Überblick: Bildung und Wissenschaft

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DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Serbien, finden Sie im Ländersachstand Serbien (2018). Eine umfangreichere Analyse des serbischen Hochschulsystems bietet die Bildungssystemanalyse Serbien (2018), eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das Datenblatt Serbien (2018).

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
www.daad.de/regionalinformationen.


In Serbien gibt es derzeit acht staatliche und zehn private Universitäten. Hinzu kommen 55 berufsbildende Hochschulen, wovon 35 staatlich und 20 privat sind. Hervorzuheben ist, dass die Fakultäten einer Universität in Serbien – wie auch in den anderen ex-jugoslawischen Staaten – rechtlich eigenständig und teilweise auch finanziell unabhängig sind. Reformen auf staatlicher oder universitärer Ebene sind demzufolge schwerer durchzusetzen und es können große Unterschiede im Niveau zwischen den Fakultäten einer Universität bestehen. Die bedeutendsten Hochschulen sind die Universität Belgrad mit 31 Fakultäten, 90.000 Studierenden und circa 5.000 wissenschaftlichen Mitarbeitern. An zweiter Stelle steht die Universität Novi Sad in der autonomen Region Vojvodina, mit 14 Fakultäten, mehr als 50.000 Studierenden und circa 3.000 wissenschaftlichen Mitarbeitern.
Die Singidunum Universität und die Megatrend Universität sind die größten privaten Universitäten. Letztere ist durch Zweifel an der Ordnungsgemäßheit der Vergabe von Doktortiteln in Verruf geraten. Einige der privaten Universitäten lehren nach modern ausgerichteten Curricula und unterhalten zahlreiche internationale Kooperationen.

Serbien trat 2003 dem Bologna-Prozess bei und verabschiedete 2005 ein neues Gesetz zur höheren Bildung, auf dessen Grundlage das European Credit Transfer System, das dreizyklische Studiensystem und die Ausstellung von Diplomzusätzen eingeführt wurde. Gemäß der 2012 verabschiedeten und 2016 überarbeiteten „Strategy on Science and Technological Development of the Republic of Serbia for the period from 2016 to 2020“ sollen die staatlichen Ausgaben für Bildung erhöht werden, um die Qualität der Bildung zu verbessern und den Anschluss an den internationalen Hochschulraum nicht zu verlieren.

Neben den Universitäten gibt es berufsbildende Hochschulen, die zwischen Berufs- und Fachhochschulen anzusiedeln sind und angewandte Studienfächer anbieten. Nach der Reform des Hochschulgesetzes von 2005 wird dieses System langfristig auslaufen. 2017 wurde ein Gesetz zur Einführung eines dualen Berufsbildungssystems verabschiedet.

Da die Fakultäten beziehungsweise Universitäten sehr autonom sind, können diese ihr Studienjahr selber strukturieren. Überwiegend erfolgt die Aufteilung in zwei Semester (Winter- und Sommersemester) mit je drei Monaten Vorlesungszeit und jeweils drei Prüfungszeiträumen. Das Wintersemester beginnt Ende September / Anfang Oktober und endet im Januar. Das Sommersemester beginnt Ende Februar beziehungsweise Anfang März und endet im Juni. Der Hochschulzugang setzt eine Hochschulzugangsberechtigung voraus. Dies ist in der Regel das Abitur (Matura). Zusätzlich werden häufig Eingangstests durchgeführt und ein Numerus Clausus festgelegt.

Derzeit sind circa 242.000 Studierende immatrikuliert. Die Zahl der Doktoranden ist auf 11.492 angestiegen. Etwa jeder dritte Lehrstuhl wird von einer Professorin geleitet. Die Zahl der weiblichen Studierenden beziehungsweise Wissenschaftler in den MINT-Fächern ist im internationalen Vergleich mit bis zu 50 Prozent sehr hoch. Die Studiengebühren liegen in Serbien zwischen 400 Euro und 4.500 Euro pro Jahr inklusiver privater Hochschulen. Der Staat unterstützt circa 50 Prozent der Studierenden durch den Erlass der Studiengebühren, Stipendien und günstigen Studienkrediten, wenn sie gute Leistungen erbringen.

Forschung findet in den circa 54 staatlichen Forschungsinstitutionen und Akademien und auch an den Universitäten statt. In manchen Fachbereichen ist Forschung aber aufgrund der Mangelfinanzierung nur eingeschränkt möglich. Herausragende Forschungseinrichtungen sind:

- Institut „Mihajlo Pupin“(Informations- und Kommunikationstechnologie, Belgrad)
- Institut für Nuklearwissenschaften „Vinca“ (Belgrad)
- Institut für Physik (Belgrad)
- Institut für Acker- und Gemüsebau (Novi Sad)
- Institut für Virologie „Torlak“ (Belgrad)
- Institut für biologische Forschung „Sinisa Stankovic“ (Belgrad)

An den staatlichen Universitäten gibt es vier Germanistiken (Belgrad, Novi Sad, Kragujevac und Novi Pazar) mit circa 900 Studierenden. Außerdem bieten private Hochschulen in Nis und Novi Pazar Germanistik als Studienfach an.
An größeren Fakultäten wie der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, der Juristischen und auch der Politikwissenschaftlichen Fakultät Belgrad wird Deutsch als Fremdsprache (DaF) als Wahl(pflicht)fach angeboten. An den privaten Universitäten wird DaF im studienfachbegleitenden Sprachunterricht angeboten. So lernen rund 800 Studierende an den Privatuniversitäten Deutsch als zweite Fremdsprache.

Sowohl im Hochschulbereich als auch im Bereich der privaten Sprachkursanbieter (inklusive GI) zeigt sich eine stabile respektive zunehmende Nachfrage nach DaF-Unterricht. Während es in Nordserbien (Vojvodina) seit jeher eine große kulturelle Nähe zum deutschen Sprachraum gibt, wird die Nachfrage in Zentral- und Südserbien eher über Ansiedlungen von Firmen aus dem DACH-Raum sowie durch die zum Teil desolate Arbeitsmarktsituation in Serbien und den Fachkräftemangel in Deutschland (hier speziell im Bereich medizinisches Personal) hervorgerufen. An Schulen und Hochschulen entwickelt sich Deutsch zur stärksten Fremdsprache nach Englisch.


Verfasserin: Dr. Simone Heine, Leiterin des Informationszentrums Belgrad

Der DAAD ist in Serbien mit einem Informationszentrum in Belgrad vertreten. Darüber hinaus gibt es jeweils ein Lektorat im Informationszentrum Belgrad, an der Universität Belgrad sowie an der Universität Novi Sad.
 

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