Überblick: Bildung und Wissenschaft

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DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Spanien, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des spanischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
www.daad.de/regionalinformationen.


Hochschulen und Studierende

Laut Angaben des spanischen Bildungsministeriums (MEDC)1 waren im Studienjahr 2015/2016 insgesamt 1.529.730 Studierende eingeschrieben (Bachelor: 82,4%, Master: 9%, Prä-Bologna-Studium: 6,6%, Promotions- studium: 1,8%). Das entspricht einem Gesamtrückgang von -1,1% gegenüber dem Vorjahr, der sich in erster Linie aus dem demografischen Rückgang der Bevölkerung im studierfähigen Alter (18-24 Jahre) ergibt.

Hochschulsystem

Alle 84 Universitäten (50 öffentliche und 34 private) in Spanien sind vollwertige Universitäten, zum Teil mit technischem Schwerpunkt (Universidades Politécnicas), in die ggfs. fachhochschulähnliche Escuelas Superiores integriert sind. Die wichtigsten Fernuniversitäten Spaniens sind die Universidad Nacional de Educación a Distancia (UNED) in Madrid und die Universitat Oberta de Catalunya (UOC) in Barcelona. Zu den privaten Hochschulen zählen auch einige international sehr renommierte spanische Business Schools (IESE Business School Barcelona, IE Business School Madrid, ESADE Barcelona/Madrid) sowie Ableger ausländischer Hochschulen (z.B. Shiller International University).

Studiengänge

Im Rahmen der Bolognareform wurde ein vierjähriger Bachelor und ein einjähriger Master zum Standard. Seit März 2015 ist den Universitäten allerdings die Einführung dreijähriger Bachelor- und zweijähriger Masterstudiengänge rechtlich freigestellt. Die spanische Hochschulrektorenkonferenz (CRUE) hat sich allerdings erst ab dem 1. Januar 2017 für die Regelung entschieden, eine dreijährige Bachelor- und zweijährige Masterstruktur nur für neu eingerichtete Studiengänge einzuführen und keine Umstellung der alten Studiengänge zu fördern. Auf längere Sicht ist aber von einer Zunahme dreijähriger Bachelorstudiengänge auszugehen. Die meisten Studiengänge können neuerdings über die Online-Plattform der spanischen Regierung gesucht werden: „Qué estudiar y dónde en la universidad" (QUEDO).

Hochschulzugang

Der Hochschulzugang wird durch die Studienzugangsprüfung (CAU) geregelt, die sich zu 60% aus der Note des spanischen Abiturs (bachillerato) und zu 40% aus der Note einer Studieneingangsprüfung (EBAU, früher selectividad) zusammensetzt. Diese Note kann noch durch eine freiwillige Prüfungsphase um weitere 40% verbessert werden. Ausländische Studierende müssen keine zweite Prüfung absolvieren. Die Hochschulzulassung von EU-Ausländern in Spanien bearbeitet UNEDassis.

Bildungsausgaben

Die Ausgaben für Bildung im Terziärbereich sind in Spanien seit Jahren niedrig. Die letzten OECD-Daten aus dem Jahr 2014 (0,9% BIP, 2,2% der Gesamtausgaben)4, liegen deutlich unter dem OECD-Durchschnitt (1,26% des BIP)5. Auch bei den Bildungsausgaben insgesamt lag Spanien laut EUROSTAT 2015 mit 4,1% noch an viertletzter Stelle. Die vorläufigen Zahlen für 2016 liegen sogar nur noch bei 4,0%6. Laut einer aktuellen Studie der spanischen Gewerkschaft UGT investiert Spanien im Jahr 2018 nur 3,7% des BIP in Bildung im Vergleich zu 5,3% im EU-Durchschnitt.

Personal

Vor allem die Sparmaßnahmen der spanischen Regierung aufgrund der Finanzkrise 2008 haben zu einem Abbau von wissenschaftlichem Personal geführt. In der spanischen Presse findet man Zahlen von bis zu 12.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bis 2015. Die öffentlichen Daten zeigen zwar die gleiche Tendenz, allerdings in weniger dramatischer Ausprägung. Demnach ist noch bis ins Krisenjahr 2011 die Zahl der angestellten Wissenschaftler an den öffentlichen Universitäten bis zu 4% gestiegen und erst danach bis ins Jahr 2014/2015 um 5.300 (2,56%) gefallen. Seitdem ist die Zahl zwar erneut angestiegen, das Wachstum für die aktuelle Periode ist aber schon wieder schwächer (1%) als im Vorjahreszeitraum (2%). Die öffentlichen Zahlen verschweigen allerdings die massive Umwandlung von festen Stellen in prekäre und befristete Anstellungsverhältnisse.

Studiengebühren

Spanien ist eines der Länder, in denen es am teuersten ist zu studieren (>2.000 Euro pro Jahr). Die Studiengebühren variieren dabei in den einzelnen autonomen Regionen beträchtlich. Dabei hängen die spanischen Studiengebühren davon ab, wie sehr ein Studiengang von Investitionen (in Labore etc.) abhängt. Masterkurse sind dabei ein wenig teurer als Bachelorkurse.

Hochschulrankings

Die spanischen Universitäten mit den höchsten Positionen in den einschlägigen internationalen Rankings 2018 sind: U Barcelona, Universidad Pompeu Fabra/Barcelona, U Autónoma de Madrid, U Complutense de Madrid, U Granada, U Politécnica de Valencia, U Santiago de Compostela, U del País Vasco, U Navarra, U Politécnica de Cataluña, U Carlos III de Madrid, U Zaragoza, U Politécnica de Madrid, U Salamanca, U Sevilla, U Jaume I/Castellón de la Plana, U Rovira i Virgili/Tarragona, U Valencia, U Alcalá de Henares, U Jaén, U Rey Juan Carlos/Madrid, U La Laguna, U Murcia, U Oviedo, U Vigo, U La Coruña, U Alicante, U Almería, U Castilla-La Mancha.

In nationalen Rankings (beispielsweise El Mundo), finden sich die folgenden Universitäten unter den bestplatzierten: U Pompeu Fabra/Barcelona, U Politècnica de Catalunya/Barcelona, U Carlos III/Madrid, U Politèc-nica de València, U Rovira i Virgili/Tarragona, U Autónoma de Madrid, U de Cantabria/ Santander, U Autònoma de Barcelona.

Eine starke Rolle spielen in Spanien vor allem die jungen forschungsorientierten Universitäten, wie sie in den Rankings des QS50U50 (2018: 6 spanische Hochschulen) oder des The Young University Ranking (2017: 15 spanische und 11 deutsche Hochschulen) aufgelistet werden. 2008 schlossen sich die damals einzigen vier spanischen QS 50-Universitäten zur Alianza4Unidades (A4U) zusammen, um gemeinsam für ihre Interessen einzutreten. Aus diesem Kern entstand 2015 der europäische Verbund der Young European Research Universities (YERUN), zu dem heute u.a. auch die Universitäten Bremen, Konstanz und Ulm gehören.

Forschungsausgaben

Die spanischen Investitionen in Forschung und Entwicklung sind von 2009 bis 2015 um 9,1% gesunken. Seit Beginn der Krise entwickelt sich der Anteil des BIP, den die Regierung für Forschung und Entwicklung ausgibt, in Spanien vom Durchschnitt der EU-28 weg und liegt fast um die Hälfte darunter. Seit 2016 stieg diese Zahl nominell zwar wieder zaghaft (2016: 0,36%, 2017:1,11%) auf 6,5 Mrd. Euro an, zieht man allerdings die rückzahlbaren Anteile ab, die nur zu 29,6% abgerufen werden, so ergibt sich eine reale Senkung für 2017 um 2,64%. Inflationsbereinigt (bei 1,5%) sinkt die Investitionssumme sogar insgesamt um 0,38%. Der aktuelle Anteil der Forschungsausgaben am spanischen Gesamthaushalt beträgt lediglich 1,19%. Die spanische Regierung wurde dafür bereits von der Europäischen Kommission gerügt, da zu befürchten ist, dass Spanien 2020 die Ziele um 60% unterschreiten wird.

Forschungsstandort

Die spanische Forschungslandschaft ist im globalen Vergleich nach wie vor interessant. Laut Scimago-Länderranking ist Spanien weltweit das wissenschaftlich zehntstärkste Land. Damit hat es allerdings seit 2016 zwei Plätze verloren; auch die Publikationsstatistik für die letzten Jahre sieht kritisch aus. Die Gesamtanzahl der wissenschaftlichen Publikationen geht zwar nicht zurück, der Anteil der zitierten Publikationen nimmt aber gerade in den letzten drei Jahren rasant ab. Die Anzahl der Zitationen spanischer Publikationen geht auch in absoluten Zahlen steil zurück.

Perspektiven

Mithilfe eines konstruktiven Misstrauensvotums hat die sozialistische Partei Spaniens (PSOE) am 2. Juni 2018 wieder die Regierung übernommen. Nach einer Reihe von Wahlen in den Jahren 2015 und 2016 und der generellen Umverteilung der politischen Macht im Land durch die Gründung der neuen Parteien ‚Podemos‘ und ‚Ciudadanos‘, regierte zuletzt die konservative spanische Volkspartei ‚Partido Popular‘ (PP) in einer Minderheitsregierung. Diese hatte es ein Jahr lang nicht geschafft, einen Haushalt zu verabschieden und ist über eine Reihe von weitreichenden und massiven Korruptionsfällen (Fall ‚Gürtel‘) gestürzt, in denen die gesamte Regierungspartei für ihre systematisch kriminelle Tätigkeit verurteilt wurde. Nach dem Regierungswechsel präsentiert sich Spanien wieder als ein Land mit vorausschauenden Repräsentanten und Ideen. Der – auch krisenbedingte – Stillstand bzw. Rückschritt in den Regierungsjahren der PP könnte überwunden werden. Erstes Anzeichen ist die Ernennung des (bis zuletzt in Deutschland bei der ESA in Darmstadt beschäftigte) spanische Ex-Astronaut Pedro Duque zum Wissenschaftsminister. Gleichzeitig wurde die in der wissenschaftlichen Community vielfach als unproduktiv empfundene Kompetenzverteilung zwischen den Ministerien rückgängig gemacht, so dass Forschung, Entwicklung und Univer-sitäten wieder in einer Hand liegen, während Bildung im Primär- und Sekundarbereich ein eigenes Ministerium erhalten werden.
Der neue Rückenwind für die wissenschaftliche Kooperation könnte unter Umständen nur bis zu den Wahlen 2019 halten, allerdings scheint der Regierungswechsel auch in den Wahlumfragen die bereits tot geglaubte PSOE zurück ins Spiel bringen.

Die schwierigen Zukunftsperspektiven für Studierende und Nachwuchswissenschaftler in Spanien sind der neuen Regierung sehr bewusst. Minister Pedro Duque, bis vor Kurzem Mitglied der Vereinigung spanischer Wissenschaftler in Deutschland (CERFA), war eng in die Netzwerke ausgewanderter spanischer Nachwuchsforscher eingebunden und weiß, welche Veränderungen nötig sind, um die geschätzten 15.000 bis 20.000 spanischen Wissenschaftler im Ausland wieder für Spanien zurückzugewinnen. Trotzdem bleibt Deutschland für diese Wissenschaftler auch in Zukunft ein sehr attraktives Land, denn ungeachtet der allgemein großen Bereitschaft zurückzukehren sind die Anforderungen an die Forschungs- und Beschäftigungsbedingungen in Spanien weiterhin hoch. Dass bisher gerade bei den besten spanischen Nachwuchswissenschaftlern die USA und Großbritannien die erste Wahl waren, könnte sich in Folge des Brexits und der Forschungsfeindlichkeit der Trump-Regierung zugunsten Deutschlands ändern.
Auch dürfte die in Spanien längerfristige Umstellung der Bachelor- und Masterstudiengänge von 4+1 auf 3+2 in den kommenden Jahren die Einrichtung von Doppelabschluss-Studiengängen deutlich einfacher machen.


Verfasser: Marc Reznicek, Leiter des DAAD-Informationszentrums Madrid

Der DAAD ist in Spanien mit einem Informationszentrum in Madrid und weiteren acht Lektoraten in Barcelona, Valencia, Granada, Sevilla (2x), Salamanca, Santiago de Compostela und Vitoria vertreten, die von fünf DAAD-Sprachassistenten unterstützt werden.
 

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