Überblick: Bildung und Wissenschaft

Shikhlinski

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Südkorea, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des chilenischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse.

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Korea hat ein Schulsystem mit 12 Schuljahren. Am Ende des letzten Schuljahres nehmen die Schüler am staatlichen College Scholastic Ability Test ("Suneung") teil, der allgemein zum Eintritt an die Universitäten berechtigt und nicht nur auf einzelne Fächer, sondern auch auf einzelne Universitäten ausgerichtet ist. Allerdings ist ein Wandel eingetreten: Nur noch circa 26 Prozent (2017) der Bewerber absolvieren die vollständige Suneung, der Rest wird ohne dieses Examen zugelassen oder bestreitet nur noch Teilprüfungen. Zudem muss die Suneung (als Teil- oder Vollprüfung) bei Bedarf wiederholt werden, da sie nur ein Jahr gültig ist. Sie wurde hinsichtlich ihrer Bedingungen auch des Öfteren abgeändert. Diese Tatsache sowie die frühe und universitätsbezogene Spezifizierung machen eine Anerkennung dieser Prüfung im Ausland nicht einfach. Innerhalb Koreas sieht es dann so aus: Wenn man es an eine der Topuniversitäten geschafft hat, werden annähernd alle Studenten durch das Studium hindurchgeschleust.

Die meisten koreanischen Universitäten bieten vierjährige Bachelor-Studiengänge an (sechsjährige für Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie, fünfjährige für Architektur an den meisten Universitäten). Dem können weiterführende Studiengänge zum Masterabschluss (2-3 Jahre) und zur Promotion (3-4 Jahre) folgen. An pädagogisch orientierten Universitäten findet die Lehrerausbildung statt (vierjährig), daneben existieren berufsvorbereitende Colleges (zwei- oder vierjährig), Fernuniversitäten sowie mehrere Schulen mit Universitätsstatus, die zwei- oder vierjährige Studiengänge anbieten. 2017 gab es in Südkorea laut Angaben des koreanischen Bildungsministeriums insgesamt circa 430 Institutionen der höheren Bildung, darunter 146 Junior Colleges, 220 Universitäten und 46 Graduiertenschulen, mit zusammen 3,44 Millionen Studenten und 90.902 Lehrkräften. Gab es 1960 lediglich 52 Universitäten im Land, lag ihre Anzahl 2017 also um ein Vielfaches höher.

Auffällig ist die hohe Zahl an Studenten, die geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer studieren. Diese lag 2017 mit 900.338 Studierenden in etwa gleichauf mit der Anzahl der Studierenden von MINT-Fächern (inkl. Lebenswissenschaften). Circa 70 Prozent aller Oberschüler, welche die Hochschulzulassung erhalten haben, gehen zur Universität, 634.000 Studenten verließen diese 2016 mit einem Abschluss. Diese Überakademisierung macht mittlerweile Probleme: Zwar beträgt die Arbeitslosigkeit südkoreanischer Graduierter laut Regierungsangaben aktuell zwar nominal lediglich 4,4 Prozent, trotzdem hat sich eine gewisse Krisenhaltung eingestellt, da auf diesem Arbeitsmarktssegment ein Angebots-/Nachfragegefälle vorherrscht und selbst ein Abschluss an einer Spitzeninstitution nicht länger eine Jobgarantie bei einer großen koreanischen Firma garantiert.

Eine Besonderheit im südkoreanischen Bildungssystem stellen spezielle Schulen/Universitäten nur für Frauen dar. Diese stammen aus der Zeit, als Schulen und Universitäten generell Männern vorbehalten waren. In diesem Umfeld wurden spezielle Institutionen zur Hochschulbildung für Frauen in erster Linie von Kirchen oder auch durch private Initiative gegründet. Universitäten exklusiv für Männer gibt es heute nicht mehr. Ein Teil der Hochschulen ist staatlich, die meisten allerdings privat. Die bekannteste staatliche Hochschule ist die Seoul National University (seit 2011 mit Autonomiestatus), von den privaten sind unter anderem die Yonsei University und die Korea University hoch angesehen.

In Korea ist es sehr üblich, für den Zweit- und Drittabschluss (M.A. / Promotion) ins Ausland zu gehen, für die Dozenten der Top-Universitäten ist dieser Bildungsweg sogar fast ein Muss. Die meisten haben daher nicht in Korea, sondern in anderen Ländern, zum Beispiel in den USA, Deutschland oder Großbritannien promoviert.
Rankings sind in Korea sehr wichtig. Das populärste lokale Ranking ist das der Tageszeitung Chung Ang Daily, das in erster Linie die Zahl der Publikationen zugrunde legt, aber auch Kriterien wie Employability. Dies führt dazu, dass dieses Ranking sehr wenig Bewegung zeigt, da dieses Kriterium eine sehr hohe Reziprozität zwischen Arbeitsmarkt und Ranking erzeugt, also einen Selbstverstärkungseffekt, der das Ranking weitgehend „betoniert“.

Gemessen am Anteil am BIP liegen die staatlichen Bildungsausgaben von 5,05 Prozent über dem OECD-Durchschnitt von 4,4 Prozent. Addiert man die beträchtlichen privaten Ausgaben von circa 1,7 Prozent hinzu, wird Südkorea bei den Bildungsausgaben zum internationalen Spitzenreiter. Während in Korea 32 Prozent der Bildungsausgaben/BIP privaten Ursprungs sind, beträgt der entsprechende Wert in Deutschland lediglich 13 Prozent. (2014, OECD: Bildung auf einen Blick 2017). Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Höhe von 4,2 Prozent belegt Korea unter den OECD-Staaten den Spitzenplatz (BMBF).

Während immer noch circa drei Viertel der Forschungsausgaben in die angewandte und industrielle Forschung fließen, wird seit etwa 2008 mit massiven Mittelaufwüchsen in den Aufbau der Grundlagenforschung investiert, um akademische Innovationskapazitäten aufzubauen, beziehungsweise im globalen aber auch besonders im innerasiatischen Wettbewerb zu halten. Augenfälligstes Zeichen ist der Aufbau der Institutes for Basic Science (IBS) nach dem Vorbild der Max-Planck-Institute oder auch die Entwicklung des “International Science Business Belt” in Daejeon. Deutsche Interessen an der Forschungslandschaft in Korea spiegeln sich in der Tatsache wider, dass das BMBF von 2005 bis 2017 circa 250 Kooperationsprojekte förderte, unter anderem in der Informations- und Kommunikationstechnologie, Nanotechnologie, Materialforschung, physikalischen und chemischen Technologie sowie in der Umweltforschung und den Lebenswissenschaften.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass in Südkorea ausgehend von der hohen Zahl bereits bestehender Kooperationen interessante Chancen für deutsche Hochschulen bestehen. Das Interesse ist von deutscher Seite auch ungebrochen, was oft daran liegt, dass es viele persönliche und zumeist sehr positive Beziehungen zwischen südkoreanischen und deutschen Wissenschaftlern gibt, die solchen Kooperationsabkommen als Ausgangspunkt und Grundlage dienen. Dieser im Grunde begrüßenswerte Umstand hat jedoch auch eine kritische Seite: Es kommt vor, dass dadurch asymmetrische Partnerschaften entstehen, die einen gemeinsamen Erfolg behindern. Als Faustregel gilt: Man sollte neben fachlichen Aspekten auch in die koreanischen Rankings sehen und dort nicht zu tief stehende Partner wählen, um einen Kooperationserfolg zu gewährleisten. In den Rankings weit obenstehende Universitäten weisen allerdings oft schon zu viele bestehende Partnerschaften auf, sodass sich bei einer solchen Anbahnung dann schnell die Frage der Kooperationsqualität stellt. Als Fazit lässt sich sagen: Eine gewünschte Partnerschaft mit koreanischen Universitäten sollte gut vorbereitet und geprüft sein. Im Vorfeld sollten viele Gespräche und Besuche das echte Interesse und die Bereitschaft zur Bereitstellung von ausreichenden Ressourcen ausgelotet haben.
In Deutschland dagegen haben wir das Problem, tiefer in internationalen Rankings stehende deutsche Institutionen oder dort gar nicht auftauchende Institutionen an potenzielle koreanische Partner zu vermitteln, auch wenn dies oft ideale Verbindungen wären. Dies betrifft vor allem Fachhochschulen, deren Konzept in Korea noch immer einiger Vermittlung bedarf. Für die nächsten Jahre zeichnet sich hier aber durchaus ein sehr interessanter und ertragreicher Kooperationsmarkt ab. Erste Partnerschaften bestehen auch bereits und das Interesse auf koreanischer Seite wächst deutlich.
 

Verfasser: Lars Bergmeyer und Dr. Hokyeong Rhee, Informationszentrum Seoul

Der DAAD ist in Korea mit einem Informationszentrum in Seoul vertreten. Darüber hinaus gibt es jeweils ein Lektorat an der Yonsei University, an der Ehwa Woman’s University, an der Seoul National University, an der Korea University, an der Keimyung University Daegu und an der Pusan National University.