Überblick: Bildung und Wissenschaft

by Adrian Frith [CC-BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Südafrika, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des südafrikanischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
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Südafrika verfügt über 26 staatliche Universitäten: elf General Academic Universities, sechs Universities of Technology und neun Comprehensive Universities. Hinzu kommt seit 2013 ein National Institute for Humanities and Social Sciences in Johannesburg. Die Unterteilung der staatlichen Hochschulen in Volluniversitäten (General Academic), Technische Universitäten und Fachhochschulen (Comprehensive) wird 2018 durch das zuständige Ministerium (Department of Higher Education and Training, DHET) überarbeitet, da die Entwicklung der Hochschulen in den vergangenen zwanzig Jahren die formalen Kategorien inzwischen de facto ad absurdum geführt hat.

Neben den staatlichen Hochschulen agieren auf dem südafrikanischen Bildungsmarkt eine Vielzahl privater Institutionen, die zumeist auf ein bestimmtes Fachspektrum spezialisiert sind (Creative Arts and Design, Theology, Business etc.). 2018 sind gegenwärtig nach nationalen Quellen 102 private Bildungsanbieter im Hochschulbereich akkreditiert. In Südafrika müssen sich alle Institutionen und Studiengänge akkreditieren. Dafür ist die South African Qualifications Authority (SAQA - www.saqa.org.za) zuständig, die die Implementierung des National Qualifications Framework (NQF) vollzieht. Darüber hinaus gibt es etwa dreißig postsekundäre Einrichtungen, die Kurse und Zwischenabschlüsse anbieten, die anschließend für ein Bachelor-Studium angerechnet werden können.

In den letzten Jahren haben im Schnitt knapp 30% der Schulabgängerinnen und Schulabgänger, den „bachelor pass“, den Hochschulzugang erreicht (150.000 Schülerinnen und Schüler im Jahr 2017). An den staatlichen Universitäten sind gut eine Million Studierende eingeschrieben, sei es in Vollzeit oder Teilzeit. 54% sind für Bachelorprogramme immatrikuliert, 26% für kürzere Undergraduate-Programme (Diploma, Certificates). Das strategische Ziel, die Studierendenzahlen bis 2030 auf 1,6 Millionen zu steigern, ist angesichts knapper Mittel eine Herausforderung, die unter anderem durch die Förderung und den Ausbau des berufsbegleitenden Studiums und des Fernstudiums erreicht werden soll. Neben der quantitativen Öffnung der Universitäten, wird die qualitative Reform der Curricula vorangetrieben, um die Abschlusszahlen zu erhöhen. 2016 haben laut Jahresbericht des südafrikanischen Bildungsministeriums (DHET) etwa 200.000 Studierende ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Es handelt sich überwiegend um Absolventinnen und Absolventen von Bachelorstudiengängen. Etwa 8.000 Studierende haben 2016 einen Master, etwa 2.800 eine Promotion erlangt.

Neben Bachelor, Master und Promotion bieten südafrikanische Universitäten kürzere Abschlüsse an. Diese Certificates und Diploma müssen den Anforderungen des National Qualifications Framework (NQF) entsprechen und akkreditiert sein. Eine präzise Entsprechung im deutschen Studiensystem haben diese Abschlüsse nicht, sind sie annäherungsweise Fachschul- oder Technikerabschlüssen vergleichbar. Dies gilt auch für den einjährigen „Bachelor Honours“, der an dreijährige Bachelorstudiengänge anschließt und die Zugangsvoraussetzung für die Einschreibung in ein Masterprogramm ist. Bachelorstudiengänge in den Ingenieur- und Erziehungswissenschaften sowie in künstlerischen Fächern sind meist vierjährig, in den Wirtschafts-, Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften dreijährig. Das Medizinstudium ist auf sechs Jahre angelegt.

Ein großer Teil der Studierenden schreibt sich für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften (27%) oder ein Lehramtsstudium (BA Education, 18%) ein. Neben der Lehrerausbildung werden Studiengänge in den SET-Fächern (Science, Engineering, Technology) strategisch ausgebaut. 2016 haben nach Jahresbericht des Bildungsministeriums 8.000 Studierende ein naturwissenschaftliches Studium, 10.000 ein medizinisches, 12.400 ein ingenieurwissenschaftliches und 22.100 ein Lehramtsstudium abgeschlossen.

Das Studienjahr entspricht in Südafrika dem Kalenderjahr. Nach der Sommerpause (Dezember und Januar) beginnt im Februar der erste von vier Terms. Nach dem zweiten Term unterbrechen im Mai Prüfungswochen sowie eine mehrwöchige Winterpause den Lehrbetrieb, der im Juli erneut einsetzt. Im November endet das Studienjahr mit mehrwöchigen Prüfungen. Die Teilnahme am Curriculum ist verpflichtend (mindestens 80% Anwesenheit). Speziell Bachelorstudierende, die im ersten Jahr vier bis sechs Fächer belegen müssen, stehen unter hohem Zeit- und Erfolgsdruck.

Das Studium an allen Bildungseinrichtungen Südafrikas ist gebührenpflichtig. Die Höhe der jeweiligen Kosten ist an die Art des Moduls (Dauer, Qualifikationsstufe, Fach) gebunden, das belegt wird. Die jährliche Erhöhung der Gebühren durch die Universitäten hatte 2015 und 2016 gegen Ende des akademischen Jahres zu erheblichen Studierendenprotesten (#FeesMustFall, #FMF) geführt. 2015 deckelte das zuständige Ministerium (DHET) die Gebührenerhöhung bei 8% (die Inflationsrate liegt bei etwa 7%) und die Bemessungsgrenze für die staatliche Studienfinanzierung (National Student Financial Aid Scheme, NSFAS) angehoben. Studierende aus Haushalten mit einem Jahreseinkommen unter 600.000 Rand (40.400 Euro) wurden für die Folgejahre von weiteren Gebührenerhöhungen ausgenommen. Seit Januar 2018 wird für Studierende aus Haushalten mit einem Jahreseinkommen unter 350.000 Rand (23.500 Euro) ein gebührenfreies Studium implementiert, das heißt, der Staat übernimmt die Kosten für das Studium dieser Studierenden vollständig. 2017 blieb es an den Universitäten vergleichsweise ruhig. Wie es weitergeht, hängt von der Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit der staatlichen Studienfinanzierung entsprechend der aktuellen Implementierung ab.

Auch über 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid ist das oberste Ziel hochschulpolitischer Steuerung, den vormals benachteiligten Bevölkerungsgruppen Zugang zu tertiärer Bildung zu ermöglichen. Das heißt einerseits, die vorhandenen Hochschulstrukturen neu zu fassen und erheblich zu erweitern, andererseits die Studierendenschaft an den Institutionen durch eine entsprechende Zulassungssteuerung zu verändern. Inzwischen stellen schwarze Studierende mit 72% den größten Teil der südafrikanischen Studierenden, weiße Studierende mit 16% noch immer die zweitgrößte Gruppe. Da weite Teile der Bevölkerung über Generationen von höherer Bildung ausgeschlossen waren, setzt der Staat weitere Anreize im Bereich der Erstakademiker.

Die entscheidende Herausforderung ist nun, den Studienerfolg zu erhöhen. 2016 lag die durchschnittliche Abschlussquote für Bachelorprogramme bei nur 17,7%. Etwas besser sieht es für Master- (22%), schlechter dagegen für Promotionsstudiengänge (13%) aus. Beachtet werden sollte, dass die südafrikanischen Universitäten sich noch immer sehr deutlich in ihrer Leistungsfähigkeit unterscheiden. An einzelnen Universitäten liegen die Abschlussquoten zwischen 60 und 80% (University of Cape Town, University of the Witwatersrand, Johannesburg).
Diese Diversität spiegelt sich auch in anderen Bereichen. Der Anteil promovierter Lehrender an südafrikanischen Universitäten lag 2015 zwischen 13% an der Mangosuthu University of Technology (MUT) und 67% an der University of Cape Town (UCT). 2018/2019 haben die folgenden Universitäten rein quantitativ die meisten Publikationen sowie die meisten Master- und Promotionsstudierenden vorzuweisen: Pretoria (UP), KwaZulu-Natal (UKZN), Stellenbosch (SUN), Witwatersrand (WITS), Cape Town (UCT), South Africa (UNISA), Johannesburg (UJ), North-West (NWU). Ein neues Selbstbewusstsein südafrikanischer Universitäten ist ablesbar an den Aktivitäten und Publikationen des Hochschulrektorenverbunds. 2015 hat sich der 2005 gegründete Verbund Higher Education South Africa (HESA) umbenannt und als Universities South Africa (USAf) neu formiert.

Für die Forschungsförderung an Hochschulen und außeruniversitären Institutionen ist die National Research Foundation (NRF) zuständig. Sie untersteht dem Department of Science and Technology (DST). Ihre zentrale Aufgabe ist die administrative Umsetzung staatlicher Förderprogramme. Der DAAD setzt gemeinsam mit der NRF ein Stipendienprogramm für südafrikanische Master- und Promotionsstudierende um: das „Joint DAAD-NRF Scholarship Programme“, in dem jährlich über 100 Neustipendien vergeben werden. Das Programm ist Teil des Surplace-/Drittlandstipendienprogramms.

Zur strategischen Entwicklung der Forschungslandschaft in Südafrika wurden 2014 fünf Forschungsfelder identifiziert, in die über Programmmittel der NRF Gelder fließen: Global Change, Human and Social Dynamics, Energy Security und Bio-Economy. Wirksam sind Programmlinien wie RISA (Research and Innovation Support and Advancement) unter denen Förderlinien wie die Research Chairs Initiative (SARChI), und die Centres of Excellence (CoE) angesiedelt sind. Deutsche Förderung schließt teilweise an diese Initiativen an. So ist zum Beispiel das Fachzentrum „South African German Centre for Development Research“ räumlich und personell eng mit dem DST-NRF „Centre of Excellence in Food Security“ verknüpft. Neben Individual- und Programmförderung ist es eine zentrale Aufgabe der NRF, die nationalen Forschungseinrichtungen zu betreuen. Dazu gehören international konkurrenzfähige und vernetzte Institutionen wie die iThemba LABS (Nuclear Science), das South African Institute for Aquatic Biodiversity (SAIAB) und das South African Astronomical Observatory (SAAO), die eigene Förderprogramme für Postgraduierte und Internationalisierung durchführen.

Dem DST sind weitere wichtige Akteure der nationalen Forschungslandschaft unterstellt. Das 1945 gegründete Council for Scientific and Industrial Research (CSIR) setzt staatliche Programme der angewandten Forschung um. Gleichermaßen herausragende Forschungsstrukturen bietet die in den 50er Jahren gegründete South African National Space Agency (SANSA) und das 2008 gegründete Human Science Research Council (HSRC), das die gesellschaftliche Transformation Südafrikas wissenschaftlich begleitet. 2001 hat sich die Academy of Science of South Africa (ASSAf) gegründet, deren Arbeitsgruppen und Publikationen die Entwicklung der südafrikanischen Hochschul- und Forschungslandschaft analysieren. 2016 hat das DST als Ergebnis eines EU-Projektes erstmals einen strukturierten Überblick über die südafrikanische Forschungslandschaft publiziert, der die gezielte Entwicklung dieses Sektors unterstützt. Mit der Gründung des Science Forum South Africa (SFSA) 2015, einer Kombination aus Messe und Konferenz, initiierte das Ministerium eine internationale Plattform für Fachdiskussionen zu Wissenschaft und Gesellschaft, die zunehmend an Bedeutung gewinnt.


Verfasserin: Dr. Anja Hallacker, Leiterin des Informationszentrums in Johannesburg
 

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