtige Einrichtungen sind die katholische St. Augustine University Tanzania (SAUT), die evangelisch-lutherische Tumaini University sowie die auf Agrar- bzw. Gesundheits-Wissenschaften spezialisierten Sokoine University of Agriculture (SUA) und Hubert Kairuki Memorial University (HKMU). Erwähnenswert ist weiterhin das Nelson Mandela Africa Institute of Science and Technology in Arusha, das zu einem im Rahmen der NEPAD-Initiative eingerichteten panafrikanischen Netzwerk von technologie-orientierten Zentren für Forschung und Graduiertenausbildung gehört. Das Institut verfügt seit 2015 gemeinsam mit der UDSM über die größte Zahl (12) an in-country Stipendien des DAAD. Der zu Tansania gehörende Teilstaat Sansibar hat seit den späten 1990er-Jahren ebenfalls zwei Universitäten, die staatliche State University of Zanzibar (SUZA) sowie die private Zanzibar University (ZU). Trotzdem zieht es die meisten Studierenden an die finanziell und qualitativ besser ausgestatteten Hochschulen auf dem Festland.

Trotz des deutlich erkennbaren politischen Willens zur Verbesserung des (Hoch-)Schulangebotes sieht sich Tansania nach wie vor mit einer Reihe von Problemen konfrontiert:

- Anhaltender Nachfrageüberschuss, besonders im Postgraduierten-Bereich:
Ungeachtet der erheblichen Ausweitung des Studienangebotes kann der wachsende Bedarf an Studienplätzen in Tansania nicht annährend gedeckt werden. Entscheidende Faktoren wie die Größe des Lehrkörpers, die technische Ausstattung und die Forschungskapazitäten sind nicht proportional zu den Studierendenzahlen aufgestockt worden. Ein besonderes Problem stellt das nach wie vor sehr begrenzte Angebot im Postgraduierten-Bereich dar. Entsprechend müssen die meisten Studierenden ihr Studium nach dem Bachelor beenden oder an eine Hochschule im Ausland wechseln.

- Niedrige Studienqualität und Mangel an qualifizierten Lehrkräften:
Neben dem quantitativen ist auch das qualitative Bildungs-Angebot in vielen Bereichen mangelhaft. Bedingt durch Einstellungsstopps in den 1990er- und 2000er-Jahren sowie das unzureichende Ausbildungsangebot sind große Teile des Lehrkörpers entweder überaltert oder schlecht ausgebildet. Der fachliche Bedarf der Grund- bzw. weiterführenden Schulen kann häufig noch gedeckt werden, jedoch ergeben sich besonders im Hochschulsektor Probleme. Mit Ausnahme der wenigen alten „Prestige-Hochschulen“ liegt beispielsweise der Anteil des Universitätspersonals mit PhD-Abschluss meist bei 20 % oder niedriger.

- Finanzielle Defizite und soziale Gleichberechtigung:
Die tansanische Regierung, unterstützt durch diverse externe Geldgeber, hat das Budget des tertiären Bildungssektors enorm aufgestockt, von rund TZS 140 Milliarden im Jahre 2003/2004 auf rund TZS 800 Milliarden im Jahr 2013/2014. Die Neugründungen diverser Institute über die letzten Jahre hat jedoch einen Großteil der zusätzlich bereitgestellten Finanzen verschlungen, sodass nur wenige Investitionen in Personal und Lehre gemacht werden konnten. Zudem gab es einige Reformen, um auch wirtschaftlich schwächer gestellten Personen ein Studium zu ermöglichen. 2001 respektive 2004 wurden z.B. die Tanzanian Education Authority (TEA) und das Higher Education Student Loans Board gegründet, welche öffentliche Stipendien und Studienkredite vergeben. Für das Studienjahr 2012/2013 wurden beispielsweise 208 Mio. USD Studiendarlehen an insgesamt rund 98.700 Studierende vergeben. Diese Maßnahmen werden weithin als sozialer Erfolg gewertet, haben jedoch teilweise auch zu einer Verschärfung der bestehenden finanziellen Engpässe an anderen Stellen geführt.

(Hoch-) Schulsystem

Das Schulsystem Tansanias ist in drei Phasen strukturiert, welche alle kostenfrei angeboten werden: Sieben Jahre der verpflichtenden Grundschule, gefolgt von vier ebenfalls obligatorischen Jahren Secondary Education – Ordinary Level plus zwei weiteren, optionalen Jahren Secondary Education – Advanced Level. Das Einschulungsalter liegt in der Regel bei sieben Jahren. Allerdings verzögert sich die Einschulung aufgrund überreizter Kapazitäten häufig um ein bis zwei Jahre, ein Problem das besonders in Sansibar weit verbreitet ist.

Nach einer erfolgreich abgelegten Abschlussprüfung (A-level examination) können Absolventen zwischen drei verschiedenen Zweigen der tertiären Bildung wählen, angeboten jeweils durch Universitäten, Colleges bzw. technische Einrichtungen. An der Universität wird nach drei Jahren ein Bachelor-Diplom verliehen, wobei Fächer wie Geologie, Jura und Ingenieurwissenschaften (vier Jahre), ebenso wie Medizin (fünf Jahre) eine Ausnahme bilden. Ein Postgraduierten-Diplom kann nach weiteren neun bis 15 Monaten erworben werden, ein Master dauert im Regelfall zwei Jahre. Promotionen brauchen üblicherweise drei bis vier weitere Jahre. Für Sansibar gelten gewisse Sonderregeln, allerdings ist das System weitestgehend vergleichbar.
Das akademische Studienjahr beginnt im September und umfasst 40 Vorlesungs- bzw. Prüfungswochen. Es wird unterbrochen durch zwei Semesterferien, jeweils im Dezember und Juli/August.

Allgemeine Unterrichtssprache in der Grundschule ist Kisuaheli.Ab der Sekundarstufe wird offiziell in Englisch gelehrt, jedoch findet der Unterricht aufgrund sprachlicher Hürden bei den Schülern ebenso wie beim Lehrpersonal häufig auch an weiterführenden Schulen in Kisuaheli statt. Die politische Verantwortlichkeit für das tansanische Bildungssystem liegt im nationalen Bildungsministerium, dem Ministry of Education and Vocational Training (MoEVT). Seit 2005 gibt es die Tanzania Commission for Universities (TCU), die mit der Akkreditierung, Überwachung und Lehrplananpassung aller Hochschulen des Landes, staatlich ebenso wie privat, beauftragt ist.

Forschung

Der Forschungsoutput tansanischer Hochschulen und Forschungseinrichtungen liegt deutlich über dem afrikanischen Durchschnitt. Zwischen 1996 und 2015 lag Tansania in Sub-Sahara-Afrika an fünfter Stelle sowohl gemessen an der Anzahl publizierter Dokumente als auch gemessen an der Häufigkeit, mit der tansanische Publikationen veröffentlicht wurden. In den letzten Jahren hat Uganda jedoch in diesen Statistiken aufgeschlossen und Tansania bereits geringfügig überholt. Die forschungsstärksten Themengebiete sind die Agrar- und Biologie-Wissenschaften, gefolgt von den Sozialwissenschaften.


Verfasser: Dr. Helmut Blumbach, Leiter der Außenstelle Nairobi
 

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