Überblick: Hochschulsystem und Internationalisierung

Udo Folkers / blog.goout

Hochschul- und Bildungssysteme im Ausland weisen häufig gravierende Unterschiede zu Deutschland auf. Erfahren Sie mehr zu den verschiedenen Hochschultypen, den Zulassungs- und Sprachvoraussetzungen sowie zu den Studiengebühren.

Hochschulen

Die Lehre und die angewandte Forschung sind die Aufgaben der ca. 3200 (660 staatliche und ca. 2600 private) Hochschulen, die auch das Promotions- und oft das Habilitationsrecht besitzen. Die Ausbildung mit Konzentration auf eine Fachrichtung (z:B. Medizin, Jura, Landwirtschaft, Kunst etc.) ist die Hauptaufgabe der Akademie.  Welche Sudiengänge an russischen Hochschulen angeboten werden finden Sie mit der Datenbank von "Study in Russia". Es werden auch englischsprachige Programme angeboten.

Die Hochschulen lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien kategorisieren. Da sich das russische Bildungssystem in einem generellen Umstrukturierungsprozess befindet, werden sie hier nach Art und Umfang ihres Lehrangebots unterteilt:

  • Die klassischen Universitäten: Sie besitzen seit ihrer Gründung den Status der Universität und zeichnen sich gegenüber den anderen Hochschulen durch ein breites Fächerangebot aus, das dem der westlichen Universitäten nahe kommt.
  • Akademien und Hochschulen mit Spezialisierung: Z.B. Hochschulen für Architektur und Bauwesen oder Pädagogische und Medizinische Hochschulen. Sie forschen und lehren mit enger fachlicher Ausrichtung.
  • Die neugeschaffenen privaten Hochschulen: Sie sind in ihrer fachlichen Ausrichtung noch spezialisierter.

Eine andere Unterscheidungsmöglichkeit ist die administrative Zugehörigkeit der Hochschulen. Nur ein Teil der Einrichtungen ist dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft unterstellt, andere Hochschulen unterstehen den Fachministerien. Für die Medizinischen Hochschulen ist z.B. das Gesundheitsministerium zuständig.

Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft legt unter anderem einheitliche Standards für die Aufnahmekriterien, Mindeststundenzahlen der Studienprogramme, die Rahmenbedingungen und wissenschaftlichen Mindestanforderungen für Bachelor- Master- und Diplomstudiengänge fest.

Studiensystem

Das in zwei Semester eingeteilte Studienjahr beginnt immer am 1. September und endet im Juni.

Das Studium ist straff organisiert und bietet wenig Wahlfreiheit. Noch immer bestimmen in erster Linie die zentralisierten Lehrpläne die Inhalte und den Ablauf des verschulten Studiums. Der Unterricht erfolgt im Kurssystem, so dass die Studenten in klassenähnlichen Verbänden lernen. Bedingt durch das Kursprogramm, ersetzen Stundenpläne die bei uns üblichen Vorlesungsverzeichnisse.

Die Dauer der Bachelor-Studienprogramme beträgt vier Jahre, der Master-Studiengänge 2 Jahre. Zum Abschluss des Wintersemesters und zum Ende des Studienjahres finden in sechs bis zehn Fächern Prüfungen (sessija) statt, die in der Regel mündlich abgehalten werden, wobei zwischen Testat (zacët) und Examen (ekzamen) zu unterscheiden ist. Die Studenten werden intensiv betreut.

Studienabschlüsse

Russland ist im September 2003 dem Bologna-Prozess beigetreten und hat die entsprechende Studienstruktur bis 2013 im Wesentlichen umgesetzt.

  • In zunehmenden Maße werden die Abschlüsse Bakalavr und Magister eingeführt, die den internationalen akademischen Graden Bachelor und Master entsprechen.
  • Diplom: das in der Regel fünfjährige Studium schließt mit dem Diplom spezialista ab. Die Diplomphase umfasst das letzte Studienjahr. Die Anfertigung der Diplomarbeit muss von einem promovierten Wissenschaftler betreut werden und wird in enger Absprache mit Betreuern und Arbeitsgruppe durchgeführt. Ähnlich dem Rigorosum in Deutschland muss die abgeschlossene Diplomarbeit verteidigt werden.
  • Aspirantur: Der Stellenwert der Aspirantur ist dem der Promotion in Deutschland ähnlich. Voraussetzung ist ein Master-Abschluss bzw, das Diplom als Nachweis über ein abgeschlossenes Studium. Über die Dauer von drei Jahren wird eine wissenschaftliche Arbeit angefertigt, die nach Annahme durch die Fakultät in einer mündlichen Prüfung verteidigt werden muss. Die Protokolle und Attestate werden anschließend der Obersten Attestatskommission in Moskau zur Zustimmung vorgelegt. Nur diese kann den Grad des Kandidaten der Wissenschaften (Kandidat nauk) verleihen.

Informationen zu Fragen der Anerkennung von Studienleistungen, -abschlüssen und akademischen Graden finden sie in unseren Tipps vorab.

Stand: 19.10.2017