Überblick: Bildung und Wissenschaft

by Jphillips23 [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Kanada, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des kanadischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
www.daad.de/regionalinformationen.

In Kanada gibt es 121 Universitäten und University Colleges sowie 159 Colleges (CAUT Almanac of Post-Secondary Education). Neben Volluniversitäten mit grundständigen (Bachelor), weiterführenden (Master) und Doktorandenprogrammen gibt es auch Universitäten, die primär Abschlüsse bis zum Bachelor anbieten. Colleges bieten vorrangig berufsbezogene Abschlüsse (Diploma, Certificate) an und führen nur wenige Studiengänge bis zum Bachelor durch. Meist sind daher nur ein-zelne Studiengänge der Colleges in Deutschland als Hochschulbildung anerkannt.

Das Studienjahr in Kanada gliedert sich in zwei Semester. Das Herbstsemester beginnt meist in der ersten Septemberwoche, Unterrichtsende ist in der Regel Anfang Dezember. Es folgen Prüfungen bis kurz vor Weihnachten. Das Wintersemester (auch „spring term“ genannt) beginnt im Januar, die Vorlesungszeit endet Anfang April und die Prüfungszeit dauert bis Ende April. Zusätzliche Lehrver-anstaltungen sowie Sommerschulen werden im „summer term“ zwischen Mai und August angeboten.

Für die Hochschulbildung sind die Provinzen zuständig. In den meisten Provinzen erfolgt die Zulassung zur Universität direkt nach dem Abschluss der zwölfjährigen High School und das grundständige Studium dauert in der Regel vier Jahre. In Québec endet die Sekundarschule bereits nach elf Jahren, darauf folgt das zweijährige Cégep (Collège d’enseignement général et professionnel), ein universitäts- und berufsvorbereitendes College. Da der Besuch eines Cégeps für die Zulassung zur Universität in Québec vorgeschrieben ist, sind in dieser Provinz dreijährige Bachelorprogramme die Norm.

Bei den Masterstudiengängen werden forschungs- und praxisorientierte Studiengänge unterschieden. In den forschungsorientierten Programmen ist ein Übergang in ein Doktorandenprogramm möglich. Die Übergänge zwischen Master- und Doktorandenprogrammen als Teil der „graduate studies“ sind fließender als in Deutschland und die Programme sind häufig sehr klein. Doktoranden erhalten mit ihrer Zulassung meist eine Zusage für ein „funding package“ über vier bis fünf Jahre. Die Förderung besteht in der Regel aus Gebührenreduzierung, Stellen als „research“ oder „teaching assistant“ und einem Stipendium.

Die meisten kanadischen High School Abschlüsse reichen für einen direkten Hochschulzugang in Deutschland nicht aus. Die High School dauert in allen Provinzen außer Québec zwölf Jahre (in Québec elf Jahre). In der Regel muss entweder ein Studienjahr im Heimatland absolviert oder die Feststellungsprüfung (Studienkolleg) abgelegt werden, um ein grundständiges Studium aufzunehmen. Nur in Ontario kann mit bestimmten Fächerkombinationen und einer ausreichenden Zahl von universitätsvorbereitenden Kursen der direkte Hochschulzugang erreicht werden. Gleiches gilt für das International Baccalaureat, das an über 140 Schulen in Kanada angeboten wird.

Für Québec gilt die Sonderregelung, dass nach dem Schulabschluss eine zweijährige Vorbereitung auf die Universität an einem Cégep folgt. Der Abschluss des Cégep berechtigt bei erfolgreichem Abschluss von 24-28 Kursen zum direkten Hochschulzugang. Der kanadische Bachelorabschluss wird in der Regel für die Zulassung zu deutschen Masterprogrammen akzeptiert.

Hochschulfinanzierung durch Provinzregierungen und Studiengebühren

Finanziert werden die Hochschulen größtenteils durch Mittel der Provinzen und durch Studiengebühren. Die Gebührenhöhe unterscheidet sich je nach Provinz und Universität, teilweise auch nach Fach. Außerdem werden verschiedene Sätze fällig für Studierende aus der Heimatprovinz, aus anderen kanadischen Provinzen und aus dem Ausland. Die durchschnittlichen Studiengebühren für kanadische Vollzeit-Studierende in grundständigen Programmen im Jahr 2016/2017 betrugen 6.571 kanadische Dollar (1 CAD entspricht im Juni 2018 circa 0,65 Euro). Die höchsten Gebühren werden für medizinische Fächer und Jura erhoben, die niedrigsten für Geistes- und Sozialwissenschaften. Internationale Studierende zahlen deutlich höhere Gebühren, durchschnittlich 25.180 CAD (under-graduate) beziehungsweise 16.252 CAD (graduate) pro Studienjahr. Die höchsten Studiengebühren erheben Universitäten in Ontario, die niedrigsten Newfoundland und Labrador. Die Studiengebühren sind im Zeitraum 1991/1992 bis 2011/2012 um circa 225 Prozent gestiegen. Die institutionelle Förderung durch die Provinzen hat sich im gleichen Zeitraum verringert.

Die enge Verbindung von Forschung und Lehre ist ein wichtiges Merkmal der kanadischen Universitäten. Als U15 haben sich besonders forschungsstarke Universitäten zusammengeschlossen. Drittmittel für Forschung können bei den drei nationalen Förderorganisationen (Natural Sciences and Engineering Research Council - NSERC, Social Sciences and Humanities Research Council - SSHRC und Canadian Institutes of Health Research - CIHR) eingeworben werden. Die nationale
Forschungsstrategie Kanadas hebt Umwelt- und Agrarwissenschaften, Rohstoffe und Energie, Gesundheitswissenschaften, Informations- und Kommunikationswissenschaften sowie Produktionstechnik als Schwerpunkte hervor.

Seit dem Regierungswechsel im Jahr 2015 steigen die Forschungsausgaben in Kanada wieder an. Die Regierung Trudeau hat eine Studie zur Grundlagenforschung in Auftrag gegeben (Fundamental Science Review, auch „Naylor Report“ genannt), die einen deutlichen Anstieg der Mittel insbesondere für die Grundlagenforschung empfohlen hat. In der Folge wurden die Zuwendungen für die großen nationalen Förderorganisationen (Natural Sciences and Engineering Research Council - NSERC, Social Sciences and Humanities Research Council - SSHRC und Canadian Institutes of Health Research - CIHR) stark erhöht, außerdem wurden Innovations- und Infrastrukturprogramme aufgelegt. Der 2017 vorgestellte “Innovation and Skills Plan” sowie zahlreiche weitere Programme zur Wissenschafts- und Innovationsförderung verdeutlichen den hohen Stellenwert der Forschung für die liberale Regierung.
 

Verfasserin: Dr. Alexandra Gerstner, ehem. Leiterin des DAAD-Informationszentrums in Toronto

Der DAAD ist in Kanada mit einem Informationszentrum in Toronto mit Sitz in der Munk School of Global Affairs an der University of Toronto vertreten.
 

Für weitere Informationen

Studieren und leben in Kanada

Stand: 14.11.2018