Überblick: Bildung und Wissenschaft

Eneas de Troya and Olga Cadena / flickr / CC-BY 2.0

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Mexiko, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des mexikanischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
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Das mexikanische Hochschulwesen hat aufgrund der demographischen Entwicklung des Landes eine explosive Entwicklung erfahren. Von 1940 bis 2017 ist die Bevölkerung von 19,6 Mio. auf knapp 129 Mio. gewachsen. Heute sind ca. 23 Mio. der Mexikaner zwischen 14 und 24 Jahre alt. Mit diesem rapiden Bevölkerungswachstum musste ein entsprechendes Angebot an akademischer Ausbildung und Berufsqualifikation aufgebaut werden. Somit zählt Mexiko heute über 4.200 Hochschulen verschiedenen Typus.

Die wichtigsten Akteure in der Internationalisierung der mexikanischen Hochschul- und Forschungslandschaft sind die Hochschulen selbst, wobei sie von folgenden Organisationen institutionell unterstützt werden: Verband für die Internationalisierung der Bildung (Asociación Mexicana para la Educación Internacional, AMPEI), die mexikanische Rektorenkonferenz (Asociación Nacional de Universidades e Instituciones de Educación Superior, ANUIES), der Nationale Forschungs- und Technologierat (Consejo Nacional de Ciencia y Tecnología, CONACyT) und die Bundesregierungen. Bei der Beurteilung der Internationalität mexikanischer Hochschulen ist zu unterscheiden, um welchen Hochschultypus es sich jeweils handelt: Die großen öffentlichen Hochschulen in der Trägerschaft der Bundesregierung wie die UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) oder das IPN (Instituto Politécnico Nacional) sind international gut vernetzt und legen Wert auf die strategische Auswahl ihrer Partnereinrichtungen. Die UNAM mit einer vergleichsweise hohen Quote von 6% internationaler Studierender ist im World University Ranking der Times Higher Education von 2018 gemeinsam mit dem mexikanischen ITESM (Instituto Tecnológico y de Estudios Superiores de Monterrey) im Ranking auf Positionen zwischen 601-800 zu finden. Damit liegt sie international unter den bestplatzierten Hochschulen Lateinamerikas. Im Latin America University Ranking 2017 der Times Higher Education belegen die zwei genannten mexikanischen Institutionen die Plätze sechs und zehn und zählen somit zu den Top 10 der lateinamerikanischen Universitäten.

In die gleiche Gruppe mit gut entwickelter internationaler Vernetzung sind öffentliche Universitäten in der Trägerschaft der Bundesstaaten einzureihen. Hier können die Universidad Autónoma de Nuevo León (UANL) oder die Universidad Autónoma del Estado de Hidalgo (UAEH) als beispielhaft angeführt werden. Die UANL verfügt zum Beispiel über ein hochrangig besetztes internationales Beratungsgremium des Rektorats, dem Consejo Consultivo Internacional, das die Internationalisierungsstrategie der Hochschule wesentlich mitbestimmt. Andere Hochschultypen sind die Institutos Tecnológicos (IT), die Universidades Tecnológicas (UT) oder die Universidades Politécnicas Públicas (UP). Während die ersten schon auf eine beachtliche Anzahl von Auslandskooperationen blicken können wie zum Beispiel das Instituto Tecnológico de Puebla (ITP), sind die Universidades Tecnológicas erst vor wenigen Jahren über die berufliche Aus- und Weiterbildung von Technikern hinaus zur Vergabe erster akademischer Abschlüsse gekommen. Sie waren bisher bevorzugte Kooperationspartner der französischen polytechnischen Ausbildungseinrichtungen und zeigen jetzt vermehrtes Interesse an der Kooperation mit deutschen Fachhochschulen. Auf deutscher Seite bestehen allerdings häufig nur geringe Kenntnisse über diese Hochschultypen und über die Varianten technischer Studienangebote an den IT und UT. 

Bei den privaten Hochschulen, die zwei Drittel aller Einrichtungen in Mexikos Hochschullandschaft ausmachen, ist das bereits genannte Instituto Tecnológico de Estudios Superiores de Monterrey (ITESM), kurz “TEC de Monterrey“ genannt, hervorzuheben, das über eine sehr gut entwickelte Internationalisierungs- und Kooperationsstrategie verfügt und als Schmiede für die mexikanische Business-Elite gilt. So hat sich das TEC de Monterrey im Rahmen seiner Internationalisierungs-bemühungen mit den 26 deutschen Hochschulen des Deutschen Hochschulkonsortiums für Internationale Kooperationen (DHIK), zusammengeschlossen. Das vom BMBF direkt finanzierte Projekt – die Mexikanisch-Deutsche Hochschulkooperation (mdhk) – fördert seit 2016 den Austausch von Studierenden in kombinierten Studien- und Praxissemestern, Doppelabschluss-studiengänge und zukünftig auch gemeinsame Forschungsvorhaben. Im Vergleich zwischen öffentlichen und privaten mexikanischen Institutionen sind hinsichtlich ihrer Qualität große Unterschiede zu verzeichnen. Während die besten privaten Universitäten einen internationalen Vergleich nicht scheuen müssen, existieren gemessen am deutschen Anspruch auch eine Reihe von eher durchschnittlichen bzw. für die Kooperation eher nicht empfehlenswerten Einrichtungen. Allerdings gibt es klare Parameter für die Bewertung von Qualität von Forschung und Lehre der mexikanischen Hochschulen beziehungsweise der Studiengänge. Solche Indikatoren sind zum Beispiel die Anerkennung eines Studiengangs durch den mexikanischen Akkreditierungsrat für Hochschulbildung (COPAES) oder auch die Mitgliedschaft der Hochschule im Netzwerk der ANUIES. Darüber hinaus verleiht der CONACyT leistungsstarken postgradualen Studiengängen das Qualitätssiegel „Programa Nacional de Posgrados de Calidad“ (PNPC), das beispielsweise zur Beantragung nationaler und internationaler Stipendien beim CONACyT berechtigt. Es ist ebenso wie der Forschungsindex SNI ein aussagekräftiger Index hinsichtlich der Qualität. Im SNI sind mexikanische Forscher in vier verschiedenen Leistungsstufen registriert, die von der Zahl der Publikationen und wissenschaftlichen Aktivitäten abhängen.

Die Studienstufen an mexikanischen Hochschulen entsprechen den international anerkannten Abschlüssen Bachelor („Licenciatura“), Master („Maestría“) und Promotion („Doctorado“). Die „Licenciatura“ besteht i.d.R. aus acht Fachsemestern. Die UT verleihen oberhalb des „Técnico Superior Universitario“ nach einer Reform im Jahr 2008 jetzt auch den „Ingeniero“ (Licenciatura). Die ebenfalls sehr praxisorientierten UP stoßen in jüngster Zeit in den postgradualen Bereich vor (Master und auch Promotion).

Als leistungsstärkste Forschungseinrichtungen sind in erster Linie die autonomen Universitäten der einzelnen Bundesstaaten und die IT zu nennen, an denen intensiv Grundlagenforschung bzw. anwendungsbezogene Forschung betrieben wird. Eine Sonderstellung nehmen die fast 30 Bundesforschungseinrichtungen, die Centros de Investigación, in der Trägerschaft des CONACyT, ein. Sie sind aufgrund ihrer Forschungskapazität im Bereich der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung sehr interessante Kooperationspartner für Wissenschaftler aus dem Ausland. 

  
Verfasser: Dr. Alexander Au, Leiter der DAAD-Außenstelle Mexiko-Stadt, und Susanne Faber, Hochschulmarketing-Beauftragte der DAAD-Außenstelle Mexiko-Stadt.

Der DAAD ist mit einer Außenstelle in Mexiko-Stadt vertreten. Darüber hinaus gibt es vier DAAD-Lektorate in Mexiko, die an der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) in Mexiko-Stadt, der Universidad Autónoma de Nuevo León, Monterrey, sowie an der Universidad de Guadalajara angesiedelt sind.