Studieren und leben in Lettland

By Tiago Fioreze [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

Hochschul- und Bildungssysteme im Ausland weisen häufig gravierende Unterschiede zu Deutschland auf. Erfahren Sie mehr über die Hochschultypen, die Zulassungsvoraussetzungen und Studiengebühren.

Hochschulen

Lettland verfügt über sechs staatliche Universitäten sowie eine Reihe von anderen höheren Bildungseinrichtungen. Die Unterscheidung zwischen universitärer und nicht uninversitärer Hochschulbildung wird in Lettland anhand der Programme gemacht - unabhängig vom Typ der Einrichtung. Das Gesetz erlaubt berufsbildende und akademische Programme innerhalb ein und derselben Einrichtung. Zu den staatlichen Hochschulen haben sich eine Anzahl privater Einrichtungen gesellt, von denen mehrere staatlich anerkannt sind.

Welche (akkreditierten) Programme an den Hochschuleinrichtungen angeboten werden, zeigt Ihnen die Datenbank des Higher Education Quality Evaluation Centre (HEQEC) sowie die "Study Programmes" bei Study in Latvia.

Studiensystem

Das akademische Jahr ist in zwei Semester gegliedert. Das Wintersemester beginnt im September und endet im Januar. Das Sommersemester dauert von Februar bis Juni.

Das lettische Hochschulsystem differenziert zwischen sogenannten „akademischen“ und „professionellen“ Studiengägen. Die akademischen Studiengänge sind tendenziell stärker theoretisch aus-gerichtet. Aber auch hier gibt es angewandte Studiengänge. Die professionellen Studiengänge füh-ren zu konkreten Berufen wie Übersetzer, Pilot oder Bankangestellter. In beiden Bereichen kann man Bachelor und Masterabschlüsse erwerben. Die akademischen Studiengänge folgen den Bologna-Vorgaben.

Das lettische Studiensystem sieht folgende Gliederung des Studiums vor:

Universitäres Grundstudium:
Die Studiendauer beträgt zwischen drei und vier Jahren und führt zum Erwerb des akademischen Titels Bakalaurs / Bachelor. In den meisten Fällen muss zum Abschluss des Studiums eine umfangreiche schriftliche Hausarbeit vorgelegt werden.

Weiterführendes universitäres Studium:
Aufbauend auf dem ersten akademischen Abschluss, kann nach ein bis zwei weiteren Studienjahren der Magistrs / Master erworben werden. Die Gesamtstudiendauer darf nicht weniger als fünf Jahre betragen. Auch hier muss zum Abschluss eine umfangreiche schriftliche Hausarbeit (Masterarbeit) vorgelegt werden.
Beim Medizin- und Zahnmedizinstudium findet keine Unterteilung in zwei Studienabschnitte statt. Das Studium dauert fünf bis sechs Jahre und der Abschluss ist dem Magister vom Rang her gleichgestellt.

Doktoranden-Studiengänge: Maximal drei bis vier weitere Jahre dauern die Doktoranden-Studiengänge. Sie beinhalten Forschungstätigkeit, das Verfassen einer Doktorarbeit und deren öffentliche Verteidigung. Danach kann der Doktortitel verliehen werden.

Die Studiendauer wird anhand eines Kreditpunktesystems bemessen. Ein Kreditpunkt entspricht einer Woche Studienarbeit, wobei von 40 Stunden ausgegangen wird. Zum Abschluss des Grundstudiums müssen daher 160 Punkte erreicht werden.

Informationen zu Fragen der Anerkennung von Studienleistungen, -abschlüssen und Akademischen Graden finden sie in unseren Tipps vorab.

Zulassung

Grundvoraussetzung für die Zulassung zum Studium ist ein mindestens 12-jähriger Sekundarschulabschluss. Die deutsche allgemeine Hochschulreife wird als Zulassungsvoraussetzung anerkannt. Informationen erteilt das Academic Information Centre.

Ein Gesundheitszeugnis einschließlich eines HIV-Tests werden generell im Rahmen der Formalitäten verlangt.

In der Regel bilden Aufnahmeprüfungen eine weitere Zulassungsvoraussetzung sowie der Nachweis über lettische Sprachkenntnisse.

Es ist unbedingt erforderlich, die genauen Zulassungsbedingungen bei der jeweiligen Hochschule zu erfragen, da die Zulassungsentscheidung den Hochschulen überlassen wird.

Studiengebühren

Es werden generell Studiengebühren für ausländische Studierende erhoben. Die Gebührenhöhe liegt zwischen EUR 800,- an staatlichen und EUR 1.500,- bis EUR 22.000,- an privaten Hochschulen pro Studienjahr. Die Beträge werden von den Hochschulen individuell festgelegt. Die Gebühren sind abhängig vom Studiengang und der gewählten Hochschule.

Sprachvoraussetzungen

Die Unterrichtssprache ist in der Regel Lettisch. Die Sprachkenntnisse müssen daher bereits vor Beginn des Studiums so gut sein, dass ein ausreichender Wortschatz an Fachbegriffen eine mühelose Teilnahme an den Lehrveranstaltungen ermöglicht. Eine Sprachprüfung ist Teil der Zulassungsbedingungen.

Die Hochschulen bieten Sprachkurse für internationale Studierende an. In geringem Umfang werden auch Studienprogramme in russischer, englischer und deutscher Sprache angeboten.

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Die Universität Münster bietet einen Überblick über Kurse der baltischen Sprache.

Visum, Arbeitserlaubnis, Wohnungssuche, Lebenshaltungskosten - all das sollte vor einem Auslandsaufenthalt gut recherchiert sein. Die hier zusammen gestellten Informationen helfen Ihnen bei der Vorbereitung..

Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis

Deutsche Staatsbürger benötigen zur Einreise nach Lettland kein Visum. Wer sich jedoch länger als 90 Tage pro Halbjahr in Lettland aufhalten möchte, muss eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Dies sollte bereits in Deutschland über die Botschaft der Republik Lettland ( > Konsularische Information) geschehen. Eine gesonderte Arbeitserlaubnis braucht ein Bürger der EU in der Regel nicht.

Aufgrund der Sozialversicherungsabkommen innerhalb der EU, kann derjenige, der in Deutschland gesetzlich krankenversichert ist, die Leistungen der entsprechenden Gebietskrankenkassen des Gastlandes in Anspruch nehmen. Hierfür ist es ratsam, sich eine Europäische Krankenversicherungskarte (European Health Insurance Card) ausstellen zu lassen, damit es bei der Kostenübernahme im Krankheitsfall nicht zu Problemen kommt.

Lebenshaltungskosten

Das Preisniveau ist etwas niedriger als in Deutschland. Bei nicht allzu hohen Ansprüchen liegen die monatlichen Kosten für Unterkunft, Lebensmittel, Bücher und Freizeit bei ca. EUR 600,- (Die Kosten in den Großstädten sind wesentlich höher als in kleineren Städten).

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Unterkunft

Die preiswerteste Unterkunftsmöglichkeit bieten die Studentenwohnheime. Eine rechtzeitige Anmeldung beim International Student's Office der jeweiligen Hochschule erhöht die Chancen auf einen Wohnheimplatz erheblich. Die monatliche Miete beträgt zwischen EUR 40,- und EUR 100,-. Auch auf dem privaten Wohnungsmarkt sind Unterkünfte zu finden und im Vergleich zu Deutschland sind die Mieten gering (ca. EUR 100,- bis EUR 150,- und mehr).

Hilfreich bei der Wohnungssuche kann sein ein Blick in die Zeitung The Baltic Times.

Stand: 06.09.2017