Überblick: Bildung und Wissenschaft

Michael Oberle

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Neuseeland, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des neuseeländischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
www.daad.de/regionalinformationen.


Hochschultypen und Besonderheiten

Es gibt vier Arten von tertiären Bildungseinrichtungen in Neuseeland:

• Universities mit Bachelor, Master und PhD Ausbildung
• Institutes of Technology and Polytechnics (ITP): Berufs- und Fachausbildung
• Private Training Establishments (PTE) für Nischen- oder einzelne Fächer (zum Beispiel Tourismus, IT) mit anerkannten Abschlüssen
• Wānanga: ähnlich einer Universität, der Fokus liegt auf Bildung im Māori-Kulturkreis mit ankerkannten Abschlüssen (Diplom, Bachelor, manchmal auch Master, PhD)

Bis vor etwa 20 Jahren gab es daneben auch noch Colleges, zum Beispiel Teacher Colleges und Agricultural Colleges. Diese sind jedoch an die Universitäten vor Ort angegliedert (diverse Faculties of Education) beziehungsweise selbst zu Universitäten (Lincoln University) geworden.

Neuseeland hat acht staatliche Universitäten, 18 Fachhochschulen (ITPs), drei Wānanga (māorische Hochschulen), neun staatliche Forschungsorganisationen sowie sieben Crown Research Institutes (CRI), die 1992 von der Regierung als Unternehmen mit anwendungsbezogener Forschung gegründet wurden. Zudem gibt es 105 private Einrichtungen (PTEs).
In den letzten Jahren hat die Förderung der MINT-Fächer auf Betreiben der Regierung in Neuseeland stark zugenommen. In den Naturwissenschaften liegt der Fokus auf dem Anwendungsbereich, und es wird oft nach Verschränkungsmöglichkeiten mit der Wirtschaft gesucht.

Bildungsausgaben

Neuseeland zahlte im Jahr 2014 im Durchschnitt circa 7.218 Neuseeland-Dollar pro Schüler/Student von der Grundschule bis zur Universität. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 8.831 Neuseeland-Dollar. Die Gesamtsumme beträgt dabei für Neuseeland 4,5 Prozent seines GDP, was wesentlich höher als der OECD-Durchschnitt ist (3,8 Prozent des GDP). Öffentliche Schulen werden vom Staat bezahlt. Das Bildungsministerium finanziert dabei vier verschiedene Bereiche: Nachschulische Betreuung, Lehrergehälter, Bereitstellung und Wartung des Grundstücks und Unterstützung für den Schultransport. Die Schulen sind frei zugänglich für alle Schüler, freiwillige Spenden der Eltern (in geringer Höhe) addieren sich zum Schuldbudget dazu. Es kann jedoch vorkommen, dass Schüler aufgrund einer Nicht-Zahlung von „Spenden“ von spezifischen Aktivitäten, wie Ausflügen, ausgeschlossen werden.
Etwa 3,4 Prozent aller Schüler besuchen Privatschulen, aktuell sinkt die Anzahl der Privatschulen kontinuierlich durch die gezielte Politik der Regierung für eine Integration in staatliche Schulen. Auch private Schulen erhalten eine Finanzierung vom Staat (30-40 Prozent ihrer Ausgaben); obwohl sie eine spezielle Ausrichtung pflegen können, müssen sie sich im Ganzen in ihrem Curriculum an die National Education Guidelines halten.

Hochschulfinanzierung und Studiengebühren

Der Staat ist der wichtigste Geldgeber für die Universitäten. Die Finanzierung erfolgt dabei überwiegend durch den Student Achievement Component (SAC), der individuell Studierende variierend nach Kursbelegung fördert und durch den Performance Based Research Fund (PBRF). Die meisten Studiengebühren der einheimischen Studierenden werden über einen Studienkredit finanziert. Aus dem privaten Sektor wird nur wenig zur Förderung der Forschung beigetragen, zum Beispiel werden einige wenige Forschungsverträge finanziert; ansonsten stammen die Forschungsgelder überwiegend aus staatlichen Einrichtungen wie dem Health Research Council, dem Marsden Fund oder vom Ministry of Business Innovation and Employment. Aus dem privaten Sektor kommen nur 30 Millionen Neuseeland-Dollar in die Forschungsunterstützung; bei den 27 Millionen Neuseeland-Dollar Förderung aus dem Ausland haben aber vermutlich auch private Unternehmen einen Anteil, der allerdings nicht gesondert erfasst wird.

2016 betrugen die Studiengebühren für Inländer circa 3.800 - 22.500 Euro und für Ausländer circa 12.000 - 56.000 Euro pro Studienjahr.
Neuseeland fokussiert durch gezielte Investitionen auf Stärkung der Bildung und auf Bildung als Exportfaktor. Bildung wird als ein weiteres wirtschaftliches Standbein betrachtet, so dass viel Energie in die Anwerbung von ausländischen Studierenden investiert wird, die dann im Gegenzug mit ihren internationalen Studiengebühren zur Finanzierung der Hochschulen beitragen.
Als Folge der Finanzkrise schaffte die neuseeländische Regierung im Mai 2009 die vergünstigten Studiengebühren „domestic fees“ für Graduierte aller deutschen Hochschulen für Masterstudiengänge an neuseeländischen Hochschulen ab. Davon ausgenommen sind die Stipendiaten des DAAD (Studierende und Graduierte), die sich aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem neuseeländischen Erziehungsministerium und der Deutschen Botschaft in Wellington vom Mai 1993 (bestätigt 2013 mit Garantie bis 2018) weiterhin zu den reduzierten Studiengebühren der „domestic fees“ an neuseeländischen Hochschulen einschreiben können. Im Gegenzug führte die Regierung aber auch eine Senkung aller Promotionsgebühren auf das Niveau der „domestic fees“ ein, was zu einer Vervierfachung der Einschreibungen führte. In Neuseeland gibt es eine Vielzahl an Stipendienanbietern. Alle Hochschulen bieten selbst verschiedene Stipendienprogramme an (Voll- und Teilstipendien, für Begabte, für internationalen Austausch, für Postgraduierte, für diverse benachteiligte Gruppen et cetera). Außerdem gibt es eine große Anzahl von privaten Stiftungen, teils von Privatpersonen, teils von Firmen gegründete.

Studiensystem

Das neuseeländische Studiensystem ist Bologna-orientiert und gliedert sich in Bachelor (3 oder 4 Jahre, keine Bachelor-Arbeit) und Master (1 oder 2 Jahre). An den meisten Universitäten in Neuseeland richten sich die Abschlüsse zurzeit nach dem in Großbritannien verbreiteten System, das ein sogenanntes Honours-Jahr, und eine „dissertation“ genannte Abschlussarbeit, beinhaltet. Besonders gute Studierende können direkt nach dem Honours-Jahr mit einer Promotion beginnen.
Nach dem Hoch von 2005 nimmt die Zahl der einheimischen Studierenden mit jedem Jahr ab und ist seitdem an den staatlichen Hochschulen um circa 85.000 gefallen (circa 21 Prozent). Erst 2015 lag zum ersten Mal wieder ein leichter Anstieg vor. Der Zuwachs bei den internationalen Studierenden ist zwar besonders seit 2013 erheblich (derzeit circa 43.000), hat den Rückgang bei den einheimischen Studierenden jedoch nicht ausgleichen können. An den privaten Hochschulen ist das Verhältnis ähnlich. Nicht in allen Bereichen von Abschlüssen sind die Studierendenzahlen gleichmäßig zurückgegangen, vielmehr hat insgesamt eine Verlagerung ins höher qualifizierende Segment stattgefunden. In manchen Bereichen haben die Hochschulen deshalb seit Jahren mit sinkenden Einschreibezahlen zu kämpfen, während die Zahlen in anderen Bereichen gestiegen sind.

Die Arbeitsmarktperspektive von Akademikern ist im Allgemeinen gut, jedoch entsteht durch die starke Fächernachfrage an den Hochschulen immer wieder mal ein Überangebot an Absolventen in gewissen Fächern; derzeit baut sich ein solches Überangebot im Bereich Jura und Ingenieurwissenschaften auf. Gerade im Bereich Ingenieurwissenschaften bilden die neuseeländischen Hochschulen auf einem viel breiteren Gebiet aus als von der heimischen Wirtschaft gebraucht. Das liegt natürlich daran, dass es in Neuseeland praktisch keine Großindustrie gibt. So werden im Land vor allem Bauingenieure für den boomenden Wohnungsmarkt gebraucht, während nur sehr geringer Bedarf für Maschinenbauer und Mechatroniker besteht.


Verfasserinnen: Dr. Anna Bauer, ehemalige Lektorin an der University of Auckland, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft in Wellington und Heike Papenthin, National Adviser for German bei ILEP)

Der DAAD ist derzeit in Neuseeland durch ein Lektorat an der University of Auckland vertreten.