Überblick: Bildung und Wissenschaft

Arpe Caspary

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Kolumbien, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des kolumbianischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
www.daad.de/regionalinformationen.


Kolumbien befindet sich momentan in einer Übergangsphase. Nachdem der Friedensprozess mit der Guerillagruppe FARC unter dem ehemaligen Präsidenten Juan Manuel Santos auf den Weg gebracht wurde, hängt der weitere Verlauf dieses Prozesses vor allem von den zukünftigen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen Kolumbiens und der Region ab. Ein nachhaltiger Frieden kann nur dann gelingen, wenn soziale Ungleichheiten verkleinert und Chancengleichheit und Qualität im Bildungssektor erhöht werden. Im Bereich der Hochschulbildung ist Kolumbien in Lateinamerika nach wie vor ein Boomland. Die Studierendenzahlen steigen stark an und haben sich seit dem Jahr 2000 mehr als verfünffacht. Entsprechend haben die Hochschulen eine Reihe zusätzlicher Studienangebote im grundständigen und vor allem im postgradualen Bereich geschaffen. Vermehrt haben bestehende Universitäten auch Ableger in anderen Städten und jenseits der bisherigen Bildungszentren gegründet.

Die kolumbianische Regierung hat in den letzten Jahren spürbare Anstrengungen unternommen, die Qualität der tertiären Bildung zu verbessern und benachteiligten sozialen Schichten den Hochschulzugang zu erleichtern. Die per Gesetz festgeschriebene Regelung, dass 10 Prozent der Royalties, die in den verschiedenen Regionen eingenommen werden, in die Forschung fließen müssen, ist eine weitere strategische Entscheidung, Kolumbien langfristig zu einem Land zu entwickeln, das nicht nur Rohstoffe exportiert, sondern das produzierende Gewerbe und Innovation stärken will. Allerdings wird der Friedensprozess den kolumbianischen Staatshaushalt über die kommenden Jahre voraussichtlich weiter stark beanspruchen, was unter anderem zur Folge hätte, dass der Forschungsförderungsbehörde COLCIENCIAS weniger statt mehr Geld zur Verfügung stehen würde und man von dem Ziel, 1 Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung auszugeben, nach wie vor weit entfernt wäre (aktuell sind es ca. 0,24 Prozent).

Im Jahr 2013 erhielt Kolumbien den Status eines Beitrittskandidaten bei der OECD und das Land zeigt sich engagiert, die geforderten Kriterien für eine Mitgliedschaft zu erfüllen. Dabei spielt auch der verbesserte Zugang zu Bildung eine wichtige Rolle, was wiederum Investitionen in diesen Bereich erfordert, die bisher aber vor allem der Schulbildung zugutekommen. Es gibt aber auch Programme, die einkommensschwachen Bevölkerungsschichten den Zugang zur höheren Bildung e-möglichen sollen. Der Hochschulzugang ist beschränkter als im Durchschnitt der OECD-Länder, jedoch schneidet Kolumbien auch bei diesem Kriterium im lateinamerikanischen Vergleich gut ab. Ein Grund hierfür ist ein breites und gut etabliertes Studienfinanzierungssystem.

Die intensive Förderung von Studierenden durch Stipendien und Kredite ähnelt stark den angelsächsischen Studienfinanzierungssystemen. So vergibt das Bildungsministerium über das Programm „Ser Pilo Paga“ seit dem Jahr 2015 jährlich ca. 10.000 Vollstipendien, die es den erfolgreichsten Absolventen öffentlicher Schulen ermöglichen soll, die besten Universitäten des Landes zu besuchen. Die staatliche Studienfinanzierungsbehörde ICETEX vergibt Studienkredite für das Studium in Kolumbien und teilweise auch Vollstipendien für längere Auslandsaufenthalte von Graduierten.

In dem nach Brasilien und Mexiko bevölkerungsreichsten Land Lateinamerikas sind über 30 Prozent der Einwohner unter 15 Jahre alt. 51 Prozent eines Jahrgangs machen eine Ausbildung im tertiären Bereich. In Kolumbien gibt es 83 Universitäten, 32 davon sind staatlich, 51 privat (16 davon kirchlich). Daneben existieren 123 „Instituciones Universitarias“ (nur Bachelor-Ausbildung), 50 „Instituciones Tecnológicas“ (technisch-wissenschaftliche Berufsausbildung) und 32 „Instituciones Técnicas“ (technische Berufsausbildung). Insgesamt werden in dem Land damit 288 Institutionen zum tertiären Bildungsbereich gezählt. Die Studierenden verteilen sich zu 49 Prozent auf öffentliche und zu 51 Prozent auf private Hochschulen. Die Abbrecherquote liegt mit ca. 9 Prozent etwas niedriger als in den Vorjahren und der Anteil derjenigen, die sich für ein Master- oder Promotionsstudium entschei-den, ist mit ca. 4 Prozent immer noch sehr gering. Im Jahr 2015 haben 374.738 kolumbianische Studierende einen Abschluss erworben (im Jahr 2001 waren es noch 138.668).

Die Hauptprobleme der kolumbianischen Universitäten liegen in der zu geringen Zahl von promovierten Hochschullehrern, der ungenügenden Zahl an Studienplätzen, der vergleichsweise schlechten Ausstattung von Fachbibliotheken und -laboren, aber auch in der oftmals mangelnden schulischen Vorbereitung auf ein Studium, politisch motivierten Streiks an öffentlichen Hochschulen sowie der relativ hohen Zahl von Studienabbrechern. Dennoch bewegen sich die besten Universitäten des Landes durchaus auf internationalem Niveau. So wurden etwa die Universidad Nacional de Colombia ebenso wie die private Universidad de los Andes in Bogotá in internationalen Rankings mehrfach unter den Top 500 weltweit eingestuft.

Die zuständigen kolumbianischen Institutionen (vor allem das Bildungsministerium, die Forschungsförderorganisationen und Universitäten) unternehmen seit einigen Jahren verstärkte Anstrengungen, mehr Studierende an die Universitäten zu bringen und dort besonders Master- und Promotionsabschlüsse zu fördern. Weitere Ziele sind die Verbesserung der universitären Ausbildung (Qualitätsakkreditierung von Studiengängen und Hochschulen) sowie die weitere Internationalisierung der Universitäten. Im Rahmen dieser Bemühungen ist eine verstärkte Kooperation mit Deutschland strategisches Ziel kolumbianischer Bildungspolitiker und Rektoren.


Verfasser: Dr. Reinhard Babel, Leiter des Informationszentrums Bogotá

Der DAAD unterhält in Kolumbien ein Informationszentrum in Bogotá sowie jeweils ein Regellektorat an der Universidad del Valle in Cali und an der Universidad de Antioquia in Medellín.

Stand: 12.10.2018